Dauerregen im Allgäu

Reportage unter Allgäu-Urlaubern: Gute Miene zum nassen Spiel

Was tun bei Dauerregen im Allgäu? Die meisten Urlauber bleiben noch gelassen, andere werden schön langsam ungeduldig. Unser Foto entstand in der Füssener Altstadt und zeigt ein regenüberströmtes Miniatur-Modell der Stadt

Was tun bei Dauerregen im Allgäu? Die meisten Urlauber bleiben noch gelassen, andere werden schön langsam ungeduldig. Unser Foto entstand in der Füssener Altstadt und zeigt ein regenüberströmtes Miniatur-Modell der Stadt

Bild: Benedikt Siegert

Was tun bei Dauerregen im Allgäu? Die meisten Urlauber bleiben noch gelassen, andere werden schön langsam ungeduldig. Unser Foto entstand in der Füssener Altstadt und zeigt ein regenüberströmtes Miniatur-Modell der Stadt

Bild: Benedikt Siegert

Von Urlaubswetter ist weiter keine Spur. Doch wie reagieren die Touristen im Allgäu darauf? Einige werden langsam ungeduldig, wie unsere Kollegin erfahren hat.
01.09.2021 | Stand: 15:08 Uhr

Genervte Gesichter, hängende Köpfe und Schultern – Fehlanzeige. Die Urlauber in der Füssener Innenstadt sind trotz Dauerregen und herbstlicher Temperaturen optimistisch. „Noch geht´s. Wenn es jetzt bis Sonntag so weiter regnet, dann sind wir aber auch irgendwann genervt“, witzelt Joachim Spörl. Der Duisburger ist mit Freunden für eine Woche ins Allgäu gekommen und macht Urlaub in Bad Faulenbach. Doch nicht alle Gäste sehen die Lage so entspannt.

Schlechtes Wetter im Allgäu: Vor allem die Stammgäste werden langsam ungeduldig, sagen Touristiker

Sylvia Einsle, Tourismusdirektorin aus Schwangau, schildert die Stimmung der Urlauber etwas angespannter. Gerade die Stammgäste, die alle Museen und Schlösser schon zigmal besucht haben, seien langsam etwas ungeduldig. „Diese Gäste möchten einfach den Sommer am See oder beim Wandern genießen, das ist in diesem Jahr leider nicht so häufig möglich“. Außerdem fügt sie hinzu, dass die Aufenthalte Pandemie bedingt länger werden und dadurch die Nerven der Urlauber schwinden.

Der Duisburger Spörl bleibt da jedoch ganz entspannt: Einen Spaziergang um den Hopfensee hat er gemacht. Auch am Lechfall war er schon. Die E-Bike-Tour um den Forggensee müsse jedoch warten, bis zumindest der Regen nachgelassen hat. Im Laufe des Tages möchte die Reisegruppe aus dem Ruhrgebiet noch auf den Kalvarienberg bei Füssen wandern und hofft dort zumindest auf ein bisschen Aussicht. Mit seinem gelben Ostfriesen-Regenmantel ist Spörl immerhin bestens ausgerüstet. (Lesen Sie auch: Angst vor nächster Flutwelle in Rettenberg - „Die Menschen wollen sehen, dass etwas passiert")

In Füssen nutzen Urlauber das Regenwetter zum Shoppen oder für einen Ausflug zum Lechfall

Heide Thorn hingegen nutzt das schlechte Wetter für ausgiebige Shopping-Touren. Durch die Läden in der Kemptener Innenstadt ist sie bereits gebummelt, jetzt ist sie in der Füssener Reichenstraße unterwegs. „Was hilft uns jammern? Wir müssen das Beste daraus machen. Hier gibt es schließlich genug zu tun“, betont sie. Am Sonntag hatte sie bereits dem Regenwetter getrotzt und einen Ausflug auf den Breitenberg gemacht.

Während Thorn das erzählt, bilden sich lange Schlangen vor der Füssener Tourist-Information. Es scheint, als suchen die Urlauber Tipps für diesen verregneten Sommer. Doch was empfehlen die Tourismus-Profis den Besuchern dieser Tage? Laut den Mitarbeitern vom Schalter sind die Urlauber trotz des herbstlichen Wetters unternehmensfreudig und guter Laune. „Ein paar Nörgler gibt es immer, aber die gibt es auch, wenn es zu heiß ist“, sagt Manuela Poth von Füssen Tourismus und Marketing (FTM). Die verschiedenen Führungen finden auch bei Regen statt und das Indoor-Angebot der Umgebung ist vielseitig. Hier finden sich beispielsweise Unternehmungen wie Museums- oder Käsereibesuche, Erlebniswelten und natürlich die Besichtigung der Königsschlösser.

Eine Familie kam sogar mit einer Excel-Tabelle angereist, um Schlechtwetter-Alternativen für den Allgäu-Urlaub zu haben

Lesen Sie auch
##alternative##
Tourismus

Immer mehr Urlaubsgäste in Kaufbeuren

Oder man macht es wie Familie Minke aus Ingolstadt. „Man muss sich nur gut vorbereiten“, sagen sie. Und das haben die Vier auch gemacht und zwar anhand einer ausführlichen Excel-Liste. Auf der stand beispielsweise auch die Handy-Stadtführung durch Füssen, zu der sie am Nachmittag direkt aufbrachen. Verworfen haben sie dagegen ihre Pläne zu einer Schnäppchen-Jagd: „Als wir beim Parkplatz vom Outlet ankamen, sind wir direkt wieder umgedreht“, beschreiben sie den Ansturm auf den Sportmarkt in Füssen. Die Idee, Sport- und Outdoorbekleidung, vielleicht auch Regenbekleidung zu kaufen, hatten am Vormittag wohl einige. Alternativ ging es für die vier dann zum Lechfall. Der hat mit seinen tosenden Wassermassen auch den Nachwuchs beeindruckt. Auf die Frage, ob das nun ihr letzter Besuch im Allgäu sei, antworteten sie einvernehmlich: „Na, auf keinen Fall!“ Und die gute Nachricht für Touristen und Einheimische ganz zum Schluss: Ab Mittwoch ist ja wieder eine eindeutige Wetterbesserung in Sicht.

Lesen Sie auch: Gefährliche Wildbäche: Wie Verbauungen Oberallgäuer Ortschaften schützen