Bauprojekt

Seniorenresidenz im Faulenbacher Tal stößt auf Bedenken

Hotel

Immer noch nicht endgültig geklärt ist die künftige Nutzung des Geländes des früheren Hotels Berger in Bad Faulenbach.

Bild: Heinz Sturm

Immer noch nicht endgültig geklärt ist die künftige Nutzung des Geländes des früheren Hotels Berger in Bad Faulenbach.

Bild: Heinz Sturm

Nach Aparthotel ist nun eine Seniorenresidenz auf dem Berger-Areal in Bad Faulenbach geplant. Warum es im Füssener Stadtrat kritische Töne gibt.
13.01.2022 | Stand: 18:00 Uhr

Wie soll das Areal des Faulenbacher Hotels Berger künftig genutzt werden? Auch der zweite Anlauf, dieses Mal für den Neubau einer Seniorenresidenz, hat am Dienstagabend im Füssener Kommunalparlament keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Es gebe noch „viele verbesserungswürdige Punkte“, sagte beispielsweise Christoph Weisenbach (CSU). Letztlich fasste der Stadtrat keinen Grundsatzbeschluss pro Seniorenresidenz. Man forderte die Eigentümer vielmehr auf, ein tragfähiges Betriebskonzept mit einer Grobplanung vorzulegen. Zudem machte man klar, dass man den Neubau als zu massiv einstuft.

Die besten Tage schon lange hinter sich

Das Hotel Berger hat seine besten Tage schon lange hinter sich, um es freundlich auszudrücken. Das in den 1970er Jahren errichtete und mittlerweile marode Hotel soll durch einen Neubau ersetzt werden, wünschen sich die neuen Eigentümer aus dem Außerfern. Doch vor über einem Jahr scheiterten sie mit ihrem ersten Anlauf: Die Pläne für ein neues Aparthotel wurden einstimmig im Bauausschuss abgelehnt. Kritisch beäugt wurde damals vor allem das Betreibermodell, das vorsah, die Appartements einzeln an Anleger zu verkaufen. Doch wollten die Kommunalpolitiker die Gefahr von Zweitwohnungen bannen.

Plan passt im Innenbereich nicht

Und das wollen sie auch bei einer Seniorenresidenz: Mehrfach unterstrichen wurde im Stadtrat, dass bei einem solchen Neubau kein Teileigentum entstehen dürfe. Die Idee für einen attraktiven Altersruhesitz („Senior Living“) hatten die Eigentümer in Gesprächen mit der Stadtverwaltung vorgebracht – nun wollten sie wissen, ob der Stadtrat sich so ein Projekt vorstellen könnte. Das Problem: Die vorgelegten Pläne waren nur von der Kubatur (fünf Geschosse plus Tiefgarage, Wohnfläche nicht unter 3300 Quadratmeter) geändert worden, die Innenaufteilung orientierte sich nach wie vor an dem Aparthotel. Stadträte, aber auch die Interessengemeinschaft Bad Faulenbach waren verwundert, dass Senioren in knapp 25 Quadratmeter großen Zimmern ohne Kochgelegenheit ihren Lebensabend genießen sollten. „Das Ganze wirkt so, als ob man dem Kind einen anderen Namen gegeben hätte“, sagte Dr. Anni Derday (Freie Wähler). Die (Innen-)Pläne seien noch nicht abgestimmt auf das neue Projekt, erklärte Bauamtsleiter Armin Angeringer. Der vorgelegte Entwurf diene „nur der Visualisierung der Größe des Vorhabens“. Selbst in einer Minimalplanung sollte sich die Infrastruktur einer Senioreneinrichtung widerspiegeln, sagte Derday, die den geplanten „relativ wuchtigen Bau“ als „Fremdkörper“ in diesem Faulenbacher Bereich einstufte.

Geht es nur um "maximalen Gewinn"?

Wohnen für Senioren sei ein „zentrales Thema“ in Füssen, sagte Ilona Deckwerth (SPD). Mit dem nun vorgelegten Projekt konnte die Vorsitzende des Beirats für Seniorinnen und Senioren aber wenig anfangen. Der Eindruck dränge sich auf, den Investoren gehe es darum, den „maximalen Gewinn“ zu erzielen. Man wisse auch nicht, welcher Betreiber dafür im Gespräch sei und wer sich um pflegebedürftige Bewohner kümmern solle. Ähnlich sah es Barbara Henle (CSU), die Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Handicap. Sie hielt auch den Standort nicht für besonders seniorenfreundlich: Wenn sie sich vorstelle, wie Bewohner mit dem Rollator die Morisse-Schlucht bei viel Verkehr zur Einkaufstour nach Füssen gehen müssten, werde ihr ganz anders. Auf die Faulenbacher „Satzung zur Sicherung von Gebieten mit Fremdenverkehrsfunktion“ verwies Christine Fröhlich (Freie Wähler): Demnach wäre eine touristische Nutzung ohne Zweitwohnungen für dieses Gebiet eher anzustreben.

Einen Grundsatzbeschluss für die Seniorenresidenz – wie von der Eigentümerseite angestrebt – fassten die Kommunalpolitiker nicht. Vielmehr will Bürgermeister Maximilian Eichstetter (CSU) die Eigentümer auf eine Nutzung des Geländes für ein neues Hotel oder Ferienwohnungen hinweisen. Sollten sie an der Idee einer Seniorenresidenz festhalten, müsse klar sein, dass kein Teileigentum entsteht. Zudem müsse ein tragfähiges Betriebskonzept mit einer „Grobplanung“ vorgelegt werden. Klar sei auch, dass der geplante Neubau zu massiv sei.

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