Bewegungsprojekt

Von Seeg aus auf Europarundreise an der frischen Luft

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Die Sieger des Bewegungsprojekts „Wir schaffen Distanz“ an der Grundschule Lengenwang sind (oben von links) Alina Birk, Lars Beuder, Rosalie Villum, (unten von links) Jonas Bayrhof, Jakob Liebscher, Stefanie Brenner, Emilia Villum und Pauline Villum.

Bild: Alexandra Decker

Die Sieger des Bewegungsprojekts „Wir schaffen Distanz“ an der Grundschule Lengenwang sind (oben von links) Alina Birk, Lars Beuder, Rosalie Villum, (unten von links) Jonas Bayrhof, Jakob Liebscher, Stefanie Brenner, Emilia Villum und Pauline Villum.

Bild: Alexandra Decker

Schüler und Schulteams der Grundschulen Seeg und Lengenwang legen bei Bewegungsprojekt "Wir schaffen Distanz" über 12 600 Kilometer zurück. Wie es dazu kam und wer die längsten Strecken geschafft hat
30.06.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Eigentlich wollte Stefan Galonska auf dem Fußballplatz möglichst viele Kilometer sammeln. Gedacht waren die für das Bewegungsprojekt „Wir schaffen Distanz“ an den Grundschulen Seeg und Lengenwang. Dann aber verletzte sich der Rektor der beiden Schulen und konnte nur im Tor stehen, statt hinter dem Ball herzurennen. Damit steuerte er durch das Fußballspiel gerade mal „einen halben Kilometer, aber ein schönes Foto bei“, berichtete er schmunzelnd. Deutlich erfolgreicher waren da seine Schüler. Sie schafften in Seeg insgesamt 3407 Kilometer, in Lengenwang 2941. Das Schulteam legte in Seeg 2767 und in Lengenwang 3571 Kilometer drauf. Insgesamt kamen so 12 686 Kilometer für beide Schulen zusammen.

Das Bewegungsprojekt fand über vier Wochen auf eine Eigeninitiative der Schulen statt. Ziel war es, die Schüler, das Schulteam und andere Menschen dazu zu animieren, sich mehr zu bewegen. Das kam während der Corona-Lockdowns laut Galonska bei vielen zu kurz. Die Zeit vor den Bildschirmen erhöhte sich zum Beispiel durch das Homeschooling. Bewegungsanreize durch Sportvereine fielen dagegen weg. Bei „Wir schaffen Distanz“ waren alle eingeladen, sich wieder mehr an der frischen Luft zu bewegen. Ob sie dafür spazieren gingen, joggten, radelten oder mit Inlineskates, Skateboard oder Roller fuhren, war egal. Gemessen wurden die Kilometer per Schrittzähler oder Handy. Die Streckenlänge wurde mit einem Foto an die Schulen gemailt und auf deren Homepages veröffentlicht.

Am Ende erreichte jede der beiden Schulen über 6000 Kilometer und damit eine Rundreise durch Europa von Seeg beziehungsweise Lengenwang nach Wien, Zagreb, Rom, Bern, Madrid, Paris und wieder nach Hause. „Alle haben etwas Besonderes geschafft. Jeder Kilometer zählt“, betonte Galonska bei der Siegerehrung in Lengenwang. Dennoch gab es Teilnehmer, die besonders hervorstachen.

Gelaufen und gepaddelt

Die meisten Kilometer an einem Tag zu Fuß etwa legte für die Lengenwanger Schule zum Beispiel Lars Beuder zurück. Es waren ganze 100. Er ging dafür allerdings nicht nur wandern, sondern paddelte einen Großteil mit dem Kajak. „Wir sind bis zum Fluss gelaufen und dann gefahren“, erzählt der Neunjährige. Solche Touren seien manchmal langweilig, wenn auf dem Fluss nur Miniwellen auftreten. Tobt das Gewässer etwas mehr, seien sie dafür ziemlich aufregend und anstrengend.

Die meisten Gesamtkilometer zu Fuß hat mit 222 Jonas Bayrhof gesammelt. Der Zehnjährige ist dafür im Urlaub in Österreich „ganz viel in den Bergen gewandert“. Jakob Liebscher schaffte mit 196 Kilometern die längste Gesamtstrecke auf Rädern. Das meiste davon ist er mit seinem Bruder und seinem Vater geradelt. „An einem Tag sind wir zu meiner Cousine nach Seeg gefahren“, berichtete der Achtjährige. Außerdem stand eine 35 Kilometer-Runde zu einer Wirtschaft auf dem Programm.

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Die längsten Einzelstrecken auf Rädern schafften mit je 52 Kilometern Alina Birk und Stefanie Brenner. Die zehnjährige Stefanie radelte dafür von Lengenwang bis zum Schmuttersee nach Roßhaupten und wieder zurück. Alina machte eine Tour „an dem See, an dem König Ludwig gestorben ist“. Mit dessen Namen – Starnberger See – aber musste Galonska der Neunjährigen etwas aushelfen.

Einen Preis gab es auch für das motivierendste Foto, das die Teilnehmer von ihren Touren an ihre Schulen schickten. „Es war für uns besonders spannend, zu sehen, wer wohin gelaufen oder gefahren ist und welche tollen Bilder ihr gemacht habt“, sagte Galonksa. Mit diesen Fotos hätten die Schüler andere angesteckt, die gleichen Touren auch zu machen. Den Preis für das motivierendste Foto erhielten die drei Schwestern Pauline (10 Jahre), Emilia (sieben Jahre) und Rosalie (7 Jahre) Villum. Sie fuhren mit Inlineskates zum Lengenwanger Skaterplatz und dort über die Schanzen.

800 Kilometer auf dem Rad

Aber auch die Lehrer und schulnahen Personen ließen sich nicht lumpen. Religionslehrerin Claudia Laxy etwa legte in den vier Wochen mit dem Rad über 800 Kilometer zurück. Sie radelte in den Pfingstferien nach Freiburg und absolvierte verschiedene Touren im Allgäu. Andreas Roth, Schulamtsdirektor für den Landkreis Ostallgäu, erklomm 15 Kilometer an einem Klettersteig für das Schulprojekt. Religionslehrer Joachim Kienle fuhr jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit an verschiedene Schulen.

Legt man die Schüler- und Lehrerzahlen – in Lengenwang 56 Schüler und acht Lehrer, in Seeg 150 Schüler und 16 Lehrer – zugrunde, waren die Lengenwanger die Aktiveren. „Dort haben sich alle Kinder und das ganze Kollegium beteiligt“, sagt Galonska. In Seeg dagegen sei die Beteiligung in manchen Klassen sehr hoch, in anderen weniger stark gewesen. Bei der „vielen Arbeit“ aber hätte das ganze Kollegium gut zusammengewirkt und auch viele andere hätten viel beigetragen.