So viel kostet Heizen mit Strom

Heizlüfter-Boom im Allgäu: Hält unser Stromnetz die Belastung aus?

Aus Angst vor einem Gasstopp, kaufen Allgäuerinnen und Allgäuer Heizlüfter in Baumärkten und Elektrofachgeschäften. Warum das nicht sinnvoll ist.

Aus Angst vor einem Gasstopp, kaufen Allgäuerinnen und Allgäuer Heizlüfter in Baumärkten und Elektrofachgeschäften. Warum das nicht sinnvoll ist.

Bild: Felix Hörhager, dpa

Aus Angst vor einem Gasstopp, kaufen Allgäuerinnen und Allgäuer Heizlüfter in Baumärkten und Elektrofachgeschäften. Warum das nicht sinnvoll ist.

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Statt Ventilatoren kaufen Allgäuer im Sommer Heizlüfter. Die Angst vor einem Gasengpass im Winter ist groß. Doch hält unser Stromnetz das überhaupt aus?
29.07.2022 | Stand: 09:54 Uhr

Viele Menschen im Allgäu haben Angst vor einem Gasengpass im Winter – und kaufen deshalb schon jetzt im Sommer elektrische Heizlüfter, Radiatoren oder Heizstrahler. In Elektrofachmärkten im Allgäu steigt die Nachfrage enorm. Doch ist die Sorge, im Winter frieren zu müssen, überhaupt berechtigt und ist das Stromnetz in der Region für eine solche zusätzliche Belastung ausgelegt? Wie teuer ist es, mit Strom zu heizen und kann das auch gefährlich werden?

Heizlüfter kaufen: Menschen im Allgäu kaufen bis zu vier Geräte auf einmal

"Das ist paradox", sagt Markus Lutz, Geschäftsführer vom Elektrofachmarkt Expert in Kaufbeuren. "Normalerweise kaufen die Menschen um dieses Zeit Ventilatoren und Klimaanlagen." Aktuell steige die Nachfrage nach Heizlüftern und Ölradiatoren deutlich spürbar. Während die Geräte Mitten im Sommer sonst Ladenhüter seien, tragen Kundinnen und Kunden aktuell bis zu vier Heizlüfter aus dem Technikmarkt in Kaufbeuren, sagt Lutz. Auch online würden sie fleißig gekauft.

Noch gebe es genügend Geräte. Doch es sei durchaus möglich, dass es irgendwann keine mehr gibt - vor allem im Herbst oder Winter, sagt Lutz. "Das ist so wie mit dem Klopapier in der Corona-Pandemie", sagt der Geschäftsführer. Die Menschen im Allgäu hätten Panik, dass sie im Winter in einer kalten Wohnung sitzen müssen. Verstehen kann Lutz die Angst schon, doch bezweifelt er, dass Heizlüfter die Lösung sind. Wenn nämlich auf einmal viele Menschen im Allgäu mit Strom heizen, sei die große Frage, "wann unser Stromnetz in die Knie geht".

Hält unser Stromnetz die Belastung durch Heizlüfter aus? Das passiert im schlimmsten Fall

Diese Sorge teilt Volker Wiegand, Geschäftsführer des Netzbetreibers AllgäuNetz GmbH, nicht. "Selbst wenn viele Menschen gleichzeitig ihren Heizlüfter anschalten, dürfte das kein Problem sein", sagt er. Wenn in einem Wohnblock mit etwa sechs Wohnungen und alten Kabeln alle Leute gleichzeitig um 18 Uhr ihren Heizlüfter anstecken, könnte es eventuell "zu viel werden", sagt Wiegand. Doch im schlimmsten Fall fliegt laut Wiegand dann die Sicherung und es wird für einen Moment dunkel. Genau für solche Situationen sei die Sicherung schließlich da. Punktuell könnte es also zu kurzen Stromausfällen kommen, doch ein größer Blackout drohe zumindest wegen der Heizlüfter nicht.

So teuer wird das Heizen mit Strom

Das größere Problem am Heizen mit Strom sind die hohen Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher, sagt Martin Sambale, Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (Eza) und nennt ein Beispiel: Wenn einen Heizlüfter mit maximaler Leistung von zwei Kilowatt zehn Stunden lang läuft, benötigt er 20 Kilowattstunden Strom. Bei einem Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde würde der Heizlüfter dann Stromkosten von sechs Euro pro Tag verursachen. Läuft das Gerät einen Monat jeden Tag zehn Stunden, müssten Verbraucher etwa 180 Euro pro Monat nur für diesen einen Lüfter rechnen.

Laut Sambale ist die Angst der Menschen, im Winter frieren zu müssen, unberechtigt. Im Moment sei nur die Rede davon, Gas zu sparen. Sollte das Gas knapp werden, haben Privathaushalte Priorität. Von Sparmaßnahmen seien zuerst die Wirtschaft und die Industrie betroffen. "Schwimm- und Hallenbäder, die als nicht systemrelevant gelten, werden im Ernstfall als erstes zumachen müssen", sagt Sambale.

Gaskrise: Dazu rät Energieberater Martin Sambale

Statt sich mit Heizlüftern einzudecken, sollten die Menschen lieber sparsam mit Energie umgehen, sagt der Energieberater. "Wer sich sicherer fühlt, wenn er einen Lüfter im Keller hat, kann das natürlich machen", sagt er. "Aber das ist auf keinen Fall unsere Empfehlung." Die Eza gehe davon aus, dass die Versorgung gesichert ist. Sambale rät Menschen, die sich große Sorgen machen, ihr Haus zukunftsfähig zu machen. Das heißt: weg von fossilen Energien. "Für den kommenden Winter klappt das nicht mehr." Aber man kann bereits jetzt mit der Planung für das kommende Jahr beginnen.

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