Ehrenamt

Viele Jahre die Kleiderkiste in Füssen geleitet

Engagiert über viele Jahre: Von der Füssener Kleiderkiste haben sich (von links) Susanne Münz, Ortrun und Wolfried Zarnack nach jahrzehntelangem Einsatz verabschiedet. Besonders unterstützt wurde die soziale Einrichtung zu Beginn von der damaligen Stadträtin Helga Manthey und dem früheren Bürgermeister Dr. Paul Wengert.

Engagiert über viele Jahre: Von der Füssener Kleiderkiste haben sich (von links) Susanne Münz, Ortrun und Wolfried Zarnack nach jahrzehntelangem Einsatz verabschiedet. Besonders unterstützt wurde die soziale Einrichtung zu Beginn von der damaligen Stadträtin Helga Manthey und dem früheren Bürgermeister Dr. Paul Wengert.

Bild: Benedikt Siegert

Engagiert über viele Jahre: Von der Füssener Kleiderkiste haben sich (von links) Susanne Münz, Ortrun und Wolfried Zarnack nach jahrzehntelangem Einsatz verabschiedet. Besonders unterstützt wurde die soziale Einrichtung zu Beginn von der damaligen Stadträtin Helga Manthey und dem früheren Bürgermeister Dr. Paul Wengert.

Bild: Benedikt Siegert

Ortrun Zarnack zieht sich nach Jahrzehnten zurück. Welche riesige Summe sie und ihr Team für soziale Zwecke gespendet haben.
Engagiert über viele Jahre: Von der Füssener Kleiderkiste haben sich (von links) Susanne Münz, Ortrun und Wolfried Zarnack nach jahrzehntelangem Einsatz verabschiedet. Besonders unterstützt wurde die soziale Einrichtung zu Beginn von der damaligen Stadträtin Helga Manthey und dem früheren Bürgermeister Dr. Paul Wengert.
Von Heinz Sturm
13.11.2020 | Stand: 12:15 Uhr

Zigtausende gut erhaltene Kleidungsstücke haben durch sie neue Besitzer gefunden: Die seit 1993 existierende Kleiderkiste ist längst eine Institution in Füssen, auch ohne feste Vereinsstruktur. Bislang hat die Einrichtung 100 000 Euro für soziale Projekte gespendet. Eine Erfolgsgeschichte, die Ortrun Zarnack zu verdanken ist: „Sie hat die Leute zusammengehalten und dafür gesorgt, dass der Laden läuft“, sagt die frühere Stadträtin Helga Manthey. Nun hat sich Zarnack von der Kleiderkiste verabschiedet. Anlass für einen Rückblick.

Angefangen mit Aussiedlern

Angefangen hat alles Ende der 1980er Jahre, als im Füssener Land Flüchtlinge aus der DDR und Menschen aus dem Ostblock unterkamen. Diese Menschen versorgte ein „Arbeitskreis zur Integration von Aussiedlern“ mit gebrauchter Kleidung, Schulbedarf und vielem mehr. Ortrun Zarnack bündelte von Anfang an alle Initiativen, was im Januar 1993 zur Gründung der Kleiderkammer (heute Kleiderkiste), führte. Die Idee, die dahinter steckte: Man wollte gut erhaltene Kleidung zu sehr günstigen Preisen weitergeben und die Einnahmen zu 100 Prozent für soziale Projekte spenden.

Ein lockerer Verbund von Frauen

Unterstützt wurde der lockere Verbund von Frauen, die einfach nur helfen wollten, vom damaligen Bürgermeister Dr. Paul Wengert und Helga Manthey. Etwa durch die Bereitstellung von Räumen in den ehemaligen Bundeswehr-Baracken im Venetianerwinkel. Dort habe es bei der ersten Ausgabe gleich einen „Riesenansturm“ gegeben, erinnert sich Zarnack. Man bewältigte ihn wie auch die folgenden. So fanden im ersten Jahr 4000 Kleidungsstücke gegen einen geringen Obolus neue Besitzer – damals richtete sich das Angebot vorrangig an bedürftige Menschen.

Längst hat sich der Kundenstamm gewandelt: Aus allen Bevölkerungsschichten stammen inzwischen die Besucher, sagt Susanne Münz, die ebenfalls von Anfang an dabei war und nun aufhört. Bis zu 200 Kunden habe man inzwischen an den Öffnungstagen gehabt.

Wengert lobt großartiges Engagement

Von den Baracken im Venetianerwinkel ging es in das ehemalige Landratsamt – und hier war wieder Wolfried Zarnack gefragt, um die Räume im Kellergeschoss herzurichten und quasi in ein Second-Hand-Kaufhaus zu verwandeln. Ortrun Zarnack und ihr Ehemann hätten in das Projekte Kleiderkiste „ihr Herzblut“ gesteckt, sagt der frühere Bürgermeister Wengert: „Die Zarnacks haben ihr halbes Leben dafür reingehängt“, es handele sich hier um ein „großartiges Engagement“.

Wobei Ortrun Zarnack abwinkt: „Ohne das gesamte Team wäre das nie möglich gewesen.“ Sie danke alle Mitarbeiterinnen für die jahrelange Arbeit. In der Zwangspause der Einrichtung, die mit der Corona-Pandemie einherging, merkte die 78-Jährige jedoch: „Ich habe gemerkt, dass mir die Pause gut tut.“ Daher habe sie sich entschlossen, sich zurückzuziehen. Angst um die Kleiderkiste müsse man jetzt aber nicht haben, hat Wengert erfahren: „Der Hof ist gut bestellt.“ Aktuell bietet das Team der Kleiderkiste Einzeltermine an, um die Hygieneregeln einhalten zu können.

Von der Arbeit der Kleiderkiste profitierten nicht nun diejenigen, die sich für einen geringen Betrag mit gut erhaltenen Kleidungsstücken eindecken konnten. Denn die Erlösen gingen komplett an soziale Einrichtungen, Schulen, Kindergärten und ältere Menschen in Füssen und Umgebung. 100 000 Euro wurden über die vielen Jahre hinweg verteilt, berichtet Susanne Münz. Im Februar etwa spendete die Kleiderkiste je 2000 Euro an die Füssener Erich-Kästner-Schule und die Mittelschule (jeweils für Projekte der Sozialarbeit) sowie an die Arbeiterwohlfahrt für das Projekt „KiMut“ (Kindern Mut machen).