Füssen/Marktoberdorf

Großer Chor trifft starke Blaskapelle

Komponist Wolfram Buchenberg

Komponist Wolfram Buchenberg

Bild: Matthias Becker

Komponist Wolfram Buchenberg

Bild: Matthias Becker

Konzert-Projekt Wolfram Buchenberg hat eine Suite zu Allgäuer Sagen komponiert – eine höchst anspruchsvolle Aufgabe. 100 Sänger und 60 Musiker führen das Werk im Festspielhaus in Füssen auf
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Von Fotos: Alfred Michel
10.09.2019 | Stand: 15:41 Uhr

Es spannen nicht viele Komponisten Blasmusik und Chorgesang zusammen. Vor allem Holländer haben Werke dieser Gattung geschrieben, und auch der Unterallgäuer Kurt Gäble hat auf überzeugende Weise die eher kräftigen Bläser mit zarten Stimmen kombiniert. Als Karl Zepnik von der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf mit der Idee schwanger ging, die beiden unterschiedlichen Genres in einem großen Konzert im Festspielhaus in Füssen zusammenführen, fiel ihm ein Oberallgäuer Komponist ein, der in Blasmusikkreisen zwar so gut wie unbekannt ist, dafür aber in der Chorwelt einen klingenden Namen hat: Wolfram Buchenberg.

Das ist schon über eineinhalb Jahre her. Inzwischen hat sich Zepniks Idee, mit der er auch die Blasmusikverbände mit den Chorverbänden verknüpfen möchte, zu einem großen Projekt entwickelt. Es trägt den Titel „Sagenhaft!“ und wird am 22.September in Ludwigs Festspielhaus präsentiert.

Bei dem Konzert wird ausschließlich Musik von Wolfram Buchenberg erklingen. Höhepunkt ist die Uraufführung einer viersätzigen Suite für Großen Chor und sinfonisches Blasorchester, in der Buchenberg vier Allgäuer Sagen musikalisch erzählt und reflektiert. Dirigiert wird die Suite von Max Frey; der einstige Professor für Chorleitung an der Münchner Musikhochschule ist ein Freund und Förderer Buchenbergs. Außerdem erklingen Volkslieder für Chor a cappella und drei Tänze für Blasorchester.

„Ich möchte mit diesem Konzert die vielen Facetten von Wolfram Buchenberg zeigen“, sagt Karl Zepnik. Der künstlerische Leiter der Musikakademie und renommierte Chorleiter kennt den Komponisten Buchenberg, der im Dörfchen Engelpolz bei Rettenberg sowie in München lebt, schon seit Gymnasiumszeiten und ist mit ihm seit über 40 Jahren befreundet.

Buchenbergs Werke, die klanglich sowohl in mittelalterlicher Kargheit als auch in üppiger romantischer Farbigkeit wurzeln, singen Chöre in der ganzen Welt. Der 57-Jährige sei der am meisten aufgeführte lebende Chorkomponist, sagt Professor Frey. Auf dem Feld der Bläsermusik hat Buchenberg dagegen bisher wenig Erfahrung gesammelt.

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Zepnik machte Buchenberg für die Auftragskomposition keine Vorgaben – außer einer Länge von 20 Minuten. Das Thema „Sagen“ schwirrte dem Allgäuer schon länger im Kopf herum. Warum nicht Sagen rund um den Aufführungsort, das Festspielhaus Füssen, musikalisch aufgreifen, dachte er sich. So kam er auf zwei Erzählungen mit Bezug zum Forggensee. In einer geht es um ein Dorf, dessen übermütige Bewohner durch seinen Untergang bestraft werden. Eine eindrucksvolle Wanderung durch den leeren See vergangenes Jahr habe ihn sehr inspiriert, sagt Buchenberg, der am Flügel komponiert und die Noten mit Bleistift aufs Papier bringt. Außerdem gibt es jeweils eine Sage aus Kohlhunden bei Marktoberdorf und aus Rettenberg, seiner Heimatregion.

Der „Prozess der Klärung“ und das Komponieren hat viele Monate in Anspruch genommen, sagt Buchenberg. Es habe sich anfangs „nicht so gefügt“. Außerdem seien für die Blasorchester-Partitur 38 Stimmen zu setzen gewesen. Er wollte ein farbiges, abwechslungsreiches Werk schreiben – mit sowohl erzählerischen als auch atmosphärischen Teilen.

Eine große Herausforderung war natürlich, eine Balance zu finden zwischen dem Chor und der Blaskapelle. Das spiegelt sich nicht nur in der Partitur, sondern auch in der Zahl der Aufführenden: In Füssen werden 100 Männer und Frauen singen; sie kommen aus dem Chor der Chorleiter des Bayerischen Sängerbundes und des Chorverbands Bayerisch-Schwaben, dem Carl-Orff-Chor Marktoberdorf und dem von Zepnik geleiteten Mendelssohn Vokalensemble. „Sparringspartner“ für sie ist die 60-köpfige Stadtkapelle Marktoberdorf unter Leitung von Stefan Weber. Sie genießt seit Jahrzehnten einen vorzüglichen Ruf und meistert auch schwierige, sinfonische Passagen. „Die proben das Werk bis ins kleinste Detail“, weiß Ideengeber Karl Zepnik und schwärmt von der Qualität der Ostallgäuer.

„Die Suite ist ein sehr anspruchsvolles Stück, vor allem für das Blasorchester“, sagt Max Frey, der Dirigent der Uraufführung. Er habe sich zuerst schon gefragt, ob er sich das mit 78 Jahren noch antun soll. Aber schließlich sei Wolfram Buchenberg ein sehr enger Freund. Als Chorleiter habe er viele Werke aus dessen Feder uraufgeführt.

Am Konzertwochenende muss Frey den Chor und die Kapelle zusammenführen. Von Freitagabend bis Sonntagnachmittag dauern die Proben. Dann kommt Wolfram Buchenbergs neue Suite zur Welt ...