First Responder

Wie Helfer trainieren, damit im Notfall jeder Handgriff sitzt

Einen ganzen Tag nahmen sich die ehrenamtlichen Mitglieder der First Responder Lengenwang und Seeg Zeit um für den Ernstfall zu proben. Danach wurde analysiert und besprochen. Von links Leiter des Teams Johannes Schweitzer, Sandra Blender, Lengenwangs Bürgermeister Albert Schreyer und Feuerwehrkommandant Peter Rietzler sowie Michael Frischbutter und Ivonne Westman.

Einen ganzen Tag nahmen sich die ehrenamtlichen Mitglieder der First Responder Lengenwang und Seeg Zeit um für den Ernstfall zu proben. Danach wurde analysiert und besprochen. Von links Leiter des Teams Johannes Schweitzer, Sandra Blender, Lengenwangs Bürgermeister Albert Schreyer und Feuerwehrkommandant Peter Rietzler sowie Michael Frischbutter und Ivonne Westman.

Bild: Martina Gast

Einen ganzen Tag nahmen sich die ehrenamtlichen Mitglieder der First Responder Lengenwang und Seeg Zeit um für den Ernstfall zu proben. Danach wurde analysiert und besprochen. Von links Leiter des Teams Johannes Schweitzer, Sandra Blender, Lengenwangs Bürgermeister Albert Schreyer und Feuerwehrkommandant Peter Rietzler sowie Michael Frischbutter und Ivonne Westman.

Bild: Martina Gast

Engagierte Ehrenamtler aus Lengenwang und Seeg bereiten sich mit Fortbildungen und Übungen auf mögliche Einsätze vor. Worauf es ankommt.
02.11.2020 | Stand: 19:38 Uhr

Die Leitstelle meldet einen Notfall. Eine 30-jährige Frau liegt am Boden und ist nicht mehr ansprechbar. In Einsatzkleidung mit Defibrillator und Rettungsrucksack sind zwei Ersthelfer der First Responder Seeg-Lengenwang zur Stelle. Zum Glück nur zur Übung. Am Samstag war dazu für alle Mitglieder den ganzen Tag Zeit, um Erlerntes praxisnah zu testen. Im Feuerwehrhaus in Seeg wurden an drei Stationen verschiedene Notfälle simuliert. Alle Teilnehmer kamen mehrfach zum Einsatz und konnten mit der entsprechenden Originalausrüstung die lebensrettenden Sofortmaßnahmen durchspielen.

In Ruhe analysieren

„Wie ging es Euch in dieser Situation?“, fragten die Übungsleiter Johannes Schweitzer und Dominic Ehrmann jedes Team im Anschluss. Gemeinsam konnte in Ruhe analysiert, nachgefragt und erklärt werden, denn im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen. Als Dozenten für den Übungstag hatte das Koordinationsteam Hubert Kappacher gewonnen. An seiner Station wurden technische Probleme der Ausrüstung simuliert. Woran kann es liegen, wenn das medizinische Equipment nicht einsatzbereit ist? „Im Notfall sind die Helfer so fokussiert und unter Spannung, da kommst du nicht auf die möglichen Fehlerquellen. Das baut unnötigen Druck auf, den wir durchs Ausprobieren und Üben rausnehmen können“, erklärt Kappacher, der hauptamtlich Notfallsanitäter ist. Er war auch für die Vorträge und den theoretischen Teil des Ganztagesprojekts zuständig.

Training wird aus Spenden finanziert

Mindestens einmal im Jahr müssen die Einsatzkräfte laut Vorgabe einen Übungstag absolvieren. Für Schweitzer wären zwei Tagesaktionen im Jahr optimal. Dank der Spendengelder können solche Projekttage samt Dozent und entsprechendem Material finanziert werden. Im Normalfall treffen sich die 28 Nothelfer zweiwöchentlich zu Fortbildungen und Einsatzanalysen. Lengenwangs Bürgermeister Albert Schreyer zeigte sich bei seinem Besuch sehr beeindruckt von den vielen Mitgliedern, die sich ehrenamtlich in den Dienst der guten Sache stellen. Auch Markus Berktold, der von Beginn an als Seeger Bürgermeister bei der Entwicklung des Projekts dabei war, ist erstaunt, was sich innerhalb kürzester Zeit entwickelt hat. Feuerwehrkommandant Peter Rietzler, der zusätzlich bei den First Respondern aktiv ist, freut sich besonders über die Koordinatoren rund um Schweitzer und Ehrmann, die die gesamte Organisation bestens meistern. So ist die Gruppierung zwar an die Feuerwehr gekoppelt, läuft aber völlig eigenständig. Die organisierte Erste Hilfe für Seeg und Lengenwang, die bereits seit Dezember vergangenen Jahres im Einsatz ist, hat sich zum Ziel gesetzt, die für den Regelrettungsdienst weit entfernten Gemeinden in der Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu versorgen. Wurde ein Notruf über Telefon 112 abgesetzt, kommt es neben dem Meldebild darauf an, ob das Responder-Einsatzfahrzeug einen Zeitvorteil hat, denn die Zeit ist ein wichtiger Faktor für Betroffene und deren Angehörige. Im Schnitt trifft das Team zehn Minuten vorher ein, oft muss erfahrungsgemäß aber auch ein längerer Zeitraum überbrückt werden. Für die laufenden Kosten, Weiterbildungen und Investitionen ist man weiterhin auf finanzielle Unterstützung in Form von Spenden angewiesen.