Unwetter-Schäden vorbeugen

Unwetter im Allgäu nehmen zu: So schützen Sie sich und Ihr Hab und Gut richtig

Im Sommer wird es wohl wieder vielerorts im Allgäu zu lokalen Gewittern kommen – wie hier vergangenes Wochenende in Weiler und Lindenberg. Im Ernstfall können damit Hagel, Starkregen und überflutete Keller verbunden sein.

Im Sommer wird es wohl wieder vielerorts im Allgäu zu lokalen Gewittern kommen – wie hier vergangenes Wochenende in Weiler und Lindenberg. Im Ernstfall können damit Hagel, Starkregen und überflutete Keller verbunden sein.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Im Sommer wird es wohl wieder vielerorts im Allgäu zu lokalen Gewittern kommen – wie hier vergangenes Wochenende in Weiler und Lindenberg. Im Ernstfall können damit Hagel, Starkregen und überflutete Keller verbunden sein.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Starkregen, Hagel, Hochwasser: Im Allgäu nehmen Extremwetterlagen zu. Experten geben Tipps zur Vorbeugung von Unwetter-Schäden und für den Ernstfall.
10.06.2022 | Stand: 13:09 Uhr

Die Unwetter, die jüngst über Teile des Ost- und Westallgäus hereingebrochen sind (wir berichteten), haben einmal mehr gezeigt: Extremwetterlagen wie Starkregen und Hagel kommen in der Region vermehrt vor. Laut Joachim Schug, Chefmeteorologe von Meteogroup, sollen die Monate Juni, Juli und August zu warm werden – und damit steige die Gefahr von Gewittern. Doch was tun, wenn der Keller voll Wasser läuft? Und wie können sich Häuslebauer schon im Vorhinein an die Situation anpassen?

  • Ernstfall: Häufig wird die Feuerwehr um Hilfe gerufen, wenn das Wasser nach einem Starkregen in vollgelaufenen Kellern abgepumpt werden muss. „Das ist auch der richtige Weg. Aber wenn es viele Betroffene gibt, kann es dauern, bis wir vor Ort sind“, sagt der Ostallgäuer Kreisbrandrat Markus Barnsteiner. Die Einsatzkräfte kämen in der Regel erst bei einem Wasserstand ab zehn Zentimetern. „Begeben Sie sich nicht in vollgelaufene Räume und vermeiden Sie Kontakt mit dem stehenden Wasser“, rät Barnsteiner. Zudem bestehe Gefahr durch Stromschläge. Gerade in Kellern befänden sich oft Elektrogeräte wie Waschmaschinen oder Kühltruhen. „Schalten Sie nach Möglichkeit die entsprechenden Sicherungen aus“, sagt der Kreisbrandrat. (Lesen Sie auch: "Apokalyptische Szenen": Hagelsturm trifft Hotel Tannenhof in Weiler heftig)
  • Prävention: „Warten Sie die Rückstauklappe und reinigen Sie die Abläufe regelmäßig“, rät Barnsteiner. Die Klappe sorge dafür, dass kein Wasser über die möglicherweise überlastete Kanalisation ins Haus dringen kann. Neuere Modelle schlössen sich selbstständig, bei älteren Häusern müsse das oft per Hand geschehen. „Wer nicht weiß, wo sich die Klappe befindet oder wie sie funktioniert, sollte sich an einen Gas- und Wasserinstallateur wenden.“ Wenn bekannt sei, dass bei Starkregen häufig Wasser beispielsweise über Lichtschächte ins Haus komme, sollten vorsorglich Sandsäcke oder Schaltafeln besorgt werden. So könne man das Wasser im Ernstfall an der betroffenen Stelle vorbeilenken. „Es kann auch sinnvoll sein, Elektrogeräte auf Unterlagen zu stellen, sodass sie nicht sofort direkt im Wasser stehen.“

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Unwetter am Pfingstsonntag im südlichen Allgäu

Schutz vor Unwettern im Allgäu: Warum auch ein Blick auf die Versicherungsunterlagen wichtig ist

  • Versicherung: „Wichtig für Schäden durch Sturm (ab Windstärke 8), Hagel und Blitzschlag ist eine Wohngebäudeversicherung“, sagt Bettina Große von der Verbraucherzentrale Bayern. Alles, was nicht fest mit dem Gebäude verbunden sei, laufe dagegen über die Hausratversicherung. Aber: Für den Schutz vor Naturgefahren wie Überschwemmungen, Starkregen oder Hochwasser braucht man zusätzlich eine Elementarschadenversicherung. „Diese muss als Zusatzbaustein zur Wohngebäude- oder Hausratversicherung abgeschlossen werden“, sagt Große. Als Einzelversicherung gebe es sie nicht. Wichtig ist dabei auch ein Blick ins Kleingedruckte. „Bei manchen Tarifen sind Überschwemmungsschäden nur nach der Ausuferung oberirdischer Gewässer versichert – nicht aber, wenn die Schäden durch Starkregen entstanden sind.“
  • Selbstschutz: Die oberste Regel bei Gewitter lautet: Zuhause bleiben und die Fenster schließen. Wer während eines Gewitters im Freien ist und in keinem Gebäude Schutz findet, dem rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz: Offenes Gelände, Berggipfel, Bäume, Türme, Masten und Antennen meiden und sich nicht an Zäune anlehnen. Zu Überlandleitungen sollten mindestens 50 Meter Abstand gehalten werden. Außerdem rät das Bundesamt: „Vermeiden Sie bei Gewittern die Berührung von Gegenständen mit Metallteilen wie Regenschirme und Fahrräder.“ (Lesen Sie auch: Unwetter über Füssen "war schon extrem“: Hagelkörner drückte es sogar aus Toilette)
  • Hausbau: Vor dem Grundstück-Kauf, spätestens aber mit Beginn der Planung sollten angehende Bauherren klären, ob es sich um ein überschwemmungsgefährdetes Gebiet handelt. „Doch auch fernab von oberirdischen Gewässern können Gefahren durch Wasser lauern“, sagt David Kempter, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Kempten. Das Erdgeschoß sowie Lichtschächte, Öffnungen und Treppenabgänge sollten zur Sicherheit deutlich über dem Gelände- beziehungsweise über dem jeweiligen Straßenniveau liegen. Zudem empfiehlt Kempter, Keller wasserdicht auszuführen: „Das bedeutet auch, dass zum Beispiel alle Leitungs- und Rohrdurchführungen dicht sein müssen.“

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