Tierschutz

Vier Millionen Euro-Anlage hilft Fischen den Lech hinauf

Der Lech

Aufstiegshilfen wie diese ermöglichen es Fischen, trotz Kraftwerken im Fluß zu wandern. Am Lechkraftwerk in der Dessau soll bald ein ähnliches Bauwerk entstehen.

Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolfoto)

Aufstiegshilfen wie diese ermöglichen es Fischen, trotz Kraftwerken im Fluß zu wandern. Am Lechkraftwerk in der Dessau soll bald ein ähnliches Bauwerk entstehen.

Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolfoto)

Die Uniper Kraftwerke GmbH verbessert die Durchgängigkeit des Flusses in der Dessau für Fische. Dafür muss einiges gebaut werden. Eine Herausforderung.
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Von Allgäuer Zeitung
16.07.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Eine Fischaufstiegsanlage soll an der Lechstaustufe in der Dessau entstehen. Wie Uniper Kraftwerke GmbH, die Betreiberin der Staustufe, jetzt mitteilte, startete das Projekt mit ersten Rodungen von Bäumen bereits Ende Februar und damit noch vor dem Beginn der Vogel-Brutzeit. Zur Abgrenzung des Baufeldes wurden zudem Reptilienschutzzäune aufgestellt und aktuell werden die Flächen regelmäßig gemäht. Dadurch soll der spätere Baubereich für heimische Reptilien möglichst unattraktiv gestaltet werden, damit sie während der Bauzeit auf benachbarte Flächen ausweichen und so am Leben bleiben.

Anfang nächsten Jahres sollen dann – vorbehaltlich noch ausstehender, letzter Genehmigungen – die Arbeiten für die eigentliche Fischaufstiegsanlage beginnen. Sie kostet laut Uniper fast vier Millionen Euro und soll dafür sorgen, dass Fische und andere Wasserlebewesen auch an der Staustufe wieder flussaufwärts wandern können.

Vier Millionen Euro-Anlage hilft Fischen den Lech hinauf

Der Fischaufstiegsanlage am Kraftwerk Dessau soll 2022/2023 eine weitere am flussaufwärts gelegenen Kraftwerk in Urspring folgen. Sind beide fertig, ist der Lech auf einem Flussabschnitt von 24 Kilometern wieder für Fische und Wasserlebewesen durchgängig. Dem Fischpass am Kraftwerk Dessau kommt auch deswegen besondere Bedeutung zu, weil in Richtung Norden die „Litzauer Schleife“, ein ökologisch besonders wertvoller und schützenswerter Lechabschnitt, angrenzt. Mit Inbetriebnahme der Fischpässe in Dessau und Urspring werden auch die Unterläufe von Seitenzuflüssen wie Illach und Gruberbach für aufwärts wandernde Fische wieder erreichbar sein.

Bautechnisch ist das minimale Platzangebot an der Staustufe Dessau nach Angaben von Uniper besonders herausfordernd. Wesentliche Teile der Fischaufstiegsanlage werden direkt neben der Zufahrtsstraße eingerichtet. Die Anlage wird auf den Leitfisch Huchen ausgelegt und wird einen Durchfluss von 520 Liter in der Sekunde aufweisen. Um die Lockströmung unterhalb der Stauanlage auf rund 800 Liter pro Sekunde zu verstärken, wird die Anlage mit einer automatisch gesteuerten Bypass-Leitung aus dem Oberwasser ergänzt. Im Vorlauf zu den eigentlichen Bauarbeiten müssen noch die Fernsteuerkabel zum Kraftwerk und eine Wasserleitung nach Hirschau umverlegt werden. (Lesen Sie auch: Als erste in Bayern: Kläranlage Füssen soll Mikroplastik filtern)

Die Fischaufstiegsanlage in der Dessau wird in drei Abschnitte untergliedert

Die Fischaufstiegsanlage in der Dessau wird in drei Abschnitte untergliedert: Am rechten Flussufer unterhalb des Kraftwerkauslaufs entsteht das Einstiegsbauwerk als sogenanntes „Vertical Slot-Bauwerk“. Das ist ein Betongerinne, das den Fischen die Überwindung von circa vier Metern Höhenunterschied in 34, jeweils zwölf Zentimeter hohen Einzelstufen ermöglicht. Die Einleitung von insgesamt 800 Liter Wasser pro Sekunde durch den Fischpass in den Lech, bildet die sogenannte Lockströmung. Durch sie können die Fische den Einstieg in die Aufstiegsanlage finden.

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An das Einstiegsbauwerk schließt sich ein möglichst naturnah gestaltetes Verbindungsgerinne an, das sich zu einem rund 350 Quadratmeter großen Ausgleichsteich aufweitet. Hier finden Fische und andere Wasserlebewesen neben der Durchgängigkeit neuen Lebensraum, der durch Flachwasserzonen, Gumpen, Kiesnester und Totholzstrukturen laut Uniper für die Tiere attraktiv gestaltet wird.

Der weitere Aufstieg bis in den Stausee oberhalb des Kraftwerks erfolgt über ein weiteres „Vertical Slot“-Betonbauwerk, das unmittelbar neben der östlichen Kraftwerks-zufahrt liegt. Damit werden die restlichen fünf Meter Höhendifferenz treppenartig in 43 Einzelstufen mit je zwölf Zentimetern Höhe aufgelöst. Am Einlauf in den Fischpass verhindert ein Grobrechen das Einspülen von Treibzeug und ein Absperrschutz soll Sicherheit vor Extremhochwasser bieten. (Lesen Sie auch: Letzter Wildfluss in Bayern in Gefahr: Dem Lech fehlt Kies)

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