Natur

Seine Rufe durchdringen die Nacht im Füssener Land

Während der Balzzeit sind die Rufe des Alpenuhus über vier Kilometer hinweg zu hören - auch im Füssener Land. Nur bei Regen und starkem Wind bleibt er stumm.

Während der Balzzeit sind die Rufe des Alpenuhus über vier Kilometer hinweg zu hören - auch im Füssener Land. Nur bei Regen und starkem Wind bleibt er stumm.

Bild: Richard Wismath

Während der Balzzeit sind die Rufe des Alpenuhus über vier Kilometer hinweg zu hören - auch im Füssener Land. Nur bei Regen und starkem Wind bleibt er stumm.

Bild: Richard Wismath

Die geräuschvolle Balz des Alpenuhus ist bis vier Kilometer Entfernung zu hören. Wer sein größter Feind ist.
Während der Balzzeit sind die Rufe des Alpenuhus über vier Kilometer hinweg zu hören - auch im Füssener Land. Nur bei Regen und starkem Wind bleibt er stumm.
Von Richard Wismath
02.02.2021 | Stand: 18:00 Uhr

In klaren Nächten kann man selbst nahe der Stadt Füssen wieder die geräuschvolle Balz des Alpenuhus vernehmen, dessen Ruflaute bis vier Kilometer hörbar sind. Die im Dezember begonnene Balz dauert bis Ende März. Seit dem Jahr 1977 beobachtet der Füssener Vogelkundler Richard Wismath das Verhalten vom „Königs der Nacht“, angefangen von der geräuschvollen Balz bis hin zur Aufzucht seiner Jungen.

Die Balz in klaren Vollmondnächten ist für Wismath „immer eines der größten Naturereignisse“ – doch sie schlägt auch andere Naturliebhaber in ihren Bann. Wismath erinnert sich an einen Freund, der ihn vor Jahren bat, so ein Erlebnis beobachten zu können: „So machten wir uns in einer Februarnacht bei Minus-Temperaturen und tief verschneitem Weg an diesen Ort.“ Und die beiden hatten Glück: Denn sie konnten ein Männchen bei sternklarer Vollmondnacht im Schwebeflug beobachten, das sich auf dem Wipfel einer Kiefer niederließ. Das Tier ließ mit hoch aufgerichtetem Körper und dem rhythmischen Aufblitzen seiner weißen Kehle seinen tiefen „uhu“- oder „bubu“-Ruf erschallen. „Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen“, sagt Wismath. Auch sein Freund sei tief beeindruckt gewesen.

Der Alpenuhu lebt in einer Dauerehe und seine Felsen sind oft seit Generationen von ihm besetzt. Störungen durch zunehmende Verdrahtungen von Hochspannungsleitungen und Veränderungen in seinem angestammten Brutgebiet sind sein größter Feind, weiß Wismath. „Neuzeitlich sind auch die Drohnen daran schuld, die bis über die Horstnähe seltener Vögel wie beispielsweise zum Horst des Steinadlers hingesteuert werden, um gute Aufnahmen zu bekommen.“

Verletztes Weibchen hochgepäppelt

Dass die Tiere immer wieder unter Hochspannungsleitungen leiden, steht für den Vogelkundler. Er hat dafür einige Beispiel parat. Wie das Hier könnte ich in unserer Region einige Beispiele aufführen. Eines das von einem Uhuweibchen, das Mitte September 2017 mit einem gebrochenen Flügel und einem toten Igel in den Fängen aufgefunden wurde. Das Weibchen wurde zur Greifvogelstation Reibl nach Seeg gebracht, wo es über Monate hinweg mit aller Liebe und Sorgfalt gepflegt wurde. Ursache für die Verletzung war für Wismath sicherlich eine der Hochspannungsleitungen, denen auch viele Bussarde, Milane und auch Störchen zum Opfer fallen.

Das Uhuweibchen konnte Ende März 2018 wieder in seinem Habitat ausgesetzt werden, in unzugänglichen Wald- und Felsregionen. In diesem Jahr stellte Wismath vor Ort bereits durch Zurufe vom Männchen und Weibchen fest, dass sich ein Paar zusammen gefunden hat. „Sicher hat die damals ausgesetzte Uhudame jetzt einen Partner gefunden, um hoffentlich ungestört sich um die nächste Aufzucht junger Uhus sorgen zu können.“

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Nach der Eiablage brütet das Uhuweibchen innerhalb von 27 Tagen in einer Nestmulde drei bis sechs Eier aus. Die Jungen in einem weißlichen Daunenkleid verlassen nach knapp vier Wochen in einem hellbraunen, wolligen, dunkel gebänderten Zwischenkleid ihr Nest. Sie werden dann weiterhin auf Felsbändern von den Eltern gefüttert, bis sie voll flugfähig sind.

Was die Ernährung der größten Eulenart betrifft, so stehen in den Sommermonaten hauptsächlich Mäuse, Igel und Ratten auf dem Speiseplan. Oft stundenlang sitzt der Uhu auf einem exponierten Ansitz und lauert. Erblickt er die Beute, dann startet er zum Schwebeflug, um sie mit ausgestreckten Fängen zu ergreifen.

Ein Vorrat von 22 Wanderraten

Während der Aufzucht der Jungen legt das Uhuweibchen übrigens einen Vorrat für schlechte Zeiten an, weiß der Vogelkundler: „So konnte ich selbst vor Jahren in Horstnähe beobachten und mit einem Foto dokumentieren, wie 22 ausgewachsene Wanderratten in nordseitig gelegenem Fels vom Weibchen deponiert wurden.“

Während sich die Großeule in den Sommermonaten hauptsächlich von Mäusen, Ratten, Jungfüchsen und Igeln ernährt, ist ihr Beutespektrum in den Wintermonaten vor allem auf Wasservögel – wie Zwergtaucher, Blesshühner und diverse Entenarten – ausgerichtet. So konnte Wismath in den frühen Morgenstunden an einem Novembertag am Schwansee schemenhaft miterleben, wie der Uhu „relativ niedrig über die Wasseroberfläche strich und so im Flug ein Blesshuhn erbeutete“.