Vorbildliche Waldpflege

Waldgenossenschaft Pfronten-Kappel erhält Bayerischen Staatspreis - was sie anders macht

Waldmeister Johann Heer (links) und Robert Schürzinger, Vorsitzender der Wald- und Weidegenossenschaft Pfronten-Kappel, im Jungwald.

Waldmeister Johann Heer (links) und Robert Schürzinger, Vorsitzender der Wald- und Weidegenossenschaft Pfronten-Kappel, im Jungwald.

Bild: Ralf Lienert

Waldmeister Johann Heer (links) und Robert Schürzinger, Vorsitzender der Wald- und Weidegenossenschaft Pfronten-Kappel, im Jungwald.

Bild: Ralf Lienert

Wegen "vorbildlicher Waldbewirtschaftung" wurde die Wald- und Weidegenossenschaft Pfronten-Kappel ausgezeichnet. Was sie in ihren Forsten anders machen.
23.07.2021 | Stand: 11:15 Uhr

Für den Pfrontener Revierförster Sebastian Baumeister trifft es die Richtigen: „Das ist ein umtriebiger Haufen mit einem tollen Bezug zum Wald.“ Dafür, wie es die Mitglieder der Wald- und Weidegenossenschaft im Ortsteil Kappel schaffen, die vielen Funktionen des Waldes unter einen Hut zu bringen, hätten sie den „Bayerischen Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung“ voll verdient. Die Kappeler zählen zu den bayernweit 15 Waldbesitzern und -betreuern, die in diesem Jahr für ihren Beitrag zum Klimaschutz und für die Gesellschaft geehrt werden. Dies hat Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) bekanntgegeben.

Forst selber pflegen und Wildbestand erhalten

Doch was machen die Kappeler anders? Zu dieser Frage fällt auch ihrem Vorsitzenden Robert Schürzinger als Erstes der direkte Bezug der 44 Genossenschaftsmitglieder zu ihren Wäldern ein: Wenn irgendetwas ist, steht immer einer parat, um einzugreifen. „Wenn einmal ein Käferbefall auftritt, wird das sofort aufgearbeitet“, erzählt Schürzinger. Dazu kommt, dass die Kappeler ihre 130 Hektar Forst genau kennen, bewusst selber pflegen und das nicht einem ortsfremden Betrieb übertragen. So wissen sie beispielsweise genau, wo ihre Wälder Wild vertragen und wo nicht. In enger Zusammenarbeit mit dem Jagdpächter gelinge es so, den Wildbestand dort zu erhalten, wo er gut verträglich ist – schließlich gehört auch aus ihrer Sicht Wild zum Wald – und dort zu reduzieren, wo er Schäden verursachen könnte. Das bemerkenswerte Ergebnis: Die Kappeler können seit Jahren fast ganz darauf verzichten, Bäume zu pflanzen, und stattdessen auf Naturverjüngung setzen. Der Schutz einzelner Jungpflanzen genügt. Dabei haben sie mittlerweile die geringsten Verbissschäden aller Pfrontener Wälder. (Lesen Sie auch: Arbeiten am Hang: Hubschrauber bei Waldsanierung am Falkenstein im Einsatz)

Revierförster gibt Tipps zu Förderprogrammen

Als weiteren wichtigen Partner nennt Schürzinger Revierförster Baumeister: Als Vertreter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stehe er der Genossenschaft mit Tipps und Hinweisen zur Seite und wisse über Förderprogramme Bescheid. So lassen sich die Kappeler honorieren, dass sie Totholz stehen lassen: Abgestorbene Bäume dienen als Lebensraum für viele Tiere. Auch die Allgäuer Bergwaldoffensive ist für sie ein wichtiger Partner. Weniger wegen Neupflanzungen, als für die Anlage von Wegen für den Holztransport, wie Schürzinger sagt. Oder für die Planung, wie Förster Baumeister ergänzt: Die hat für die Forste der Kappeler ein hohes Nutzungspotenzial an Holz ergeben – das diese aber nicht ausschöpfen. Man setze auf einen Mix aus „Nutzungs- und Zukunftswald“, sagt Schürzinger.

Alles gut ist aber auch in den Wäldern rund um Kappel nicht. Dort macht sich der wachsende Druck durch die Freizeitnutzung bemerkbar. Aber auch dabei setzt Schürzinger auf einen Mittelweg – nicht auf Verbote, sondern auf Aufklärung: Wüssten zum Beispiel Mountainbiker, wann und wo sie unterwegs sein können, ohne Wild aufzuscheuchen, hielten sie sich meistens daran, ohne dass Verbote nötig seien, sagt Schürzinger. Ein Radler auf einem Hauptweg, den die Tiere kennen, sei kein Problem. Nur von der Abend- bis zur Morgendämmerung sollte man die Wälder ganz den Tieren überlassen.

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