Haushalt in Steingaden

Wenn Schulden machen billiger ist als der Griff aufs Konto

Anstatt auf Spareinlagen zurückzugreifen, nimmt die Gemeinde Steingaden lieber neue Schulden auf, um Investitionen zu finanzieren.

Anstatt auf Spareinlagen zurückzugreifen, nimmt die Gemeinde Steingaden lieber neue Schulden auf, um Investitionen zu finanzieren.

Bild: Siegert (Symbol)

Anstatt auf Spareinlagen zurückzugreifen, nimmt die Gemeinde Steingaden lieber neue Schulden auf, um Investitionen zu finanzieren.

Bild: Siegert (Symbol)

Warum die Gemeinde Steingaden jetzt lieber Millionen neuer Schulden aufnimmt, anstatt für neue Investitionen die üppigen Rücklagen anzutasten.
09.05.2021 | Stand: 07:30 Uhr

Eigentlich hätte die Gemeinde Steingaden bei ihrem Haushaltsplan für 2021 auch ohne Kredite auskommen können. Allerdings erwies sich aufgrund der aktuellen Niedrigzinslage, dass eine Neuverschuldung zur Deckung der Kosten für den Anschlusses an die Kläranlage Lechbruck die wirtschaftlichere Lösung ist. Rund 2,2 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Dem Bericht von Siegfried Bernert zufolge werden sie aber nicht aus den Rücklagen entnommen, was die Gemeinde finanziell hätte stemmen können. Sondern als Darlehen aufgenommen.

Wie aus dem Bericht des Kämmerers weiter hervorging, steht die Klostergemeinde trotz allem finanziell auf einem soliden Fundament. Rund 727 000 Euro betrugen die Schulden am Anfang des Jahres. „Mit einer geplanten Kredittilgung von 247 000 Euro und einer Neuverschuldung von 2,2 Millionen Euro wird sich der Betrag auf 2,68 Millionen Euro erhöhen“, erklärte Bernert. Das bedeutet: Die Pro-Kopf Verschuldung steigt in Steingaden auf 928 Euro.

Für künftige Projekte muss die Gemeinde Steingaden ran ans Tafelsilber

Er erinnerte aber auch gleichzeitig an Maßnahmen wie die Restaurierung des Fohlenhofes, die Herstellung einer flächendeckenden Wasserversorgung, den Ausbau der Breitbandversorgung oder diverse Straßensanierungen, die noch ausstehen. Dies werde sehr bald einen erhöhten Finanzbedarf hervorrufen. Diese Projekte könnten deshalb nicht ohne staatliche Förderung, den Verkauf von Grundvermögen oder Kreditaufnahmen durchgeführt werden, sagte Bernert weiter.

Mit dem diesjährigen Budget-Ergebnis könne man sich dennoch gut zufriedengeben, waren sich der Kämmerer und Bürgermeister Max Bertl einig. Denn der Kredit für den Anschluss an die Kläranlage Lechbruck sieht man als Zwischenfinanzierung an und er wird deshalb als günstiger erachtet. Ein weiterer hoher Ausgabeposten für die Gemeinde ist die Kreisumlage, für die Steingaden im laufenden Haushaltsjahr rund 164 000 Euro mehr berappen muss. Sie beträgt damit knapp 1,65 Millionen Euro.

Trotz Corona stehen für Steingaden stattliche Steuereinnahmen zu Buche

Zur Freude des Kämmerers stehen dem positive Zahlen auf der Einnahmenseite gegenüber: Etwa die Gewerbesteuer, die noch rund 727 000 Euro beträgt. Oder die Schlüsselzuweisung durch den Bund, die weitere 1,02 Millionen Euro bringt. Der Anteil an den Einkommensteuern liegt bei 1,45 Millionen Euro und aus der Umsatzsteuer ist in diesem Jahr mit weiteren 110 000 Euro zu rechnen. Alle Einnahmen und Ausgaben aufgerechnet, ergibt sich für den Verwaltungshaushalt ein Volumen von rund 6,48 Millionen Euro, der Vermögenshaushalt beziffert sich auf rund 5,93 Millionen Euro.

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Ein stattlicher Haushalt also, der sich insgesamt auf 12,4 Millionen Euro beläuft und trotz eines schwierigen Jahrs ausgeglichen gehalten werden konnte, wie der Kämmerer abschließend betonte. Angesichts der anstehenden Projekte, wird sich dies wohl in den Folgejahren ändern müssen. Doch wolle man zuversichtlich in die Zukunft schauen. Auch deshalb gab der Gemeinderat einstimmig grünes Licht für das Budget – unter der Prämisse auch künftig sparsam hauszuhalten.