Füssen

Regelwerk gegen zu viele Gästebetten

Luftaufnahmen Füssen mit Hohem Schloss

Luftaufnahmen Füssen mit Hohem Schloss

Bild: Benedikt Siegert

Luftaufnahmen Füssen mit Hohem Schloss

Bild: Benedikt Siegert

Beherbergungskonzept Stadt will ein Instrument zur Hand haben, um rechtlich abgesichert Neuansiedlungen von Hotels steuern zu können. Kommunen wie Heidelberg haben es bereits
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Von Heinz Sturm
19.08.2019 | Stand: 14:35 Uhr

Der Tourismusmarkt in Füssen boomt: 2009 gab es 6501 Gästebetten, im vergangenen Jahr waren es 7130 – ein Zuwachs von fast zehn Prozent. Doch beileibe nicht immer entsprachen die zusätzlichen Betriebe mit den neuen Betten der von offizieller Seite propagierten Qualitätsoffensive im Tourismus. Währenddessen machten in der Bevölkerung Schlagwörter wie Massentourismus immer häufiger die Runde. Die Stadt indes hatte in den meisten Fällen baurechtlich keine Handhabe, um die Betriebe verhindern zu können. Das soll sich ändern: Die Verwaltung will ein Beherbergungskonzept auf den Weg bringen, das auch den planerischen Überbau für eine Satzung gegen das Problem der Zweitwohnungen (siehe Infokasten)bilden könnte.

Von 2009 bis 2018 stieg die Zahl der Übernachtungen in Füssen um fast 350 000 auf über 1,46 Millionen an. Und der Zuwachs könnte noch höher ausfallen, wenn es denn mehr Gästebetten gäbe. Denn in der Hochsaison ist die Nachfrage deutlich höher als das Angebot.

Das wollen Investoren nutzen, die durch die Niedrigzinsphase ihr Geld in Hotels oder sonstige Beherbergungsbetriebe anlegen wollen, weil das eine gute Rendite verspricht. Die Kehrseite der Medaille: In touristisch schwächeren Monaten setzt ein gnadenloser Preiskampf ein, da man dann ein Überangebot an Betten hat. Ein Preiskampf, der die Wirtschaftlichkeit vieler Betriebe gefährdet.

Das unregulierbare Wachstum der Bettenzahl hat Tourismus-Chef Stefan Fredlmeier schon öfters kritisch kommentiert. Man wolle „absehbare Überkapazitäten in Füssen mit den daraus für die Stadt, die Einwohner und die Gäste erwachsenden Nachteilen verhindern“, sagte er einmal. Doch bislang waren der Stadt in den meisten Fällen die Hände gebunden – baurechtlich konnte sie neue Betriebe nicht verhindern.

Das soll sich ändern, wie Hauptamtsleiter Peter Hartl auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte. Denn die Kommune plant ein Beherbergungskonzept, wofür sich bereits der Fraktionsbeirat grundsätzlich ausgesprochen habe. Damit will man neue Betriebe nicht grundsätzlich verhindern, aber die Entwicklung steuern – denn gegen qualitativ hochwertige Hotels oder Betriebe, die Nischen ausfüllen können, haben auch die heimischen Touristiker nichts. Hartl verweist auf die Stadt Heidelberg, deren Kommunalpolitiker vor wenigen Monaten ein solches Konzept bereits verabschiedet haben. Heidelberg will damit einer Überhitzung des Marktes und Überkapazitäten entgegenwirken. Das Ziel sei eine gesunde Weiterentwicklung mit einer Mischung aus großen Hotels und kleineren inhabergeführten Betrieben sowie mit punktuellen Neuansiedlungen in Bereichen, wo Bedarf bestehe. Das Konzept soll künftig die Grundlage zur Steuerung von Neuansiedlungen in Heidelberg bilden, um den Bettenzuwachs sowohl quantitativ als auch qualitativ dem Bedarf entsprechend lenken zu können.

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Ein solches Konzept soll nun auch in Füssen eingeführt werden – als städtebauliche Grundlage, sagt Hartl. Man müsse das gesamte Stadtgebiet untersuchen und Fragen klären wie: Wo ist eine zusätzliche touristische Nutzung denkbar? Wo soll der Fokus auf der Wohnnutzung liegen? Das Stadtentwicklungskonzept sei eine informelle Planung, doch daraus könne man konkrete Schritte für die Bauleitplanung ableiten. Und das bedeutet, dass die Stadt Füssen eine baurechtlich abgesicherte Handhabe gegen immer weitere Hotels hätte, die nicht zum touristischen Konzept passen. Und letztlich könne man daraus ein Regelwerk gegen Zweitwohnungen ableiten.