Rettenberg/Obermaiselstein

Gladiatorenkampf im Schnee

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Skicross Sebastian Veit aus Rettenberg gilt als hoffnungsvoller deutscher Nachwuchsfahrer. Am Wochenende startet er mit ambitionierten Zielen beim Europacup auf Grasgehren
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Von Stephan Schöttl
12.02.2020 | Stand: 17:20 Uhr

Tückische Wellen, hohe Sprünge, knallharte Positionskämpfe. Wenn Sebastian Veit beim Skicross über Hindernisse in Richtung Ziel nach unten rast, Kopf an Kopf mit drei Rivalen, hat er jede Menge zu tun. Die Disziplin fordert den Fahrern enorm viel ab. Genau das macht für den 17-jährigen Rettenberger den Reiz am modernen Gladiatorenkampf im Schnee aus. In dieser Saison startet er erstmals im Europacup. Auf die kommenden Rennen freut sich der Allgäuer besonders, denn am Wochenende machen die Besten Station im Skigebiet Grasgehren bei Obermaiselstein(siehe Infokasten). Quasi vor der Haustüre. „Das ist cool, weil dann auch die Familie und viele Freunde an der Strecke mitfiebern können“, sagt er.

Schon früh stand Veit erstmals auf Skiern. Lang ist’s her. „Papa, hilf mir“, sagt er auf die Frage nach den ersten Versuchen auf den Brettern. Es muss wohl als Dreijähriger gewesen sein, meint Papa Michael. Die Familie ist dem Ski- und Wintersport schon immer verbunden, Bruder Silvan (15) ist erfolgreich für den Allgäuer Alpin-Nachwuchs unterwegs. So wie das bei Sebastian auch lange Zeit der Fall war. In der Altersklasse U14 entschied er sich schließlich für einen Wechsel zum Skicross – und dort hegt er mittlerweile große Ambitionen. „Ich hoffe, dass ich eines Tages auch im Weltcup fahre“, sagt er. Am liebsten als Mitglied einer Sportfördergruppe. Zunächst habe aber der Schulabschluss Priorität. Veit besucht derzeit die elfte Klasse am Sportgymnasium in Oberstdorf. Durch die Streckung der Kollegstufenzeit von normalerweise zwei auf drei Jahre und die Kompromissbereitschaft der meisten Lehrer hat er dort den nötigen Freiraum, um sich auch als Skirennläufer weiterzuentwickeln. Der Alltag ist dementsprechend streng getaktet. Schule, Training, Regeneration, Wettkampf.

Ein Höhepunkt in seiner noch jungen Laufbahn waren vor Kurzem die Olympischen Jugend-Winterspiele in Lausanne, bei denen mit Kilian Himmelsbach (Sonthofen) noch ein weiterer Allgäuer beim Skicross auf die Strecke ging. „Die Organisatoren haben das sehr stark aufgezogen, von der Eröffnungsfeier bis zur Schlusszeremonie“, schwärmt Veit. Die beiden Rennen hätten für ihn aber unterschiedlicher gar nicht laufen können. Im Einzel dominierte der 17-Jährige alle fünf Vorläufe, im Halbfinale fuhr ihm ein schwedischer Konkurrent bei einem Überholversuch von hinten über die Ski, Veit stürzte – und der Medaillentraum war geplatzt. Eine Entschädigung gab es im Teamwettbewerb: Der Allgäuer gewann mit dem deutschen Quartett, zwei Ski- und zwei Snowboardfahrern, die Bronzemedaille.

Beim Europacup am Wochenende auf Grasgehren hofft er auf einen Rang unter den Top 16, zuletzt wurde er in Villars/Schweiz 27. und war damit bester Deutscher. Eine große Rolle, meint Veit, spiele die Tagesform. Zudem müsse man sich die richtige Taktik zurechtlegen. „Es ist von Strecke zu Strecke unterschiedlich. Mal kann man zunächst abwarten, hinterherfahren und im richtigen Moment ein Überholmanöver starten. Ein anderes Mal muss man von Anfang an aggressiv ins Rennen gehen“, erzählt der Rettenberger, der den Start als seine große Stärke sieht. Um für die Heim-Rennen bestens gerüstet zu sein, hat das deutsche Team an den vergangenen Wochenenden bereits mehrfach auf Grasgehren trainiert. „Die Strecke ist etwas kürzer als sonst. Aber sie ist gut in Schuss“, meint Veit.

Das bestätigt Roland Frey vom Verein für Alpine Talentförderung, der die Organisation des Europacups übernommen hat. Lediglich das Training am Freitag sei abgesagt worden. Frey: „Am Wochenende wird auf jeden Fall gefahren. Wegen des starken Winds werden die letzten Arbeiten an der Strecke aber erst am Freitag abgeschlossen.“

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