Handel

Weltladen Füssen: Auch in der Krise solidarisch geblieben

Inge Schwarzenbach ist die Schriftführerin im Vorstand der Eine-Welt-Partnerschaft in Füssen. Oft ist sie auch als ehrenamtliche Verkäuferin im Weltladen anzutreffen.

Inge Schwarzenbach ist die Schriftführerin im Vorstand der Eine-Welt-Partnerschaft in Füssen. Oft ist sie auch als ehrenamtliche Verkäuferin im Weltladen anzutreffen.

Bild: Martina Gast

Inge Schwarzenbach ist die Schriftführerin im Vorstand der Eine-Welt-Partnerschaft in Füssen. Oft ist sie auch als ehrenamtliche Verkäuferin im Weltladen anzutreffen.

Bild: Martina Gast

Kunden des Weltladens verzichten auf Mehrwertsteuer-Senkung zugunsten der Lieferanten aus dritter Welt. Auch für dieses Jahr plant das Geschäft Aktionen.
15.01.2021 | Stand: 12:00 Uhr

„Wir haben geöffnet, kommen sie einfach vorbei, wir freuen uns“, sagt Andrea Helmer am Telefon. Eine Kundin hatte sich beim Füssener Weltladen erkundigt, ob das Geschäft tatsächlich geöffnet hat. Das hat der Laden am Füssener Brotmarkt auch.

Die Bilanz ist aber durchwachsen: Denn nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2019 hätte man eigentlich wieder voll durchstarten wollen. „Aber leider wurden wir ausgebremst“, sagt Helmer. Der Modeladen Fair mit Flair musste seine Ladentür sowohl im Frühjahr wie auch jetzt schließen. Die beliebten Modenschauen im Frühjahr und Herbst konnten nicht stattfinden.

Hoffnung auf baldige Öffnung

Wie viele Einzelhändler in Füssen hofft auch der Modeladen, bald wieder öffnen zu können. Das Geschäft ist in kürzester Zeit bei Einheimischen, wie Touristen gleichermaßen beliebt und sehr gut angenommen worden. Der mutige Schritt, in Füssen einen eigenen Laden mit fairer Mode zu eröffnen, habe sich voll gelohnt. Vor allem für die vielen Produzenten fairer Bekleidung und Accessoires, betont die Chefin. „Für unsere Handelspartner ist Covid-19 jetzt jedoch eine Katastrophe“, sagt Helmer. In vielen Herstellerländern könne in der Regel nicht auf Zuschüsse, Steuersenkungen und Rettungsschirme zugegriffen werden. „Die Pandemie hat verheerende Auswirkungen auf alle, die in ungleich schwierigeren sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen leben“, sagt Helmer. Der Weltladenverein hat deshalb eine Spendenkasse aufgestellt, die übers Jahr rund 3000 Euro eingebracht hat.

Es gibt aber Wermutstropfen: Denn auch der Weltladen war im Frühjahr zeitweise geschlossen und musste sämtliche Aktionen absagen. Besonders die Absage des „Fairzauberten Adventsmarkts“, der jährlich viele Besucher in den historischen Innenhof des Kottermaier Hauses gelockt hat, tat weh. Bewahrt hat sich der Weltladen aber seinen solidarischen Ansatz. Auch in Krisenzeiten. Denn bei der Aktion „#fairwertsteuer“ wurde von Juli bis Dezember die Mehrwertsteuer-Absenkung zur Unterstützung an die Handelspartner und Produzenten weitergeben. Der deutsche Dachverband der Weltläden konnte so mit 204  000 Euro seine Lieferanten in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützen.

Weltladen Füssen trägt 2800 Euro bei

Darunter auch größere Summen für Hilfsmaßnahmen. Der Weltladen Füssen, einer von über 400 in der Republik trug zu der Aktion 2800 Euro bei. Die Kunden hätten die Aktion gerne mit ihrem Einkauf unterstützt und dafür die „Fairwertsteuer“ bezahlt, sagt Helmer. Auch für dieses Jahr sind einige solidarische Aktionen seitens des Dachverbandes und der Weltläden aus der Region Iller-Lech geplant. Helmer hofft, dass die Kunden dem Weltladen weiterhin die Treue halten. Denn mit jedem Einkauf der fairgehandelten, hochwertigen Produkte werde der Arbeitsplatz der vielen Arbeiter, Produzenten und Kooperationen gesichert.

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(Lesen Sie hier, welche Bilanz der Weltladen Pfronten zieht.)