Bis zu 1000 Tonnen im Jahr

Studie: An vier Standorten im Allgäu könnte grüner Wasserstoff hergestellt werden

Eine Studie zeigt: Im Allgäu könnte Wasserstoff grün und zu konkurrenzfähigen Preisen erzeugt werden.

Eine Studie zeigt: Im Allgäu könnte Wasserstoff grün und zu konkurrenzfähigen Preisen erzeugt werden.

Bild: Daniel Bockwoldt, dpa (Symbol)

Eine Studie zeigt: Im Allgäu könnte Wasserstoff grün und zu konkurrenzfähigen Preisen erzeugt werden.

Bild: Daniel Bockwoldt, dpa (Symbol)

Die Machbarkeitsstudie zur regionalen Herstellung von grünem Wasserstoff ist abgeschlossen. Er könnte an den Standorten produziert werden und Abnehmer finden.
30.07.2021 | Stand: 06:00 Uhr

„Das Allgäu hat in der Region das Potenzial, zur ,Kornkammer des grünen Wasserstoffs’ zu werden“: So steht es in einer Machbarkeitsstudie, die die Stadt Kempten und der Landkreis Oberallgäu in Auftrag gegeben haben. Im Rahmen von „HyAllgäu“ wurden vier Standorte untersucht, an denen künftig Wasserstoff produziert werden könnte: die Kläranlage und das Müllheizkraftwerk in Kempten, das Wasserkraftwerk Horn bei Füssen und die Windkraftanlagen in Wildpoldsried (Kreis Oberallgäu). Insgesamt könnten etwa 1000 Tonnen grüner Wasserstoff im Jahr erzeugt werden, sagt Projektleiter Arthur Dornburg von „bluemove consulting“, das die Studie erstellt hat.

Vorgestellt wurden die Ergebnisse bei einem Symposium an der Hochschule Kempten. In sogenannten Reallaboren sollen an den vier Standorten abgeschlossene Wertschöpfungskreisläufe entstehen – von der Produktion über Tankstellen bis zur Verwertung. Und wozu das Ganze?

„Die Stadt Kempten und der Landkreis Oberallgäu haben den starken Willen, im Klimaschutz voranzukommen“, sagte Simon Steuer, Klimaschutzmanager am Landratsamt. Die Wasserstofftechnologie berge großes Potenzial, um die Klimawende zu schaffen. Landrätin Indra Baier-Müller räumte zwar ein, dass das Thema im Klimaschutzprogramm der Kommunen bisher eher ein Nischendasein führe. Aber nun wolle man sich verstärkt damit beschäftigen.

Knackpunkt Fördergeld

Aus der Studie geht hervor, dass Wasserstoff im Allgäu grün und zu konkurrenzfähigen Preisen erzeugt werden könnte. Ohne Fördergeld sei das aber nicht möglich, betonten lokale Akteure und Projektbeteiligte. Allein die Studie kostete etwa 300 000 Euro, die der Bund übernommen hat. Für die Umsetzung rechnet Dornburg „mit allem Drum und Dran“ mit etwa 60 Millionen Euro. Alles auf einmal könne daher nicht realisiert werden. Eine Förderung in Höhe von 70 Prozent vom Bundesumweltministerium stehe an der Kläranlage in Aussicht.

Das dortige Projekt schlägt insgesamt mit etwa 14 Millionen Euro zu Buche – dabei gehe es allerdings nicht ausschließlich um die Produktion von Wasserstoff. Am Müllheizkraftwerk in Kempten steht eine Förderung des Bundes von 45 Prozent im Raum. „Viel zu wenig“, sagte unter anderem Gebhard Kaiser, Aufsichtsratsvorsitzender des Kemptener Zweckverbands für Abfallwirtschaft (ZAK). Er forderte, dass der Freistaat Bayern sich ebenfalls beteiligen sollte.

So sollen die Wasserstoff-Anlagen funktionieren.
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Bild: stb

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Das versprach Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zwar nicht, aber er lobte die Initiative der Allgäuer. Im Jahr 2023 soll auf der Strecke Augsburg-Füssen der Testbetrieb eines Wasserstoffzuges starten. „Wenn ihr schnell seid, könnte Wasserstoff aus dem Allgäu zum Einsatz kommen“, sagte der Minister.

Große Reichweiten mit Wasserstoff

Doch nicht nur Züge könnten künftig mit Wasserstoff betrieben werden. Auf der Liste der möglichen Nutzer stehen unter anderem Busse, Müllfahrzeuge und Lastwagen. Für das Logistik-Unternehmen Dachser hat die Hochschule unter Federführung von Professor Werner Mehr beispielsweise untersucht, inwiefern sich wasserstoffbetriebene Lkw für den Einsatz auf der Straße eignen. Das Ergebnis: Unter bestimmten Umständen sind Reichweiten von über 1000 Kilometern machbar.

Am schnellsten möglich sei der Einsatz von Wasserstoff-Bussen, sagt „HyAllgäu“-Projektleiter Dornburg. Laut Landratsamt Oberallgäu kostet ein in Kleinserie gefertigter Wasserstoffbus mehr als das Doppelte wie ein Dieselbus, es gebe aber Fördermöglichkeiten. Auf die Frage, ob es für die möglichen 1000 Tonnen Allgäuer Wasserstoff tatsächlich genug Abnehmer geben würde, sagte Mehr: „Ja, wenn wir die Züge beliefern können.“

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