Instrumentenbau

Simpert Niggels „Liebesbratsche“ kehrt heim nach Füssen

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Sparkassenvorstand Manfred Hegedüs, Museumsleiter Dr. Anton Englert und Bürgermeister Maximilian Eichstetter (von links) präsentierten die Viola d’ amore von Simpert Niggel vor der Vitrine, in der sie nun betrachtet werden kann. Die Gedenktafel für Niggel am Eingang zum haus Ritterstraße 11, wo er bis zu seinem Tod arbeitete, hat das Museum erst im vergangenen Jahr renovieren lassen.

Bild: Markus Röck

Sparkassenvorstand Manfred Hegedüs, Museumsleiter Dr. Anton Englert und Bürgermeister Maximilian Eichstetter (von links) präsentierten die Viola d’ amore von Simpert Niggel vor der Vitrine, in der sie nun betrachtet werden kann. Die Gedenktafel für Niggel am Eingang zum haus Ritterstraße 11, wo er bis zu seinem Tod arbeitete, hat das Museum erst im vergangenen Jahr renovieren lassen.

Bild: Markus Röck

Eine Musikerin aus Florida verkauft dem Museum der Stadt Füssen das Instrument von 1759. Das ermöglicht eine Spende der Sparkasse Allgäu.
21.09.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Das Museum der Stadt Füssen ist um ein weiteres rares Exponat reicher: Mit Hilfe einer Spende der Sparkasse Allgäu hat sie eine Viola d’ amore erworben, die Simpert Niggel 1759 in seiner Werkstatt in Füssen anfertigte. Im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Instrumenten wurde diese nie umgebaut und ist noch dazu sehr gut erhalten, wie der Füssener Geigenbauer Pierre Chaubert unserer Zeitung bestätigt. Er habe im Prinzip nur neue Saiten aufziehen müssen. Das Instrument stammt aus dem Besitz einer Musikerin aus Floria, der es ein großes Anliegen war, das es an seinen Ursprungsort zurückkehrt. Wie es einst nach Übersee gelangt war, lässt sich nicht mehr nachvollziehen, sagte Museumsleiter Dr. Anton Englert bei der Präsentation des Instruments. Es verfügt über zwei Mal sieben Saiten, einen Korpus in Gambenform und einen Liebesgott Amor mit verbundenen Augen als Kopf. Er sei überwältig von der historischen Möglichkeit, so ein Instrument zu erwerben, sagte Bürgermeister Maximilian Eichstetter.

Silberner, lieblicher Klang

Die Viola d’ amore war ein im 17. und 18. Jahrhundert beliebtes besonders aufwendiges Instrument aus der Geigenfamilie. Sie hatte fünf bis sieben Spielsaiten und dazu die gleiche Menge Aliquotsaiten, die als Resonanzsaiten mitschwangen. Ihren Namen, der wörtlich übersetzt „Liebesbratsche“ bedeutet, verdankt sie ihrem silbernen, als besonders lieblich geschätzten Klang. Man überlege, wie man bei einem Konzert einmal einen Eindruck davon vermitteln könnte, sagt Museumsleiter Englert. Immerhin sind unter den sechs Viole d’ amore, über die sein Museum nun verfügt, vier noch spielbare historische Instrumente. Die beiden Übrigen sind ein umgebautes sowie ein moderner Nachbau von Pierre Chaubert.

Im Originalzustand erhalten

Das ist auch deshalb beeindruckend, weil viele Viole d’ amore umgebaut worden waren, als dieses Instrument aus der Mode kam. So handelt es sich bei der Neuerwerbung um das möglicherweise einzige im Originalzustand erhaltene Viola d’ amore von Niggel. Ihr Baujahr 1759 verrät ein in den Korpus eingeklebter Zettel. Ein weiteres solches Instrument von ihm aus dem Jahr 1744 war im Zweiten Weltkrieg in Berlin verloren gegangen. Mit der Neuerwerbung ist auch ein mit 20 000 Euro gefüllter Spendentopf ausgeschöpft, den die Sparkasse Allgäu der Stadt Füssen bereits 2012 für Anschaffungen für die Lauten- und Geigenausstellung bereitgestellt hatte, wie deren Vorstand Manfred Hegedüs erklärte. Es spreche durchaus für das Museum, dass es mit der Ausgabe so lange wartete, bis es die passenden Objekte fand. Im vergangenen Jahr war das eine Viola d’amore, die der aus Vils stammende Instrumentenbauer Johann Ulrich Eberle 1744 in Prag gefertigt hatte. Mithilfe der verbliebenen Sparkassen-Spende und Eigenmittel konnte das Museum nun die 12 500 Euro für den Ankauf des Instruments von Simpert Niggel einsetzen.

Instrumentenbauer mit breiten Angebot

Niggel war der bedeutendste Füssener Instrumentenbauer des 18. Jahrhunderts, sagte der frühere Museumschef Thomas Riedmiller, das habe auch der damalige Stadtpfarrer 1785 im Sterbematrikel so vermerkt. Sein Angebot habe dabei eine große Palette an Streich- und Zupfinstrumenten wie Lauten umfasst. Die Kehrseite war, dass die Spezialisierung an Füssen vorbeiging, die es der Konkurrenz in Mittenwald ermöglichte, effizienter und kostengünstiger zu produzieren. So verfiel der Füssener Instrumentenbau in einen Dornröschenschlaf, aus dem ihn erst Pierre Chaubert zur Jahrhundertwende wieder erweckte.

Die Ausstellung im Museum der Stadt zum Füssener Instrumentenbau ist mittlerweile eine der umfassendsten, sagt Riedmiller. Allenfalls bei den Barockgitarren gebe es noch eine Lücke. Die fertigte beispielsweise der Füssener Georg Seelos als Giorgio Sellas in Venedig.

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