Buß- und Bettag

Wer leidet besonders unter der Corona-Pandemie? Dafür beten Gottesdienst-Besucher in Pfronten

Auch über die geschichtlichen Hintergründe des Buß- und Bettages sprach Pfarrer Jörn Foth beim Gebetsgottesdienst in der Auferstehungskirche in Pfronten.

Auch über die geschichtlichen Hintergründe des Buß- und Bettages sprach Pfarrer Jörn Foth beim Gebetsgottesdienst in der Auferstehungskirche in Pfronten.

Bild: Erwin Kargus

Auch über die geschichtlichen Hintergründe des Buß- und Bettages sprach Pfarrer Jörn Foth beim Gebetsgottesdienst in der Auferstehungskirche in Pfronten.

Bild: Erwin Kargus

In der evangelischen Auferstehungskirche in Pfronten gedenken Gläubige besonders den von der Pandemie Betroffenen und ihren Helfen.
20.11.2020 | Stand: 08:00 Uhr

Bei einem „Meditativen Gebetsgottesdienst am Buß- und Bettag“ in der Auferstehungskirche in Pfronten mit Pfarrer Jörn Foth durften die Gottesdienstbesucher vorbringen, wer „besonders unter der Corona-Pandemie leidet“ sowie Dinge benennen, „die falsch laufen“. Daneben gaben Taizélieder, zwei Geschichten des Pfarrers, ein Hoffnungspsalm und zahllose Teelichter rundum ein wärmendes Gefühl der Geborgenheit.

Früher ordneten die Landesherren zahlreiche Buß- und Bettage an, verriet Foth den geschichtlichen Hintergrund des Tages und ergänzte, dass sich schließlich das preußische Vorbild mit nur einem Datum im Jahr durchsetzte. Im weiteren Gottesdienstverlauf durfte jeder ins Gebet einschließen, an wen er in der momentanen Coronazeit besonders denke. Da wurden dann Menschen ohne Zugang zum Gesundheitssystem, ein Nachbar, der sich das Leben nahm, in Österreich oder den USA lebende Kinder, die Rotkreuzler und die Politiker, die vielen Anfeindungen ausgesetzt sind, genannt.

Corona, Querdenken, Profitgier: Was nicht so gut läuft

Pfarrer Foth ließ Dinge ansprechen und vor Gott bringen, die bisher nicht so gut gelaufen sind. Die Gläubigen nannten unwichtige Reisen und Flüge, auf die man verzichten könne, die leider zunehmende Spaltung der Gesellschaft, den immer stärkeren Einfluss Chinas, den Verlust von Anstand und Achtung, die Querdenken-Bewegung und dass Profitgier vor Menschenachtung stehe. Foth erzählte von seiner Pfarrzeit in Atlanta in den USA in Zeiten von Aids. Hatten zunächst sogar Kirchen die Betroffenen diskriminiert, so erlebte er ein Umdenken. Aus seiner Kirchengemeinde heraus entstand eine Aids-Hilfe und wurde Toleranz praktiziert. „So was kann Hoffnung machen“, erinnerte sich Foth.

Katastrophen wie Corona können Kreativität freisetzen

In seiner zweiten Geschichte ging er zurück bis ins Jahr 1815, als in Indonesien der Vulkan Tambora ausbrach. Er war in seiner Auswirkung so heftig, dass 1816 weltweit als das Jahr ohne Sommer in die Geschichte einging. Weil auch die Unterhaltungskosten für Pferde durch den hohen Haferpreis so dramatisch anstiegen, suchte der Mannheimer Erfinder Karl Drais nach einem preiswerten Ersatz und erfand das Laufrad. „Katastrophen setzen Kreativität frei“, folgerte der Seelsorger daraus.