Sicherheit

Gewalt gegen Polizisten in der Region nimmt zu: 241 Verletzte in einem Jahr

Symbolfoto - Angriff auf Polizeibeamte

2020 kam es im Allgäu zu zahlreichen Angriffen auf Polizisten im Allgäu.

Bild: Alexander Kaya (Symbol)

2020 kam es im Allgäu zu zahlreichen Angriffen auf Polizisten im Allgäu.

Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Kemptener Polizeipräsidium stellt Statistik vor. Ein Beamter schildert einen Vorfall in Lautrach, bei dem er bewusstlos geschlagen wurde.
17.05.2021 | Stand: 18:06 Uhr

An den Einsatz an der Kneippanlage in Lautrach (Unterallgäu) erinnert sich Polizist Timo Rampp auch nach einem Jahr noch sehr genau – zumindest an den Anfang davon. Am 3. Juli 2020 berichteten Zeugen der Memminger Polizei von einer Schlägerei an der Anlage. „Wir sind mit zwei Streifen dahin gefahren. Vor Ort hat sich herausgestellt, dass der 18-jährige Beschuldigte einen älteren Herrn grundlos geschlagen hat“, sagt der 27-jährige Polizeibeamte.

Von Anfang an verhält sich der junge Mann den Polizisten gegenüber aggressiv. Als diese ihn deshalb in Gewahrsam nehmen wollen, schlägt er Rampp unvermittelt mit der Faust ins Gesicht. „Ich bin zu Boden gegangen und war wohl kurz bewusstlos“, sagt der Polizist. An den Rest erinnert er sich nur noch in Bruchstücken. Kollegen erzählen ihm später, dass sie den Jugendlichen fesselten und in eine Zelle brachten. Sie finden bei ihm eine Tüte mit Amphetamin. Der ältere Mann hatte wohl zufällig in Richtung des 18-Jährigen geschaut, als dieser mit seiner Familie stritt – was den jungen Mann derart in Rage brachte, dass er zuschlug. Zurück auf der Polizeiinspektion werden Rampps Schmerzen immer stärker. Er wird ins Krankenhaus gebracht. „Ich war dann drei Tage dienstunfähig und hatte etwa zehn Tage lang Schmerzen beim Kauen.“

1990 Polizisten wurden 2020 verbal oder körperlich attackiert

Timo Rampp ist einer von 241 Polizistinnen und Polizisten, die im vergangenen Jahr im Gebiet des Polizeipräsidiums Schwaben Süd-West, zu dem neben dem Allgäu auch die Landkreise Günzburg und Neu-Ulm gehören, verletzt wurden. Insgesamt wurden 1990 Beamte während ihres Dienstes verbal oder körperlich attackiert. „Seit Beginn der Aufzeichnungen 2010 sind das absolute Höchstwerte“, heißt es beim Polizeipräsidium.

Der Mann, der Rampp verletzte, wurde zwischenzeitlich vom Amtsgericht Memmingen wegen mehrerer Delikte zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Vor Gericht hat er sich bei Rampp entschuldigt. Den Polizisten beschäftigt der Vorfall noch einige Zeit. „Man fragt sich: Hätte ich anders handeln können, damit es nicht so weit kommt?“ Doch trotz seiner Verletzung steht für ihn fest: „Ich mache diesen Beruf mit Herz und Seele und würde mich auch dafür entscheiden, wenn ich wüsste, dass so etwas nochmals passiert.“

Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt zu

  • Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd-West kam es im vergangenen Jahr zu 731 Fällen von verbaler und körperlicher Gewalt gegen Polizeibeamte (2019: 601 Fälle).
  • Betroffen waren insgesamt 1990 Polizisten (1475), von denen 241 (205) im Dienst verletzt wurden.
  • Diese waren aufgrund ihrer Verletzungen an insgesamt 95 Tagen dienstunfähig. 2019 verzeichnete das Präsidium zwar 346 Ausfalltage, damals wurden allerdings drei Polizisten so schwer verletzt, dass sie zusammen an 233 Tage ausfielen.
  • Am häufigsten kam es zu Vorfällen, wenn die Beamten jemanden fest- oder in Gewahrsam nahmen sowie wenn sie seine Identität feststellten.
  • In den meisten Fällen sind die Tatverdächtigen alkoholisiert oder stehen unter Drogeneinfluss.