Reise mit Verantwortung

Soziales Engagement trifft Urlaub: Füssenerin mit Nomaden in Marokko unterwegs

Marokko

Die Füssenerin Marita Werntze-Sparla hat auf ihren Reisen nach Marokko die Schönheiten und Schattenseiten des Landes kennengelernt.

Bild: Werntze-Sparla

Die Füssenerin Marita Werntze-Sparla hat auf ihren Reisen nach Marokko die Schönheiten und Schattenseiten des Landes kennengelernt.

Bild: Werntze-Sparla

Marita Werntze-Sparla verbindet bei ihren Reisen nach Marokko Urlaub mit sozialem Engagement. Wie Corona Land und Leute im afrikanischen Staat verändert hat.
08.01.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Sieben Tage meist auf dem Rücken eines Dromedars, begleitet von zwei Touareg-Nomaden, bei blauem Himmel über beeindruckende Sanddünen meist schweigend mitzuschwingen und unter einem übervollen Sternenhimmel im Schlafsack bei Vollmond zu nächtigen. Das ist es, was Marita Werntze-Sparla immer wieder in die Wüstenregion im Süden Marokkos zieht. Das besondere: Werntze-Sparla verbindet ihre Reisen mit sozialem Engagement, das unter anderem die dortige Minderheit der Wüstennomaden unterstützt.

Vor etwa 50 Jahren brach die 74-Jährige zum ersten Mal nach Marokko auf. Damals noch als „ganz normale Touristin“, wie sie sagt, zu den Königsstädten Fez, Rabat und Marrakesch. Den Süden lernte sie aber erst vor sechs Jahren kennen. Seitdem flog sie bereits weitere sieben Mal dorthin. Zuletzt trotz Pandemie Ende vergangenen Jahres für drei Monate.

Wüste auf dem Rücken eines Dromedares erleben

Werntze-Sparla suchte anfangs nach einer neuen Möglichkeit, Wüstenlandschaft auf dem Rücken eines Dromedars zu erleben. Mittlerweile habe sie ihr Reiseverhalten angepasst. Gesellschaftlich engagiert habe sie sich ohnehin „schon immer“. Mit „Renard Bleu Touareg“ hat sie dann aber eine Reiseagentur gefunden, die sozialverantwortlichen Tourismus in der Region stärkt und die auf mündlich weitergegebene Lebensweise der Wüstennomaden erlebbar macht.

Mitten in der Wüste sitzt die Füssenerin Marita Werntze-Sparla hier auf dem Rücken eines Dromedares.
Mitten in der Wüste sitzt die Füssenerin Marita Werntze-Sparla hier auf dem Rücken eines Dromedares.
Bild: Marita Werntze-Sparla

Die Füssenerin hat erlebt, wie das Land vom Ausbleiben der Touristen hart getroffen wurde. „Die optimistische und gelassene Grundhaltung der Menschen dem Leben gegenüber, die so vollkommen anders ist als unsere Lebensart und Denkweise hier in Deutschland, wird mittlerweile überall von einer bedrückenden Resignation getrübt,“ sagt sie.

Hinzu kommen die klimatischen Veränderungen. Die Menschen südlich des Atlasgebirges würden seit Jahren unter der Trockenheit in den lebenswichtigen Dattelpalmenoasen des Draatals, dem gesunkenen Wasserstand in den Brunnen und dem Mangel an Futter für die Tiere leiden. Werntze-Sparla war beeindruckt von der Freude und Dankbarkeit der Familien im Dorf Ifinir am Rande der Wüste, die vor eineinhalb Jahren eine oder zwei Ziegen von Renard Bleu Touareg als Starthilfe bekamen, und eine Frau nun stolz ihre zwölf Ziegen vorführen konnte.

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Die ehemalige Realschullehrerin hat zudem mehrmals an sogenannten „Bücherkarawanen“ teilgenommen und Schulen besucht, die in den vergangenen Jahrzehnten auch im Süden des Landes gebaut wurden. Mit großen Folgen für jüngere Generationen: Im März 2020 erzählten ihr in Marrakesch Frauen zwischen 28 und 60 Jahren, die durch das Stadtteilzentrum El Amane erst jetzt arabisch lesen und schreiben gelernt hatten, was das für sie bedeutet, endlich selbst einen Stift in der Hand zu halten, im Koran zu lesen und die Eheverträge vor ihrer Unterschrift selber lesen zu können.

„Sie hatten endlich das Gefühl, vorzukommen und gesehen zu werden.“ Für die 74-Jährige ist Reisen mit sozialer Verantwortung selbstverständlich geworden. „Solange es geht“, will sie Marokko noch bereisen. Ihre Erfahrungen möchte sie dann auch in Vhs-Kursen an Interessierte weitergeben.