Bildung

Schüler und Schülerinnen in und um Füssen: Was bleibt vom Corona-Schuljahr?

Nur mit Maske: Erster Schultag in Bayern

Wenn die Kinder im vergangenen Schuljahr überhaupt in die Schule durften, dann meist nur mit Maske. Auch nach den Sommerferien könnte dieses Bild wieder vorherrschen.

Bild: Benedikt Siegert (Archivfoto)

Wenn die Kinder im vergangenen Schuljahr überhaupt in die Schule durften, dann meist nur mit Maske. Auch nach den Sommerferien könnte dieses Bild wieder vorherrschen.

Bild: Benedikt Siegert (Archivfoto)

Ein Krisen-Schuljahr geht zu Ende. Schulleiter aus Füssen und Umgebung erklären, was diese Zeit mit Kindern und Lehrern gemacht hat.
27.07.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Schüler und Lehrer waren sich in einem wohl noch nie so einig wie jetzt: Präsenzunterricht, das in die Schule gehen, ist viel wert. Zumindest schildern diesen Eindruck Schulleiter aus dem Füssener Land. Ein ungewöhnliches Jahr in den Schulen geht zu Ende. Geprägt war es von Unterricht ohne Klassenzimmer, einem digitalen Entwicklungsschub und wenig persönlichem Kontakt. Doch was bleibt von diesem Corona-Schuljahr und wie wird es weitergehen?

Andreas Roth, fachlicher Leiter des Schulamtes Ostallgäu, hat von vielen Schulen vor allem positive Rückmeldungen erhalten. Der Distanzunterricht sei schnell und professionell über die Bühne gegangen. Klar sei jedoch auch: „Nicht alle Schülerinnen und Schüler konnten gleichermaßen erreicht werden.“

Die Probleme sind da

Wissenslücken, Lerndefizite oder mangelnde Sozialkompetenz. Die Probleme sind da. „Das lässt sich nicht wegdiskutieren“, sagt Füssens Realschulleiter, Andreas Erl. Einfache Regeln wie „wenn ich spreche, hörst du zu“ oder sich lange zu konzentrieren: „Die soziale Isolation hat schon Spuren hinterlassen.“

Lücken werden also das kommende Schuljahr begleiten. Und sie zu schließen wird eine Herausforderung, sagt der Schulleiter des Gymnasiums Hohenschwangau Thomas Schauer: „Das wird sicherlich ein Marathonlauf.“ Gelitten habe die Gemeinschaft, das Zusammenleben. Schuld daran sei vieles.

„Teilweise ist es auch die der Schüler“, erklärt Schauer. Problem im Distanzunterricht per Video sei die Kamera. Laut Datenschutz müssen Schüler diese während des Unterrichts nicht einschalten. Die Stimme reicht. Vor allem in den Jahrgangsstufen acht bis zehn hätten die Lehrkräfte nur wenige Gesichter gesehen. Mit Kamera hätte viel Stoff gewinnbringender vermittelt werden können, ist sich Schauer sicher. „Als Lehrer sprach man oft ins schwarze Loch.“

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In Grundschulen hat der Unterricht auf Distanz weggenommen, was laut Füssens Schulleiterin Martina Mattner-Riegger enorm wichtig ist: „Wir leben von der persönlichen Beziehungsebene.“ Nicht selten nennen Kinder ihre Lehrkräfte versehentlich „Mama“. Diese Bindung sei digital nicht möglich gewesen. So gut es digital funktioniert hat, so klar sind auch die Schwächen geworden: „Englischvokabeln im Chor online zu sprechen – das klappt einfach nicht“, sagt die Schulleiterin. Respekt hat sie vor den Eltern. Nur in Zusammenarbeit mit ihnen sei der Unterricht möglich gewesen. Zwar sei es nur in seltenen Fällen nicht gelungen, intensiven Kontakt zu Eltern und Kind zu halten. Diesen Kindern drohe aber, den Anschluss zu verlieren.

Schere zwischen den Schülern geht auseinander

Ob die Lernsituation zuhause und damit auch die Hilfe der Eltern entscheidend für eine gute Entwicklung der Kinder sein wird, muss sich zeigen. Gymnasialleiter Schauer merke jetzt schon eine Kluft. Die Schere zwischen Schülern, die gut mit der neuen Form des Unterrichts zurechtkamen und denen, die Probleme hatten, gehe weit auseinander. Das Schulamt erklärt jedoch, es werde umfassend darauf reagiert. Seit den Pfingstferien gibt es das Förderprogramm des Staatsministeriums „gemeinsam.Brücke.bauen“. Darin soll in drei Phasen, also noch bis zu den Sommerferien, in den Sommerferien und im kommenden Schuljahr, gezielt Lernförderung und Gemeinschaft erlebt werden. Die Schulen im Füssener Land reagieren ebenso: Am Gymnasium Hohenschwangau wird es Sommerkurse geben.

Das Angebot ist aber begrenzt, denn der Unterricht werde von Lehrern freiwillig angeboten. Nicht alle Lehrkräfte sind dazu bereit. Realschulleiter Erl setzt dagegen auf eine „verdiente Erholung in den Ferien“. Bislang sei die Nachfrage der Eltern nach Förderunterricht in der unterrichtsfreien Zeit ohnehin gering. Im nächsten Schuljahr gebe es dagegen gewohnt gezielten Förderunterricht. Die Grundschule Füssen-Schwangau bietet zum ersten Mal Sommerkurse an. Mattner-Riegger wird selbst vor Ort sein.

Was also bleibt nun vom Schuljahr, außer Lernlücken? Für Erl ist da der digitale Schub, den das System ohne die Krise wohl nicht so schnell bekommen hätte. „Teams wird auch im nächsten Schuljahr eine wichtige Rolle für uns spielen.“ Teams ist eine Plattform der Firma Microsoft, die Videokonferenzen und Chatmöglichkeiten ermöglicht.

Großer Einsatz der Lehrer und Lehrerinnen

Technisches Know-how und Selbstständigkeit seien vor allem seitens der Schüler dazugewonnen worden. „Ich danke speziell auch den Lehrerinnen und Lehrern für ihren großen Einsatz,“ sagt Erl. In Hohenschwangau haben sich Lehrer, Schüler und Eltern gemeinsam gegen die Krise gestemmt. Das Jahr ist laut Schauer deshalb „besonders anstrengend, aber trotzdem erfolgreich“ gewesen. Positive Rückmeldungen von Eltern haben ihn in dieser Zeit besonders gefreut. Seit der Rückkehr zum Präsenzunterricht fällt ihm zudem auf: „Das Grüßen auf dem Gang hat zugenommen. Die Grundstimmung ist wirklich gut.“

(Lesen Sie hier, Füssen macht den Weg frei für Container an Schulen.)