Gerichtsprozess: Körperverletzung?

"Unterste Schublade": 20-Jähriger spuckt 17-Jährigem ins Gesicht - Geldstrafe

Ein 20-Jähriger aus dem südlichen Ostallgäu musste sich vor Gericht verantworten.

Ein 20-Jähriger aus dem südlichen Ostallgäu musste sich vor Gericht verantworten.

Bild: Federico Gambarini, dpa (Symbolbild)

Ein 20-Jähriger aus dem südlichen Ostallgäu musste sich vor Gericht verantworten.

Bild: Federico Gambarini, dpa (Symbolbild)

Angeklagter (20) ist geständig und reuig und wird zu einer Geldstrafe in Höhe von 1050 Euro verurteilt. Sogar der Verteidiger findet deutliche Worte.
13.07.2022 | Stand: 16:32 Uhr

Ein 20-Jähriger aus dem südlichen Landkreis leistete sich im März einen Ausraster, den jetzt auch sein Verteidiger im Strafprozess vor dem Kaufbeurer Jugendschöffengericht als „unterste Schublade“ bezeichnete: Bei einem zufälligen Zusammentreffen mit einem 17-jährigen Jugendlichen, mit dem es zuvor schon erhebliche Spannungen gegeben hatte, beschimpfte der junge Mann seinen Kontrahenten als „miese Ratte“ und spuckte ihm ins Gesicht. Vor Gericht wirkte er jetzt sichtlich zerknirscht und übergab dem Geschädigten ein Schmerzensgeld in Höhe von 250 Euro. Diesen Täter-Opfer-Ausgleich werteten Staatsanwalt und Gericht zugunsten des Angeklagten. Negativ schlugen allerdings fünf Voreinträge im Strafregister zu Buche, darunter auch zwei Aggressionsdelikte.

Der Angeklagte versicherte vor dem Gericht in Kaufbeuren: Es gab eine Wende

Der Angeklagte selbst versicherte, dass er seinem Leben eine Wende gegeben habe und derartige Vorfälle nunmehr der Vergangenheit angehören würden. Er wurde der Beleidigung schuldig gesprochen und nach Erwachsenen-Strafrecht zu 30 Tagessätzen zu je 35 Euro verurteilt, insgesamt also zu einer Geldstrafe in Höhe von 1050 Euro. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Im Prozess war deutlich geworden, dass der Vorfall eine längere und nach Einschätzung des Verteidigers auch „etwas verwirrende“ Vorgeschichte hatte: So soll der Angeklagte den Jugendlichen einige Wochen zuvor in einem Geschäft, in dem er selbst seine Ausbildung absolviert, bei einem Ladendiebstahl beobachtet und dies seinem Vorgesetzten gemeldet haben.

Der 17-Jährige soll sich dann in der Folgezeit damit revanchiert haben, dass er der Polizei einen Hinweis auf eine angebliche Beteiligung des Angeklagten an einer tätlichen Auseinandersetzung mit einer anderen Person gab. Bei einem zufälligen Zusammentreffen wollte der Angeklagte den Jugendlichen dann nach eigenen Angaben „zur Rede stellen.“ Dass er dabei völlig die Beherrschung verlor und den 17-jährigen beschimpfte und bespuckte, gab er jetzt ohne Wenn und Aber zu.

Bei der Polizei hatte er noch versucht, das Ganze zu beschönigen. Danach siegte aber offenbar doch die Einsicht. Der junge Mann kontaktierte den Geschädigten ein paar Wochen nach dem Vorfall und entschuldigte sich bei ihm. Wie sich der 17-Jährige jetzt als Zeuge vor Gericht erinnerte, habe er den Eindruck gehabt, dass die Entschuldigung ehrlich gemeint war und er sie deshalb auch angenommen habe.

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Den Vorfall selbst hatte der Jugendliche dagegen in weniger guter Erinnerung: Nachdem ihm der Angeklagte auf die linke Wange gespuckt habe, sei ihm etwa eine Viertelstunde lang vor Ekel „ziemlich schlecht gewesen.“ Im Prozess vor dem Jugenschöffengericht ging es jetzt um die Frage, ob damit bereits der Tatbestand einer vorsätzlichen Körperverletzung erfüllt war.

Jugendschöffengericht Kaufbeuren: Grenze überschritten?

Das Gericht hielt in seinem Urteil die Grenze zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit noch nicht für überschritten. Der Staatsanwalt war zwar im Plädoyer von einer Erfüllung des Tatbestands ausgegangen, sagte aber auch: „Das ist natürlich am alleruntersten Rand einer Körperverletzung.“ Er fügte hinzu: „Aber am obersten Rand einer Beleidigung: Etwas viel Widerlicheres gibt es nicht!“