Gedenken an eine schlimme Zeit

Wie der Volkstrauertag im Füssener Land in Corona-Zeiten ablief

Pfarrer Alois Linder und Bürgermeister Thomas Pihusch (mit Mikrofon) beim Gedenken in Roßhaupten.

Pfarrer Alois Linder und Bürgermeister Thomas Pihusch (mit Mikrofon) beim Gedenken in Roßhaupten.

Bild: Christian Miller

Pfarrer Alois Linder und Bürgermeister Thomas Pihusch (mit Mikrofon) beim Gedenken in Roßhaupten.

Bild: Christian Miller

Der Volkstrauertag im Füssener Land fand wegen der Pandemie in einem kleineren Rahmen statt. Was Füssens Bürgermeister nun von den Menschen fordert.
Pfarrer Alois Linder und Bürgermeister Thomas Pihusch (mit Mikrofon) beim Gedenken in Roßhaupten.
Von Redaktion Allgäuer Zeitung
16.11.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Der Opfer beider Weltkriege und von Gewaltherrschaft ist gestern beim Volkstrauertag auch im Füssener Land gedacht worden. Doch anders als in den zurückliegenden Jahren: Um die in der Corona-Pandemie geltenden Auflagen zu erfüllen, konnten die Gottesdienste und Gedenkfeiern nur mit begrenzter Teilnehmerzahl stattfinden. Und der Virus selbst spielte bei manchen Reden eine Rolle.

Etwa in Füssen. In der Stadtpfarrkirche St. Mang erinnerte Bürgermeister Maximilian Eichstetter nicht allein an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, sondern auch an die zahlreichen Corona-Opfer. „Die Pandemie machte Einschränkungen notwendig, die in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellos sind“, sagte er. Darunter würden alle leiden – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch privat: „In diesen Zeiten wird uns allen schmerzlich bewusst, wie wichtig soziale Kontakte sind – und wie sehr wir darunter leiden, wenn wir diese einschränken müssen.“

Dennoch müsse man jetzt gemeinsam die Herausforderungen bestehen. „Wir werden diese Situation nur dann meistern, wenn wir uns alle konsequent an die Maßnahmen halten. Und zwar wirklich alle“, unterstrich er. Er dankte ausdrücklich allen, die dafür sorgen, dass dieses Land auch in dieser Krise funktioniert. Der Standortälteste der Allgäu-Kaserne, Oberstleutnant Michael Bertram, sagte, diese Jahr habe gezeigt, wie brüchig das subjektive Sicherheitsgefühl in einer Pandemie sei. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen in Krisengebieten wisse er aber: „Uns geht es immer noch sehr gut in Deutschland.“

Signal für Versöhnung

Beim ökumenischen Gottesdienst in der Pfrontener St. Nikolauskirche erinnerte Bürgermeister Alfons Haf an einen Verwandten, der als 20-Jähriger in einem Erdloch in Russland im Januar 1943 seinen letzten Brief an seine Eltern geschrieben hatte. Was habe einen jungen Pfrontener damals in diese Situation führte, sei dies für immer Vergangenheit? „Immer, wenn fanatische, machtgierige, narzisstische Personen genügend Anhänger finden und zu Entscheidungsträgern werden – wenn Wahrheit nicht mehr wichtig ist –, dann wird es gefährlich“, warnte Haf. Man könne nur hoffen, dass die Zahl der Vernünftigen überwiegen werde. Auch in der eigenen Erfahrungswelt finde man in sozialen Netzwerken besorgniserregende Botschaften von Hass und Aggressivität. Daher solle der Volkstrauertag auch ein Signal für Frieden und Versöhnung sein, in der großen Welt und im eigenen Umfeld. „Jede und jeder kann seinen Beitrag dazu leisten“, sagte der Bürgermeister.

Mit Zeitzeugen reden

Bei der Gedenkfeier in Roßhaupten verwies Bürgermeister Thomas Pihusch darauf, dass 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Zahl derjenigen, die diese furchtbare Zeit selbst miterlebt haben, immer kleiner wird. Man sollte sich die Geschichten dieser Menschen anhören: Denn wer direkt betroffen war, der wisse, was Krieg, aber auch was Frieden und Freiheit bedeuten. Vor allem aber auch, wie Zusammenhalt durch Zeiten voller Not führen könne. Gerade im Zeichen der Corona-Pandemie sollte man diesen Menschen beistehen und zuhören, so gut es bei den notwendigen Beschränkungen geht. Erinnerungen an jüngere Generationen weiterzugeben, stifte Frieden, vor allem in Zeiten der Sorgen und Unsicherheit, aber auch von zunehmendem Egoismus, Hass und Hetze. Noch bleibe die Chance des Zuhörens, diese solle man nutzen.

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