Welttag der Schlange

Gefährlich oder nicht? Diese Schlangen gibt es im Allgäu

Kreuzottern

Kreuzottern mit gezacktem Muster kommen im Allgäu vor allem in Gebirgslagen vor.

Bild: Hubert Waizenegger

Kreuzottern mit gezacktem Muster kommen im Allgäu vor allem in Gebirgslagen vor.

Bild: Hubert Waizenegger

Oft sind Wanderer verunsichert, wenn sie Schlangen begegnen. Ein Experte erklärt, wie man die Arten im Allgäu unterscheidet und was man bei einem Biss macht.
16.07.2020 | Stand: 15:53 Uhr

Der ein oder andere Wanderer hat das schon erlebt: Man läuft durch unwegsames Gelände - und plötzlich huscht eine Schlange über den Weg. Wer so etwas sieht, hat Glück: Denn Schlangen sind eher scheu.

Trotzdem sind Wanderer immer wieder verunsichert, wenn sie einem der Reptilien begegnen: Ist die Schlange nun gefährlich oder nicht? Um das zu bestimmen, sollte man wissen, welche Schlangenarten es im Allgäu gibt. Insgesamt sind es drei: "Die Kreuzotter, die Ringelnatter und die Schlingnatter", zählt Albert Karle-Fendt vom Bund Naturschutz Oberallgäu/Kempten auf. Der Experte beschäftigt sich seit Jahren mit den Schlangen-Populationen im Allgäu.

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Diese Schlangen gibt es im Allgäu

Kreuzotter und Ringelnatter - diese Schlangen kennen die meisten. Die Schlingnatter ist schon etwas unbekannter. Viele Allgäuer haben auch schon einmal von der Höllenotter gehört, einer pechschwarzen Schlange mit roten Augen. Auch sie kommt im Allgäu vor, unter anderem bei Scheidegg im Westallgäu. "Das ist aber auch eine Kreuzotter, nur eben in melanisierter Form", erklärt Karle-Fendt. Die Höllenotter kommt hauptsächlich in den Voralpenmooren vor, die Kreuzotter eher in Gebirgslagen. "Beispielsweise am Laufbacher Eck", erklärt Karle-Fendt. "Es gibt außerdem farblich auch Zwischenformen und Höllenottern können auch in alpinen Lagen vorkommen, da ist das etwas uneinheitlicher."

Allgäuer Experte: "Ringelnattern sind gute Taucher und Schwimmer"

Kreuzottern können Karle-Fendt zufolge zwar schwimmen, allerdings bei weitem nicht so gut wie Ringelnattern: "Wenn man eine Schlange an oder in einem Gewässer sieht, ist es fast immer eine Ringelnatter. Sie können hervorragend schwimmen und tauchen." Der Schlangen-Experte erklärt außerdem, dass Ringelnattern sich überwiegend von Fröschen ernähren. "Es gibt eine sehr große Population am Alpsee, die sich von dort massiv ausbreitet." Mittlerweile leben Ringelnattern sogar östlich der Iller: "Das galt eigentlich mal als magische Grenze", sagt der Experte. Ringelnattern erkenne man vor allem an den gelben Halbmonden hinter dem Kopf: "Die leuchten richtig."

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Eine kleine Seltenheit im Allgäu ist die Schlingnatter. Karle-Fendt weiß nur von zwei Populationen: "Eine auf einem Streifen zwischen Grünten und Hinterstein und eine bei Füssen." Er vermutet, dass die Schlingnattern sich vom Lechttal her ausgebreitet haben. Die Schlange ist der Kreuzotter optisch sehr ähnlich und wird laut dem Experten oft mit der Giftschlange verwechselt, auch weil beide im selben Lebensraum vorkommen. "Die Schlingnatter hat ein eher rötliches, rautenförmiges Muster auf dem Rücken", erklärt Karle-Fendt. "Wenn man eine sieht, hat man viel Glück, denn die Schlingnatter ist sehr scheu."

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Dasselbe gilt auch für die Kreuzotter - weshalb Karle-Fendt sagt: "Wer von einer Kreuzotter gebissen werden will, muss sich schon sehr blöd anstellen." Ihm seien allerdings auch aus den vergangenen Jahren keine Fälle mehr bekannt, in denen das vorkam. "Eigentlich ist eher das Problem, dass sie so scheu sind, dass man selten eine sieht." Wenn Kreuzottern beißen, dann nutzen sie laut dem Experten möglichst wenig Gift. "Wenn sie voll beißen, kann es sein, dass sie verhungern." Das Ganze ist ein komplexer Prozess, bei dem Verdauungssäfte involviert sind. "Kreuzottern beißen eigentlich nur 'voll', wenn sie 'blockiert' werden, das heißt, wenn man sie in die Enge treibt oder ihnen auf den Schwanz tritt", erklärt Karle-Fendt.

Von Kreuzotter gebissen: Was tun?

Wer die Tiere also in Ruhe lässt, hat üblicherweise nichts zu befürchten. Sollte man doch von der Schlange gebissen werden, ist das bei gesunden erwachsenen Menschen selten gefährlich. "Man sollte aber trotzdem immer den Arzt aufsuchen, um einen toxischen Schock - ähnlich wie bei Wespen - zu vermeiden", rät Karle-Fendt. Wichtig sei auch, dass man sich nicht viel bewegt, da sonst der Kreislauf hochfährt und das Nervengift im Körper verteilt. "Ist man also beim Wandern, wäre es sinnvoll, nicht abzusteigen, sondern den Rettungshubschrauber zu rufen", sagt der Experte. Tipps wie die Wunde abzubinden oder auszusaugen, von denen man immer wieder hört, hält der Experte für "medizinisch sinnlos und manchmal sogar gefährlich". Die gute Nachricht: "Bei einem gesunden Menschen tut der Biss wahrscheinlich weh und ist 14 Tage blau, mehr passiert aber nicht."

 

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