Zigarettenkippen

Weggeworfene Zigaretten: So gefährlich sind die Kippen für Kinder

Weit müssen auch die Füssener nicht gehen, bis sie die ersten Kippen auf dem Boden finden.

Weit müssen auch die Füssener nicht gehen, bis sie die ersten Kippen auf dem Boden finden.

Bild: René Buchka

Weit müssen auch die Füssener nicht gehen, bis sie die ersten Kippen auf dem Boden finden.

Bild: René Buchka

Städte im ganzen Allgäu sehen Schwierigkeiten, die durch Zigarettenkippen entstehen. Nur Füssen nicht.  Doch die Kippen haben nicht nur Folgen für die Umwelt.

06.08.2020 | Stand: 18:02 Uhr

Es gibt womöglich keinen anderen Müll, der so selbstverständlich auf den Boden geworfen wird wie Zigarettenkippen. Dabei gelten die abgerauchten Glimmstängel als giftig. In Füssen gibt es dieses Problem anscheinend nicht, wenn man den Worten von Markus Gmeiner Glauben schenkt: „Wir sind eine saubere Stadt.“ Er muss es ja wissen, immerhin ist er Leiter des Fachbereichs öffentliche Sicherheit und Ordnung. Schaut man allerdings in die Stadt, fallen einem bereits nach wenigen Metern Überbleibsel des Nikotinkonsums auf. Nicht nur für Kinder kann das gefährlich werden.

Sind achtlos weggeworfene Zigarettenkippen in Füssen ein Problem?

Nein, sagt Markus Gmeiner. Ein Mitarbeiter reinige täglich die öffentlichen Straßen und Wege. Weder der noch Gmeiner selbst haben offenbar jemals eine entsprechende Mitteilung bekommen.

Was geschieht, wenn Kinder eine Kippe verschlucken?

Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zählen Nikotinvergiftungen durch versehentlich verschluckte Zigaretten und deren Kippen zu den häufigsten Vergiftungen im Kleinkindalter. Dabei seien Kippen deutlich giftiger als vergleichbare Mengen unverbrannten Tabaks, da das Nikotin beim Rauchen vor dem Filter kondensiere. Über die Schleimhäute nehmen Kinder das Nikotin rasch auf. Für eine Vergiftung reiche vermutlich eine Dosis von 0,2 Milligramm Nikotin pro Kilogramm Körpergewicht – bei einem Dreijährigen mit 15 Kilogramm also etwa drei Milligramm. Zum Vergleich: Eine Zigarette enthält laut Landesamt 15 bis 25 Milligramm Nikotin.

Die Symptome einer Vergiftung

Typische Symptome seien vermehrter Speichelfluss, Schwitzen, schneller Puls, leichte Benommenheit, Zittrigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Blässe, Hautrötung und Unruhe. Zu Atemstörung, Krämpfen und Blutdruckabfall sei es bei Kindern gekommen, die zwei Zigaretten oder mehr als drei Kippen gegessen haben – was aber selten vorkomme. Weniger als einmal im Jahr behandelt Dr. Josef Seidl im Schnitt Kinder wegen einer Nikotinvergiftung. Er ist seit über zehn Jahren Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Füssen. Dabei blieb die Anzahl der Fälle gleichbleibend niedrig. Im vergangenen Jahr war es sogar kein einziger.

Welche Auswirkungen haben weggeworfene Kippen auf die Umwelt?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht in einem Bericht von 2017 davon aus, dass weltweit jährlich 340 bis 680 Tonnen Müll von Tabakprodukten auf Straßen und in der Umwelt landet. Dieser Müll enthalte über 7000 giftige Chemikalien, darunter krebserregende, die so in die Umwelt gelangen und sich dort anreichern – beispielsweise im Wasser. Laut WHO enthalten Zigaretten seit den 1950er-Jahren Filter. Diese seien nur schwer abbaubar und enthielten jede Menge Giftstoffe.

Bußgeld: Was kostet’s?

Laut bayerischem Umweltministerium ist es verboten, Zigarettenkippen in die Umwelt zu werfen. In Bayern sei ein Regelsatz von 20 Euro Bußgeld vorgesehen – je nach Einzelfall könne davon abgewichen werden. Ob es überhaupt verhängt wird, sei ebenfalls eine Frage des konkreten Falls. Theoretisch ist das Wegwerfen von Zigarettenkippen ein Verstoß gegen die Reinigungs- und Sicherungsverordnung der Stadt Füssen, sagt Fachbereichsleiter Gmeiner. Es aber noch nie vorgekommen, dass so ein Verstoß angezeigt wurde. Überhaupt müsste der Betroffene mit Namen bekannt sein, um ihn anzuzeigen. Laut Gmeiner geht das also nur, wenn jemand den Schuldigen „auf frischer Tat ertappt“.