Welt-Schildkröten-Tag

Schildkröten: In Minuten gekauft, jahrzehntelange Verantwortung

Im Reptilienzoo in Füssen gibt es derzeit Schildkröten-Babys. So klein bleiben die Winzlinge aber nicht, wie das große Exemplar auf dem Bild zeigt.

Im Reptilienzoo in Füssen gibt es derzeit Schildkröten-Babys. So klein bleiben die Winzlinge aber nicht, wie das große Exemplar auf dem Bild zeigt.

Bild: Dieter Graf

Im Reptilienzoo in Füssen gibt es derzeit Schildkröten-Babys. So klein bleiben die Winzlinge aber nicht, wie das große Exemplar auf dem Bild zeigt.

Bild: Dieter Graf

Wer Schildkröten halten will, muss eine Menge beachten. Sie werden zum Beispiel sehr alt. Welche Tipps ein Füssener Reptilien-Experte gibt
24.05.2020 | Stand: 06:58 Uhr

Schildkröten bevölkern seit über 220 Millionen Jahren die Erde, kommen nahezu überall vor, haben sich an viele Veränderungen angepasst und stets überlebt – bis jetzt. Durch menschliche Einflüsse sind viele Schildkrötenarten akut gefährdet. Zum einen, „weil sie in manchen Ländern gegessen werden“, sagt Dieter Graf, Inhaber des Reptilienzoos Allgäu in Füssen. Zum anderen, „weil ihre Lebensräume großflächig vernichtet werden“, zugunsten zum Beispiel von Palmölplantagen. Auf diese Entwicklung soll der Welt-Schildkröten-Tag am 23. Mai aufmerksam machen.

Auch als Haustiere haben es die gepanzerten Reptilien laut dem Deutschen Tierschutzbund nicht immer leicht. Sie hätten hohe Haltungsansprüche und der Handel berate Interessenten oft falsch über ihre Bedürfnisse, ihre spätere Größe und Lebenserwartung. Das Ergebnis: Viele Schildkröten leiden unter nicht artgerechten Bedingungen und werden tausendfach ausgesetzt.

Auch Graf rät dazu, sich die Anschaffung einer Schildkröte gut zu überlegen und am besten bei einem Züchter zu kaufen, der die richtigen Informationen vermitteln kann. Früher zum Beispiel seien die Reptilien vielfach mit Obst und Gemüse gefüttert worden. Das aber mache sie auf Dauer krank. Stattdessen „brauchen sie Kräuter. Sie mögen alles, was draußen vorkommt, zum Beispiel Löwenzahn und Spitzwegerich“, sagt Graf. In der Übergangszeit, wenn auf den Wiesen wenig wächst, füttert er seinen Schildkröten Salate mit gezackten Rändern. Andere Varianten, wie Kopfsalat, seien für die Tiere nicht gut.

Naturnahe Haltung Pflicht

Gehalten werden sollten die Reptilien so naturnah wie möglich. Dabei spielen auch die Klimabedingungen eine Rolle. Das bedeutet zum Beispiel für europäische Landschildkröten, die laut Graf viele Leute hierzulande halten, sie brauchen viel UV-Licht und sie müssen Winterschlaf bei Temperaturen zwischen fünf und acht Grad halten. „Sonst werden sie krank“, sagt der Reptilienexperte. Möglichkeiten die Tiere zu überwintern sind ein Kühlschrank, eine Klimakiste oder eine Holzkiste im kühlen Keller. Die Behausung sollte von außen einsehbar sein. Dadurch kann früh erkannt werden, ob das Tier seinen Winterschlaf unterbrochen hat, weil es vielleicht krank ist. „Wenn man nur einmal die Woche reinschaut, kann es schnell zu spät sein“, warnt Graf. Wichtig im Winterquartier ist außerdem ein Schutz vor Nagetieren. Diese können die Schildkröten nämlich anfressen.

Nach den Eisheiligen Mitte Mai können die Reptilien draußen einquartiert werden – zum Beispiel in einem Gewächshaus mit artgerechter Anlage. Schafft man dort frost- und nagetiersichere Überwinterungsplätze, können die Tiere auch ganzjährige im Freien bleiben.

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Wer sich Schildkröten anschaffen will, sollte vorher überlegen, ob er sich die nicht ganz günstigen Haltungskosten leisten kann und beachten, dass sie sich nicht als Trag- und Streicheltiere, sondern nur zum Anschauen eignen. Außerdem sind viele Arten zu Beginn putzig klein, können aber enorm wachsen. Bei ihm im Reptilienzoo landeten oft Wasserschildkröten, weil die Besitzer nicht wussten, dass aus den Winzlingen suppentellergroße Reptilien werden. Das Gleiche gilt für viele tropische Arten. Sie sind „zwar leichter zu halten, weil sie keinen Winterschlaf brauchen“, sagt Graf. Er hat aber eine im Zoo, die 30 Kilogramm auf die Waage bringt – und sie ist erst sechs Jahre alt. Das heißt sie kann noch weiter wachsen, und zwar etliche Jahre lang. Denn die Tiere können „über 100 Jahre alt werden“, sagt Graf. „Man kauft sie in Minuten und hat dann eine jahrzehntelange Verantwortung.“

Wollen Menschen diese nicht weiter tragen, werden Schildkröten oft ausgesetzt. Das kann ihr Todesurteil sein, da sie das Klima hierzulande nicht vertragen. Überleben sie doch, sind sie als fremde Invasoren eine Bedrohung für heimische Arten. Ausgesetze Schmuckschildkröten schädigen laut Tierschutzbund zum Beispiel das heimische Ökosystem teils massiv: Sie fressen Amphibien und Gewässerpflanzen und stehen in starker Konkurrenz zur bedrohten Europäischen Sumpfschildkröte. Auch im Füssener Raum werden zum Beispiel an Seen immer wieder Schildkröten gefunden und zu ihm gebracht, sagt Graf.