65 Einsätze in der Nacht

Unwetterfront zieht übers Allgäu: Roßhauptener schippen Hagel, Keller vollgelaufen

Unwetter über dem Allgäu: In Roßhaupten schippten Anwohner am Mittwochabend den Hagel beiseite.

Unwetter über dem Allgäu: In Roßhaupten schippten Anwohner am Mittwochabend den Hagel beiseite.

Bild: Marina Kraut

Unwetter über dem Allgäu: In Roßhaupten schippten Anwohner am Mittwochabend den Hagel beiseite.

Bild: Marina Kraut

Eine Unwetterfront ist am Mittwochabend über das Allgäu gezogen. Besonders heftig war es in Roßhaupten und in Oberkirch bei Weissensee.
25.06.2021 | Stand: 16:37 Uhr

Aktualisiert am Donnerstag, 16.30 Uhr: Insgesamt 65 Einsätze hat das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in der Nacht zu Donnerstag wegen Unwetters verzeichnet. Wie Pressesprecher Dominic Geißler mitteilte, handelte es sich bei den Einsätzen im Allgäu und Umgebung hauptsächlich um vollgelaufene Keller oder Unterführungen. Gegen 19 Uhr bekam die Einsatzzentrale zudem die Mitteilung, dass auf der A7 bei Füssen Hagelkörner auf der Fahrbahn lagen.

Das Unwetter zog dann weiter in Richtung Norden, vor allem der Bereich um Günzburg war betroffen. Dort waren Straßen teilweise nicht mehr befahrbar, weil sie überschwemmt waren. In Ichenhausen (Landkreis Günzburg) wurde ein Trafohäuschen in der Günztalstraße überspült, weshalb einige Anwohner eine Zeit lang keinen Strom hatten.

In Günzburg wurde zudem ein Auto beschädigt, das vor einer Spielhalle geparkt war. Dort brach durch das Unwetter ein Teil des Dachs weg und fiel auf den Pkw. Verletzt wurde dabei niemand. Gegen 3 Uhr nachts waren die Einsätze beendet und das Unwetter weitergezogen.

Heftige Gewitter ziehen über das Ostallgäu - mehrere Einsätze

Aus Südwesten waren am Abend heftige Gewitter über das Ostallgäu gezogen und luden dabei an einigen Orten einiges an Hagel und Platzregen ab. Wie die Polizei berichtet, waren die Unwetter im Bereich Weissensee und in Hopferau besonders schlimm. Die Feuerwehr musste einen vollgelaufenen Keller auspumpen. Außerdem kam es zu Verkehrsbehinderung wegen Hagelkörnern auf der Fahrbahn. Einige Straßen mussten von Feuerwehr und der Polizei kurzzeitig gesperrt werden.

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In Roßhaupten sah es in manchen Straßen fast aus wie im Winter: Anwohner griffen zu Schaufeln und schippten die Hagelmassen von den Gehwegen und Einfahrten. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei gab es aber keine größeren Schäden. Die Straßen seien von dem plötzlichen Hagel wie vereist gewesen, erzählt eine 25-jährige Autofahrerin. „Mein Auto schaltete sogar kurzzeitig das ESP ein.“ Sie habe anhalten müssen, weil die Fahrbahn so rutschig und die Sicht schlecht gewesen sei. Sehr überraschend seien diese Verhältnisse gewesen, weil auf den Straßen vor Roßhaupten von Seeg kommend nur wenig bis gar kein Hagel gelegen habe. „Im Endeffekt war es wie bei einem plötzlichen Wintereinbruch - nur mit Sommerreifen“, sagt die 25-Jährige.

Vom Hagel betroffen sind auch die Landwirte in und um Roßhaupten. Alle Wiesen habe er noch nicht kontrolliert, sagt der 22-jährige Karl-Stefan Neugebauer aus Salach. Er betreibt 60 Hektar Grünflächen für seine 70 Milchkühe. Aber ein Freund habe ihm mitgeteilt, dass es mindestens eine der Flächen „ganz schön verhauen“ habe. „Eigentlich wollte ich am Wochenende mähen“, sagt Neugebauer. Da werde es jetzt weniger Ertrag geben. „Aber normal kann ich das verkraften“, sagt der 22-Jährige. Das Unwetter sei in dem wenige Kilometer nördlich von Roßhaupten gelegenen Ort nicht ganz so heftig gewesen.

