Ostallgäuer Tierwelt

Steinböcke: Die majestätischen Schönheiten am Säuling

Jahrzehntelang waren Steinböcke in den Ostallgäuer Alpen nicht mehr zu finden. Ein erster Versuch, sie dort wieder anzusiedeln, scheiterte. Mittlerweile aber ist eine Begegnung mit den beeindruckenden Tieren keine Seltenheit mehr.

Jahrelang waren Steinböcke in den Ostallgäuer Alpen nicht zu finden. Mittlerweile ist eine Begegnung mit den Tieren keine Seltenheit mehr.

Bild: Richard Wismath

Jahrelang waren Steinböcke in den Ostallgäuer Alpen nicht zu finden. Mittlerweile ist eine Begegnung mit den Tieren keine Seltenheit mehr.

Bild: Richard Wismath

Das Steinwild fühlt sich im Naturschutzgebiet Ammerwald mittlerweile heimisch. Ein erster Versuch, die Tiere wieder anzusiedeln, scheiterte allerdings.
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Von Richard Wismath
19.07.2020 | Stand: 07:40 Uhr

Vor mehr als 40 Jahren ist im Planseegebiet/Ammerwald laut Naturexperte Richard Wismath der erste Versuch unternommen worden, eine kleine Population Steinwild aus der Schweiz wieder anzusiedeln. Was man damals nicht wusste, war, dass der Bestand von einer Wurmkrankheit befallen war, die die gesamte Population ausrottete.

Letztlich stellten die Jäger im Außerfern nur noch einen einzelnen Bock fest, der in der Brunftzeit vom Planseegebiet nach Heiterwang und Pinswang bis zum Alpsee bei Hohenschwangau wanderte, um eine Geiß zu finden. Schließlich tauchte er sogar an einer Wildfütterung für Rot- und Rehwild auf. Da er keine der damals ausgesetzten Geißen fand, wanderte er wieder zurück in sein angestammtes Revier.

Auf den zweiten Versuch erfolgreich

Bald danach hat man den zweiten Versuch unternommen und in dieses geeignete Biotop an gleicher Stelle eine weitere Population von etwa 15 Tieren gebracht, welche sich dank eines Abschussverbots bis heute gut vermehrten.

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So ist es mittlerweile im größten Naturschutzgebiet Bayerns, dem Ammerwaldgebirge, keine Seltenheit mehr, dass dem Wanderer zwischen Tegelberg-Schönleitschrofen und dem Kenzengebiet nicht nur Gemsen, Murmeltiere, Steinadler und Auerwild begegnen, sondern auch die majestätischen Steinböcke.

Säulingwiese als äußerst günstige Nahrungsquelle entdeckt

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Schon bei seinen vielbesuchten Vorträgen über die heimische Tier-und Pflanzenwelt im Naturschutzgebiet Ammerwald häuften sich laut Wismath immer mehr die Meldungen der Besucher, dass sie in dem genannten Gebiet Steinböcken begegnet sind. In den meisten Fällen aber handelte es sich nur um einzelne Tiere, die sich im Fels, als auch auf steilen Grashängen der Krähe, äsend aufhielten. Seit Jahren haben sie als eine äußerst günstige gelegene Nahrungsquelle auch die Säulingwiese entdeckt. So konnte Wismath schon 2012 auf einer Bergtour zum Säuling unterhalb der Schrofen an der Westseite drei Steinböcke mit der Kamera bildlich festhalten.

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Steinböcke fielen Aberglauben zu Opfer

Das prächtige Wild wurde im Laufe des 16./17. Jahrhunderts im Alpenraum ausgerottet, die letzten im Wallis gegen 1809. Die Tiere wurden Opfer eines Aberglaubens, der den meisten ihrer Körperteile, sogar dem Mist, wunderbare Heilkraft zusprach. Die größte Wirkung gegen böse Krankheiten sollte das sogenannte Herzkreuzel, ein Knorpel am Herzeingang des Steinbocks, haben. Dieser wurde getrocknet und als glücksbringenden Talisman um den Hals gehängt.

Tiere stammen aus Nationalpark Gran Paradiso in Italien

Ein kleiner Bestand an Steinböcken überlebte damals im Nationalpark Gran Paradiso in Italien, wo sie von König Viktor Emanuel (1816) unter Schutz gestellt wurden und sich ihre Zahl wieder leicht erholte. Von dort stammen alle zur Wiederansiedlung verwendeten Tiere. Diese war in der Schweiz (seit 1906) und vielerorts in Frankreich, Italien und Österreich erfolgreich. Die in Deutschland ausgesetzten Tiere zogen zunächst nach Österreich ab. Jedoch die neuesten Versuche bei Berchtesgaden, im Kleinwalsertal und dem Naturschutzgebiet „Ammerwald“ sind bis heute sehr erfolgreich verlaufen.