Pfronten

Pfrontens Villa Goldonkel aus dem Dornröschenschlaf wecken

Ein beliebtes Fotomotiv, das der Heimatverein Pfronten jetzt aus dem Dornröschenschlaf holen will: die Villa Goldonkel.

Ein beliebtes Fotomotiv, das der Heimatverein Pfronten jetzt aus dem Dornröschenschlaf holen will: die Villa Goldonkel.

Bild: Erwin Kargus

Ein beliebtes Fotomotiv, das der Heimatverein Pfronten jetzt aus dem Dornröschenschlaf holen will: die Villa Goldonkel.

Bild: Erwin Kargus

Großreinemachen im und rund um das Haus. Wie der Heimatverein dieses Pfrontener Juwel künftig nutzen will.
Ein beliebtes Fotomotiv, das der Heimatverein Pfronten jetzt aus dem Dornröschenschlaf holen will: die Villa Goldonkel.
Von Erwin Kargus
10.08.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Die Pfrontener Villa Goldonkel soll aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. Das wünscht sich der örtliche Heimatverein. Im Inneren des beliebten Fotomotivs könnte ein Künstlerhaus mit Wechselausstellungen entstehen, umgeben von viel Grün mit Obstbau. DieAZplauderte mit dem Vorsitzenden des Heimatvereins, Philipp Trenkle, darüber in der guten Stube des baulichen Pfrontener Juwels.

Wie im Märchen

Das alte Gebäude ist laut Trenkle um das Jahr 1600 das erste Mal erwähnt worden, 1793 kam das jetzige Ständerbohlenhaus hinzu. Dieses wurde auf das bestehende steinerne Haus aufgesetzt. Heute erscheint der alte Hausteil von 1600 wie eine Unterkellerung des Holzhauses. Der „Goldonkel“ wurde zuletzt als Kindererholungsheim vom „Seraphischen Liebeswerk“ genutzt. Nach dem Kauf durch die Gemeinde Pfronten um die Jahrtausendwende räumte diese das Gebäude aus und erneuerte Fußböden sowie Dachrinnen. Dann versank es nach dem „Tag des offenen Denkmals“ am 12. September 2010 in einen Dornröschenschlaf. Und tatsächlich – wie im Märchen – begannen Rosen und Efeu das Haus einzuwuchern.

Im vergangenen Jahr kam aus den Reihen der Pfrontener Heimatfreunde die Idee auf, das Haus vom Gestrüpp freizulegen und eine bunte Blumenwiese vor der Villa Goldonkel sprießen zu lassen. Daneben wurde Gras gemäht, der Boden aufgefräst und die Rosen geschnitten. Der Bauhof pflanzte vor dem Haus heuer passend dazu mehrere Obstbäume. Um das Großreinemachen im Haus nahmen Christl Wildner und Eva Mulryan an: 390 Stunden lang schrubbten sie auf den drei Geschossen die Fußböden und Türen und reinigten 238 Scheiben in 43 Fenstern. Es galt auch, die Hinterlassenschaften eines Marders zu beseitigen. Unter Mithilfe anderer Heimatfreunde wurden Scheibengardinen genäht, Allgäuer Flecklesteppiche fanden sich ein, Treppenstufen galt es zu verändern und Geländer zu verlegen, vor den Fenstern prangten plötzlich Blumenkästen – und schließlich erschien das Haus wieder wohnlich und gemütlich.

Bauernhaus-Charakter erhalten

Der Heimatverein Pfronten und seinem Vorsitzenden schwebt jetzt vor, das Haus als Künstlerhaus einzurichten, ohne ihm seinen Bauernhaus-Charakter zu nehmen. Pfronten besaß seit 1600 eine hohe Künstlerdichte, weiß Trenkle. Vieles davon ist heute für die kunstinteressierte Öffentlichkeit indes nicht zugänglich. In einem Künstlerhaus „Goldonkel“ könnten von jedem verstorbenen oder lebenden Künstler ein oder mehrere Werke gezeigt werden. Auch wechselnde Sonderausstellungen wären als Publikumsmagnet denkbar. Pfronten würde dann verstärkt von außen als „Künstlerdorf“ wahrgenommen. „Der Goldonkel als Künstlerhaus und die Wechselausstellungen könnten und sollten schließlich vor allem über die neuen Medien entdeckt werden“, regt Philipp Trenkle an. Der landwirtschaftliche Teil des Gebäudes könne dabei möglichst unberührt bleiben, um das technische Gerät hier zu erhalten und den Haustyp nicht zu verändern.

Der Obstbau könne auf der Wiese beim Haus so aktiviert werden, wie er um 1900 üblich war. Das wäre auch für Schulklassen interessant. Vielleicht könnten hier ja auch ein paar Pfrontener Weinreben gedeihen, schwärmt Trenkle.

Dringend erforderlich sei jedenfalls eine Drainage zwischen Kirchenmauer und Fundament des alten Hauses, der Anschluss an die Kanalisation und eine Besuchertoilette. Bürgermeister Alfons Haf will in den nächsten Wochen mit dem Kreisbaumeister Lax das Haus besichtigen. Der Bürgermeister versucht bei dieser Gelegenheit, Unterstützung bei der Sanierung und Finanzierung zu erhalten, beispielsweise durch Fördermittel der Denkmalpflege.„Dem Haus ist zu wünschen“, sagt Philipp Trenkle, „dass es mit dem Schwung, den die beiden Pfrontener Frauen bereits bewiesen, weiter vorwärts geht, damit das beliebte, schöne Motiv ’Nikolauskirche-Goldonkel-Heimathaus’ als Juwel im Ortsbild seinen alten Glanz wieder zurückerhält.“

Immer wieder Neues entdecken

Auch Heimatkundler Bertold Pölcher befasst sich seit einiger Zeit mit den Daten und Fakten zur Goldonkel-Geschichte. Er entdeckt beim Forschen immer wieder Neues und Interessantes. Ein gutes Omen für das Gelingen all der Pläne kann schließlich bedeuten, dass in der guten Stube des Holzhauses die Frauen beim Reinigen in der Mitte der Kassettendecke das nur leicht übermalte „Auge Gottes“ entdeckten.