Hagel im Ostallgäu: Bauhof-Mitarbeiter rücken in Weißensee mit Kehrmaschine aus

Zu massiven Niederschlägen kam es dagegen in Weißensee und Oberkirch. Dort wurde ein Auto vom Hagel weggeschwemmt. Das Fahrzeug kam an einem Stein zum Stillstand und wurde dabei beschädigt. Außerdem pumpte die Feuerwehr einen vollgelaufenen Keller aus. Noch am selben Abend rückten die Mitarbeiter des Füssener Bauhofs aus, um verbleibenden Hagel und Schmutz von der sogenannten alten Steige nach Berghof zu beseitigen. Auch vom Hagel verstopfte Gullys mussten wieder freigelegt werden.

Bis 22.30 Uhr waren die Mitarbeiter laut Bauhofleiter Uwe Fuchs im Einsatz. Am Donnerstagfrüh seien sie dann mit der Kehrmaschine die Straßen abgefahren, um sie von Blättern, Ästen, Kies und sonstigem Schmutz zu säubern und ihren Zustand zu kontrollieren. Im Stadtgebiet von Füssen habe es nach Angaben Fuchs’ nicht gehagelt, sondern heftig geregnet. Das bestätigt auch Füssens Polizeichef Edmund Martin.

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Hagelschauer ziehen übers Ostallgäu

Verkehrsbehinderungen auf A7 bei Füssen

Verkehrsbehinderungen gab es auch auf der A7. Dort ging besonders für Motorradfahrer nichts mehr, aber auch Autofahrer hatten während der Dauer der Hagelschauer Probleme. Da sich das Unwetter aber recht schnell verzog, waren die Behinderungen nur von kurzer Dauer. Am Donnerstagmorgen zeugten weiße Hagelhaufen am Straßenrand auf Höhe des Reinertshoftunnels von dem Unwetter des Vortags – im vollen Kontrast zum strahlend blauen Himmel, an dem am Donnerstagmorgen keine Spur mehr von den Schauern zu erkennen war.

Unwetter im Ostallgäu: Kirche in Hopferau überschwemmt

In Hopferau wurde die Kirche überschwemmt. Die Wassermassen drangen durch das Vorzeichen in den Kirchenraum und die angrenzende Sakristei vor. Dank der Freiwilligen Feuerwehr konnten der Kirchenraum abgesaugt und der gröbste Schmutz bereits am Mittwoch entfernt werden. Gestern fanden weitere Aufräum- und Reinigungsarbeiten statt. Wenn alles wieder trocken ist, wird das Gotteshaus auf Schäden untersucht. Die Felder und Wiesen um Hopferau waren am Donnerstagmorgen teilweise noch weiß bedeckt. Viele Anwohner und Passanten fotografierten den für Ende Juni außergewöhnlichen Anblick.

Ob es weitere Einsätze in der Nacht im Allgäu gab, ist am Donnerstagmorgen noch nicht bekannt. Wir warten noch auf Rückmeldung der Polizei.

Unwetter auch in Niederbayern: Überschwemmungen und vollgelaufene Keller

In der Nacht gab es in einigen Teilen Bayerns auch starke Gewitter, besonders betroffen war Niederbayern. Gewitter und starke Regenfälle haben dort für überschwemmte Straßen, vollgelaufene Keller und umgestürzte Bäume gesorgt. In Passau blieb ein Auto in einer überfluteten Unterführung liegen, wie die Polizei mitteilte. Der Fahrer konnte sich demnach selbst aus dem Wasser retten. In Künzing (Landkreis Deggendorf) fluteten Wassermassen aus einem Überlaufbecken die Keller mehrerer Häuser. In Mallersdorf-Pfaffenberg (Landkreis Straubing-Bogen) musste das Public Viewing des Fußballspiels zwischen Deutschland und Ungarn aufgrund des heftigen Regens abgebrochen werden.

Auch am Donnerstag drohen dem Allgäu erneut Unwetter und schwere Gewitter.