Gesundheit

Wie Gespräche mit anderen Krebspatienten helfen

Eine Krebsdiagnose kann ganz schön niederschmetternd sein. Gut, wenn man andere Betroffene zum Austausch hat.

Eine Krebsdiagnose kann ganz schön niederschmetternd sein. Gut, wenn man andere Betroffene zum Austausch hat.

Bild: Patrick Seeger, dpa (Symbolbild)

Eine Krebsdiagnose kann ganz schön niederschmetternd sein. Gut, wenn man andere Betroffene zum Austausch hat.

Bild: Patrick Seeger, dpa (Symbolbild)

In Pfronten ermöglicht eine Selbsthilfegruppe den Austausch mit anderen Betroffenen. Wie die Gruppenleiterin ihre eigene Erkrankung erlebte.
Eine Krebsdiagnose kann ganz schön niederschmetternd sein. Gut, wenn man andere Betroffene zum Austausch hat.
Von Erwin Kargus
10.02.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Die Diagnose Krebs zieht den Betroffenen zunächst den Boden unter den Füßen weg. Sie sind sprachlos und fallen teilweise in ein tiefes Loch. Hier fängt die „Krebshilfe Pfronten und Umgebung“ mit Gruppenleiterin Zenta Zott und ihrer Kollegin Walli Mörz die Betroffenen seelisch auf und bietet ihnen Hilfe an – seit 14 Jahren.

Die 1952 in Vils in Tirol geborene Zenta Zott, die bis zu ihrer Rente in einem Büro arbeitete und seit 2003 mit ihrem Mann Max Zott in Füssen lebt, erkrankte 1995 selbst an Krebs und fand nach ihrer Genesung zur Krebs-Selbsthilfe-Gruppe in Reutte in Tirol. Sie erinnert sich noch gut: „Die Gespräche mit Menschen, die das gleiche Schicksal wie ich erlitten, richteten mich wieder auf und taten mir sehr gut.“ Etliche Jahre später führte sie Gespräche mit der ehemaligen Pfrontener NUZ-Vorsitzenden Veronika Rist-Grundner und einem Therapeuten. So wurde sie auf die Krebshilfe in Pfronten aufmerksam. Zusammen mit der Pfrontenerin Walli Mörz übernahm sie 2007 die Gruppenleitung der „Krebshilfe Pfronten und Umgebung“.

Mit Qi-Gong-Gymnastik

Die beiden Frauen setzen von Anfang an auf Qi-Gong-Gymnastik und Gespräche zum Thema Krebs. Die Krebskranken – so ihre Beobachtungen – empfinden die Gymnastik und den persönlichen Kontakt in Form von Aussprachen als eine wertvolle Hilfe. Aber auch eine religiöse Einstellung könne sich dabei positiv auswirken. Bis heute kommt die Gruppe wöchentlich im katholische Pfarrheim Pfronten zusammen. Dort erfolgt unter der Anleitung von Qi-Gong-Lehrerin Roswitha Riefler eine Stunde lang Gymnastik. Die Atem- und Dehnübungen können nach Krebsoperationen und Chemotherapien leicht und ohne Hilfsmittel ausgeführt werden. Rund um die Gymnastik stehen persönlichen Gespräche an. So bildete sich über die Jahre hinweg eine starke Schicksal-Gemeinschaft und es entwickelten sich Freundschaften. Der Gedankenaustausch reiche natürlich über die jeweiligen Krebserfahrungen hinaus in viele Dinge des Alltags hinein, sagt Zenta Zott. Bei der Gymnastik sehe man auch, wenn es einem in der Gruppe mal nicht so gut geht, „man fühlt mit ihm und spricht mit ihm“. Die Gruppenleiterin verdeutlicht: „Wenn man über eine Krankheit mit Schicksalsgefährten redet, versteht man sich besser und kann sich eher hineinfühlen. Das gilt gerade auch bei Krebs.“

Zenta Zott betreut mit hörbarer Freude die Gruppe organisatorisch und wird dabei von ihrem Mann Max unterstützt. „Eine wichtige Beraterin und ein Engel“ ist ihr nach wie vor Veronika Rist-Grundner. Zott nimmt auch mehrmals im Jahr an Treffen der Gruppenleiter auf Allgäu- oder Regierungsbezirksebene teil. Die Pfrontener Gruppe arbeite außerdem eng mit der Krebs-Beratungsstelle Kempten, der Onkologie-Rehaeinrichtung Scheidegg und dem Hospizverein Füssen zusammen. Die Gruppenleiter erhalten viermal im Jahr in Kempten eine Super-Vision – also eine Beratung.

Arbeit gibt Kraft und stärkt Zufriedenheit

Nach 14 Jahren Einsatz zieht Zott Zwischenbilanz: „Die Arbeit in der Selbsthilfegruppe gab und gibt mir Kraft und stärkt die persönliche Zufriedenheit, durch diese Arbeit wurde ich innerlich stärker.“ Als gläubige Christin hofft sie, dass ihr „der liebe Gott die Gesundheit gibt, noch eine Weile diese wertvolle Arbeit der ‘tollen Gruppe’ angedeihen zu lassen“.

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Wenn Walli Mörz hört, dass in Pfronten jemand an Krebs erkrankt ist, sucht sie den Kontakt und bietet ein Gespräch in der Wohnung oder bei einem Spaziergang an. Dabei weist Walli Mörz auf das Hilfsangebot der Krebshilfe hin. „Das ist für den Verein besonders wertvoll“, betont Zenta Zott. Die Selbsthilfegruppe in Pfronten, deren Mitglieder aus dem südliche Ostallgäu stammen, plant und unternimmt neben den wöchentlichen Zusammenkünften auch mal Grillfeste, kleine Ausflüge wie beispielsweise mit der Forggensee-Schifffahrten, Mai-Wallfahrten oder Jakobsweg-Wanderungen – und trifft dabei immer wieder auf andere Selbsthilfegruppen.

Auswirkungen durch Corona

Doch seit März 2020 gibt es coronabedingt leider keine Kontakte und Ausflüge mehr. Ein Versuch im letzten Sommer, sich im Freien zu treffen, endete wegen der wieder steigenden Coronazahlen nach nur drei Wochen. Jeder, so die Gruppenleiterin, mache jetzt daheim Gymnastik und greife bei Gesprächsbedarf zum Telefonhörer. „Ich hoffe, dass wir uns bald wieder treffen können, wir vermissen uns sehr, viele von uns sind alleinstehend“, denkt Zenta Zott wieder auf bessere Zeiten hoffend an die Zukunft.