Ostallgäu

Wegen Birkhuhn: Besondere Vorsicht bei Bergtouren gefordert

Nur noch wenige Birkhühner sind im Allgäu zu finden. Um die Vorkommen im Ostallgäu besser zu schützen, richtet Wildbiologe Thomas Hennemann jetzt einen dringenden Appell an die Berggeher.

Nur noch wenige Birkhühner sind im Allgäu zu finden. Um die Vorkommen im Ostallgäu besser zu schützen, richtet Wildbiologe Thomas Hennemann jetzt einen dringenden Appell an die Berggeher.

Bild: Benedikt Siegert (Collage)

Nur noch wenige Birkhühner sind im Allgäu zu finden. Um die Vorkommen im Ostallgäu besser zu schützen, richtet Wildbiologe Thomas Hennemann jetzt einen dringenden Appell an die Berggeher.

Bild: Benedikt Siegert (Collage)

Um die bedrohten Birkhühner zu schützen, bittet Biologe Thomas Hennemann, Touren im Ostallgäu nur auf markierten Steigen und zu geregelten Zeiten zu unternehmen
08.05.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Nur noch 1500 Paare dieser seltenen Tierart gibt es in ganz Bayern. Und nicht umsonst stehen die Birkhühner längst auf der roten Liste vom Aussterben bedrohter Lebewesen. Doch die gute Nachricht ist: Im Ostallgäu gibt es die im Volksmund auch Spielhahn genannte Art noch – vorwiegend im alpinen Terrain. Das ist eines der Ergebnisse, die am Ende eines sogenannten Monitorings stehen, das Thomas Hennemann, Gebietsbetreuer des Ostallgäuer Alpenrands, jetzt durchgeführt hat. Gerettet ist das Birkhuhn damit aber noch lange nicht. „Die größten Bedrohungen sind Lebensraumverlust und menschliche Störungen“, sagt Hennemann. Seit vergangenem Jahr kümmert sich der Wildbiologe um eine Bestandsermittlung der Tiere in der Region. „Ein wirklicher Trend lässt sich nach zwei Jahren zwar noch nicht ableiten, dazu ist das Zahlenmaterial noch zu dürftig“, sagt Hennemann.

Birkhühner breiten sich im Ostallgäu nur fernab der Bergbahnen aus

Es habe sich jedoch schon deutlich gezeigt, dass die Bestände in den Ammergauer Alpen reicher seien als im Bereich Pfronten oder Nesselwang. Hennemann führt dies vor allem auf die menschlichen Störungen, insbesondere in der Brut- und Aufzuchtzeit, zurück: „Je weiter die Anmarschwege für Wanderer oder Bergsteiger zu den Lebensräumen der Birkhühner sind, umso stabiler ist die dortige Population.“

Deswegen appelliert der Fachmann gerade jetzt an die Vernunft der Bergsportbegeisterten in der Region: „Bitte bleiben Sie auf den markierten Wegen und seien Sie nur bei gutem Tageslicht unterwegs“, sagt er. Im Interesse der Tiere solle man morgens nicht vor 7 Uhr im Tal starten und abends zwei Stunden vor Sonnenuntergang wieder im Tal sein. Besonders jetzt. Denn die Balzzeit der Birkhühner fällt in die Monate bis zum Mai, daran anschließend folgen die Brut- und Aufzuchtzeit bis einschließlich Juli.

Freizeitsportler würden häufig die Konsequenzen gar nicht kennen

„Häufig wissen die Freizeitsportler ja gar nicht, welche negativen Auswirkungen ihr Verhalten auf die Natur hat“, sagt der Wildbiologe. Deswegen will er sich – die Ergebnisse seines Monitorings im Rücken – verstärkt um Öffentlichkeitsarbeit kümmern. Aber auch um Maßnahmen der Lebensraumverbesserung für die Birkhühner. Zum Beispiel in Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern und den Forst- und Naturschutzbehörden.

Der Appell an die Berggeher bleibt aber dringend: „Häufige Störungen können das Paarungsgeschehen derart negativ beeinflussen, dass der Balzplatz aufgegeben wird und es zu keiner Jungennachzucht in diesem Jahr kommt“, sagt Hennemann und wirft schon den Blick voraus. Er will die Entwicklung der Vögel im Ostallgäu weiter genau dokumentieren und bei Bedarf helfend eingreifen. Denn wer das „Grugeln“ des Birkhahnes einmal gehört habe, sagt er, werde es nie wieder vergessen: „Burrrr-burrr-burr-burrrrr Burrrr-burr-burr-burrrr-TschiTschhhht“.