Kiesabbau im Forggensee

Zweite Ausfahrt aus dem Forggensee verärgert Schwangauer

Künftig werden sich wieder einige Baufirmen im abgestauten Forggensee tummeln, um Kies abzubauen. Doch dass nun zwei Arbeitsgemeinschaften über zwei Zufahrten in den See dürfen, kommt bei den Schwangauern nicht gut an.

Künftig werden sich wieder einige Baufirmen im abgestauten Forggensee tummeln, um Kies abzubauen. Doch dass nun zwei Arbeitsgemeinschaften über zwei Zufahrten in den See dürfen, kommt bei den Schwangauern nicht gut an.

Bild: Archiv/Benedikt Siegert

Künftig werden sich wieder einige Baufirmen im abgestauten Forggensee tummeln, um Kies abzubauen. Doch dass nun zwei Arbeitsgemeinschaften über zwei Zufahrten in den See dürfen, kommt bei den Schwangauern nicht gut an.

Bild: Archiv/Benedikt Siegert

Eine zweite Arbeitsgemeinschaft aus Baufirmen darf über eine zweite Zufahrt im Forggensee Kies abbauen. Warum es in Schwangau um eine juristische Klage ging.

08.10.2020 | Stand: 11:12 Uhr

Für einen Moment sah es so aus, als würden die Schwangauer Gemeinderäte tatsächlich die Nase voll haben und vor Gericht ziehen: Denn als der Kiesabbau im Forggensee kürzlich einmal mehr auf der Tagesordnung stand, meldeten sich mehrere Kommunalpolitiker zu Wort und äußerten ihren Unmut über den jüngsten Bescheid des Landratsamtes. Schlussendlich stimmten sogar fünf Räte dagegen, den Bescheid einfach nur zur Kenntnis zu nehmen. Letztlich fand sich aber keine Mehrheit, Rechtsmittel einzulegen.

Wie berichtet, ist die zweite Zufahrt und somit der Kiesabbau für die Arbeitsgemeinschaft (Arge) II um die Marktoberdorfer Firma Hubert Schmid gesichert. Das Landratsamt hat kürzlich die Genehmigung dafür erteilt, dass die Lastwagen über das Gelände des Segelclubs Füssen-Forggensee und der Wassersportgruppe Kaufbeuren in den Forggensee fahren dürfen. Bereits in der Vergangenheit war der Arge I mit den Firmen Josef Scheibel, Wilhelm Geiger, Goldhofer und Heinz Heer der Abbau und die Fahrt über ein städtisches Grundstück in Ehrwang erlaubt worden, der Arge II hingegen nicht. Das heißt: Nun dürfen zwei Arbeitsgemeinschaften von Firmen über zwei verschiedene Zufahrten in den See.

Nicht Kies durch den ganzen Landkreis karren

Das stößt in Schwangau auf wenig Begeisterung, wie im Gemeinderat deutlich zu spüren war: „Es fährt eine Arge mit 50 Lkw rein und die zweite vielleicht auch. Da wird sich doch die Staukultur erhöhen?“, sagte Klaus Mielich (Freie Wähler). Auch Peter Helmer (CSU) sprach von „Kiestourismus“, den er nicht begrüße. Der Abbau an sich sei ja nicht verwerflich, aber „Kies durch einen ganzen Landkreis zu fahren“ sei nun wahrlich nicht vertretbar. Auch Michael Weisenbach (CSU) hielt die „Entnahme für nicht nachhaltig, ökologisch ist es auch nicht“. Die jetzige Situation bringe einen „Schaden aller nachfolgenden Generationen“. Helmer stieß zudem sauer auf, dass die Schlössergemeinde diverse Einwände eingebracht habe – wie übrigens auch andere Anrainerkommunen – und diese überwiegend zurückgewiesen wurden. „Schwangau hat den größten Anteil am Forggensee“, da müssten Forderungen einer solchen Gemeinde doch berücksichtigt werden, beschwerte sich Helmer. „Können die Bürger noch Einspruch erheben?“, fragte Mielich.

Bürgermeister Stefan Rinke (CSU) erklärte, er habe sich bereits ausführlich mit einem Gutachten zum Kiesabbau beschäftigt. Ihm sei erklärt worden, dass eine befürchtete Verdopplung des Lärms, aber auch des Schmutzes thematisiert worden sei. Letztlich hätten die Behörden diese Einwände zurückgewiesen. Er habe mehrfach gefordert, „dass unsere Tourismusbetriebe und Bürger, die in der Nähe des Abbaugebietes wohnen, möglichst wenig beeinträchtigt werden“. Margit Kiefer (CSU) wollte wissen, wer überprüft, ob die Auflagen eingehalten werden. Rinke erklärte, er gehe davon aus, dass das Landratsamt dies macht, und ergänzte: „Wenn wir Verstöße feststellen, können wir Kontrollen einfordern.“

Auch kleinere Entnahmen am Forggensee erlauben

Mielich störte sich schließlich noch an etwas anderem: So seien zuletzt kleinere Kiesentnahmen nicht mehr genehmigt worden – „aber den Kies bis Marktoberdorf zu karren“, das sei dann in Ordnung, kritisierte er. Rinke antwortete, seines Wissens seien kleinere Kiesentnahmen bislang auf Eis gelegt worden, bis der Bescheid des Landratsamtes bearbeitet ist. Er wolle sich nun erkundigen, ob kleinere Kiesentnahmen zum Beispiel für den Wegebau in der Forstwirtschaft jetzt wieder möglich sind. Er wolle dazu auch bei Nachbarkommunen wie Halblech nachfragen, ob dort ebenfalls Bedarf besteht.

„Letztlich“, fasste der Rathauschef zusammen, „bliebe uns jetzt nur, zu klagen. Die Erfolgsaussichten sind aber überschaubar.“ Daraufhin herrschte kurzes Schweigen in der Runde. Bei der Abstimmung verzichteten die Kommunalpolitiker mehrheitlich auf Rechtsmittel.