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Vier Bewerber in brechend voller Halle

Sie wollen Bürgermeister in Steingaden werden. Von links: Bernhard Hollerbach, Max Bertl, Roberta Leimbach und Thomas Illert mit

Sie wollen Bürgermeister in Steingaden werden. Von links: Bernhard Hollerbach, Max Bertl, Roberta Leimbach und Thomas Illert mit

Bild: Ursula Fröhlich

Sie wollen Bürgermeister in Steingaden werden. Von links: Bernhard Hollerbach, Max Bertl, Roberta Leimbach und Thomas Illert mit

Bild: Ursula Fröhlich

Podiumsdiskussion Das Interesse der Steingadener, wer die Nachfolge von Bürgermeister Xaver Wörle antritt, ist riesig. 500 Besucher verfolgen das Rededuell
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Von Ursula Fröhlich
10.02.2020 | Stand: 16:00 Uhr

Der Andrang war riesig: Kurz vor acht Uhr mussten noch eilig Stühle in die Steingadener Mittelschulhalle gebracht werden, so groß war das Interesse an der Podiumsdiskussion der vier Bürgermeisterkandidaten. Gut 500 Besucher waren der Einladung der Frauenliste Steingaden gefolgt – eine stolze Zahl bei rund 2200 Wahlberechtigten. Sie zeigte aber auch, dass sich viele Steingadener offensichtlich noch unschlüssig sind, für wen sie sich am 15. März entscheiden sollen, wenn die Ära von Amtsinhaber Xaver Wörle nach 24 zu Ende geht. Zur Wahl steht dieses Jahr mit Roberta Leimbach (Förderverein Frauenliste) auch erstmals eine Frau. Daneben bewerben sich Bernhard Hollerbach (parteifreie und unabhängige Liste), Max Bertl (CSU) und Thomas Illert (Wählervereinigung pro Steingaden) um den Vorsitz im Rathaus.

Leimbach (55), verheiratet, einen Sohn, geboren im ehemaligen Jugoslawien und seit ihrem achten Lebensjahr in Deutschland und seit 17 Jahren in Steingaden lebend, stellte bei der Vorstellungsrunde vor allem ihre Berufserfahrung als Verwaltungsfachangestellte, den Vorsitz im Obst- und Gartenbauverein, zwölf Jahre Gemeinderats-Erfahrung sowie die Organisation der Steingadener Blütentage heraus. „Sich einbringen und engagieren, liegt in meinem Naturell“, sagte sie.

Hollerbach (50),verheiratet, vier Kinder und seit sechs Jahren Gemeinderat, zog dagegen erst einmal die Regional-Karte. In breitestem Dialekt meinte er: „I ko guad histelle, Bürgermeister zu macha“. Seine Frau habe eingewendet: „Da muaßt guad rede könna“, aber das werde er sich schon noch aneignen. Geboren in Steingaden lebt er seit 40 Jahren in Urspring und arbeitet als Werkzeugmacher in einer Firma in Halblech, wo er sich auch im Betriebsrat engagiert. Steingaden ist seiner Meinung nach gut aufgestellt, es fehle kaum etwas am Ort. Zu seiner Bewerbung meinte er: „Ich alleine mache gar nichts, wenn, dann macht es der Gemeinderat mit dem Bürgermeister.“ Er mache das nicht aus Karrieregründen, sondern „für die Zukunft unserer Kinder“.

Illert (53), geboren in Lüneburg, Realschul-Lehrer als Quereinsteiger und seit 20 Jahren in Steingaden beheimatet, hat seine „Verbundenheit zu Steingaden“ zur Kandidatur bewegt. „Die Zukunft wird digital immer schneller sein, das Mitmenschliche wird immer mehr leiden. Ich stelle mich der Herausforderung“, sagte Thomas Illert.

Bertl (26),geboren in Wildsteig, Sparkassenfachwirt mit Weiterbildung zum Betriebswirt, hat seit letztem Jahr einen Wohnsitz in der „Banker-WG“ in Steingaden und eine Zweitwohnung in Peiting, wo er aufwuchs. Er engagiert sich als Maschinist in der Freiwilligen Feuerwehr und ist Vorsitzender des Freundeskreis Peiting-Calvi sowie seit 2015 CSU-Ortsvorsitzender in Steingaden. Den Posten als Bürgermeister versteht er als „Kämpfer im Auftrag der Wähler“, um vor Ämtern und der bayerischen Landesregierung für die Ziele des Orts einzustehen. Teamarbeit habe er bei der Sparkasse gelernt. „Ich brenne für sie und Steingaden“, sagte Max Bertl, der sogar soweit ging, zu sagen, er „verliebe“ sich immer mehr in den Ort. Zudem charakterisierte er sich als „ehrlich, verständlich und transparent“.

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In der Sache unterschieden sich die einzelnen Kandidaten wenig. Zur Frage nach dem 5G-Mobilfunkausbau ließen sich alle nicht viel entlocken, Hollerbach und Illert immerhin so viel, dass sie es „kritisch“ sehen. Bertl will die Bürger in die Entscheidung miteinbinden und Leimbach stellte das stetig steigende Datenvolumen heraus und die Frage: „Wie und wo nutzen wir es?“ Zur viel diskutierten Marktplatzbelebung hielt sich Roberta Leimbach ebenfalls bedeckt. Es sei Thema im Gemeinderat, deshalb dürfe sie nicht viel dazu sagen. Thomas Illert berief sich auf die bisher bekannten Planungen mit einem Café und Regionalvermarktung und „sieht dem mit gutem Gewissen entgegen“. Auch Bernhard Hollerbach will erst einmal die laufenden Verhandlungen abwarten. Max Bertl ist es wichtig, die Gastwirtschaft zu erhalten. Auch die Frage, wo die Kandidaten sich das neue Sportheim vorstellen wurde eher dahingehend beantwortet, dass alle den Bau wichtig finden.

Die Frage nach der Verkehrsberuhigung im Ort, vor allem an der B 17 würde Hollerbach mit zwei Kreisverkehren angehen, Max Bertl will mit höheren Ämtern klären, was geht, auch Roberta Leimbach will Fachleute zu Rate ziehen. Gegen zu schnelles Fahren hat Thomas Illert Blitzen als Lösung, Hollerbach will mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen, Roberta Leimbach findet es genug, was bereits gemacht wird, und Max Bertl wünscht sich mehr Messanlagen mit Smileys.

Die mehrmals und auch von Moderatorin Barbara Köpf geforderten Visionen blieben eigentlich alle vier Kandidaten schuldig. Vorbereitet hatten sich alle gut. Ob die Steingadener nach dieser Veranstaltung schlauer waren? „So Halb und Halb“, meinte ein Besucher.