Tag 8 des AZ-Ferienprogramms

Schule anno dazumal: „Jetzt in die Schule zu gehen, ist besser“

Ferienprogramm

Waren die Hände früher nicht sauber genug oder ein Schüler verstieß anderweitig gegen die Regeln, gab es Tatzen mit dem Rohrstock auf die Hände. Edelka Christiansen demonstrierte das beim Schulunterricht von anno dazumal.

Bild: Alexandra Decker

Waren die Hände früher nicht sauber genug oder ein Schüler verstieß anderweitig gegen die Regeln, gab es Tatzen mit dem Rohrstock auf die Hände. Edelka Christiansen demonstrierte das beim Schulunterricht von anno dazumal.

Bild: Alexandra Decker

Im Heimatmuseum Seeg erleben die Kinder Unterricht wie vor 100 Jahren und was das für Schüler und Lehrer in dieser Zeit bedeutete.
13.08.2021 | Stand: 06:00 Uhr

„Jetzt in die Schule zu gehen, ist besser als früher.“ Das stand für Jasmin und ihre Freundin Luisa (beide 11 Jahre und aus Seeg) außer Frage, nachdem sie am Mittwochnachmittag bei den Ferien mit der AZ einen Schulunterricht wie vor 100 Jahren erlebten. Dazu eingeladen hatte der Museumsverein Seeg ins dortige Heimatmuseum.

Edelka Christiansen schlüpfte dafür in ein historisches Gewand und die Rolle der strengen Lehrerin Fräulein Rottenmeier. Dann hieß es erst einmal gerade sitzen, Unterarme auf den Tisch und Arme an den Körper. Wer sich nicht benahm, für den gab es angetäuschte Tatzen auf die Hände oder ein paar mit dem Rohrstock auf den Hosenboden. Auf einem Scheitholz durften die Kinder ausprobieren, wie es sich anfühlt darauf zu knien – eine gängige Strafe im Schulalltag früherer Zeiten. „Bis ins Jahr 1979 durften Lehrer ihre Schüler noch schlagen. Jetzt ist das verboten“, erklärte Christiansen den Kindern. (Lesen Sie auch: Mit Pfeil und Bogen im Parcours - Ferienprogramm in Nesselwang)

Unterricht vor 100 Jahren: Wie damals geschrieben wurde

Geschrieben wurde damals nicht in Hefte, sondern auf Schiefertafeln. Auch das durften die Mädchen und Buben ausprobieren. Abgewischt wurde die Schrift anschließend wieder mit kaltem Wasser. Warmes Wasser war damals eher ein Luxus, den man nicht überall fand. „Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, meinte Clemens (11 Jahre) aus Seeg dazu.

Auch das Leben einer Lehrerin der damaligen Zeit ist heute kaum noch vorstellbar. „Für sie war es sehr streng. Sie durfte nicht heiraten und musste immer schwarze Kleidung tragen“, berichtet Christiansen.

Nach dem Schulunterricht führte sie die Kinder noch durchs Museum. In jedem Raum hatte sie einen Gegenstand versteckt, der nicht in die Zeit passte. Diesen mussten die Kinder finden. Im Zimmer der Flachsverarbeitung etwa hing eine moderne Jeans, bei der Feuerwehr eine Wasserspritzpistole und in der Waffenkammer, über die besonders die Jungs staunten, eine Plastikpistole. Zum Abschluss schliffen sich die Kinder Andenken an den Nachmittag aus Speckstein.

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