Handwerker im Allgäu finden

Handwerker im Allgäu händeringend gesucht: „Wir könnten 2000 bis 3000 Stellen besetzen“

Handwerker werden im Allgäu dringend gesucht. Dabei gäbe es eine Lösung - die jedoch mit viel Bürokratie verbunden ist.

Handwerker werden im Allgäu dringend gesucht. Dabei gäbe es eine Lösung - die jedoch mit viel Bürokratie verbunden ist.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Handwerker werden im Allgäu dringend gesucht. Dabei gäbe es eine Lösung - die jedoch mit viel Bürokratie verbunden ist.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Handwerker sind im Allgäu knapp. Gleichzeitig fehlen Auszubildende. Die Handwerkskammer sieht einen Ausweg – der ist jedoch kompliziert und bürokratisch.
13.05.2022 | Stand: 09:00 Uhr

Wer baut oder auf eine Reparatur angewiesen ist, spürt es: Im Handwerk fehlen Fachkräfte. Doch wie viele Elektrikerinnen und Zimmerer fehlen im Allgäu? Und was kann man gegen den Mangel tun? Der Geschäftsführer der Handwerkskammer Schwaben, Ulrich Wagner, gibt Antworten.

Wie viele Stellen sind im Allgäuer Handwerk derzeit frei?

Ulrich Wagner: Wir könnten 2000 bis 3000 Stellen besetzen. Vermutlich sind es sogar noch mehr. Zum Vergleich: Wir haben im Allgäu rund 8000 Handwerksbetriebe, bei fünf bis zehn Mitarbeitern im Schnitt. Der Bedarf ist also groß.

Wie werben die Firmen in dieser Situation um Mitarbeiter?

Wagner: Die Handwerkskammer versucht, mit Werbekampagnen ein Grundrauschen zu erzeugen. Und die Betriebe vermarkten sich mittlerweile sehr stark selbst, das gab es früher nicht. Von Kontakten zu Schulen, über Werbung in Medien oder auf den eigenen Fahrzeugen.

Lesen Sie auch
##alternative##
Handwerk

Rekord-Investition im schwäbischen Handwerk: Wo jedes Jahr 7000 Azubis lernen

Steigen durch den Mangel auch die Löhne?

Wagner: Das Lohnniveau ist nach oben gegangen. Inzwischen wird oft über Tarif bezahlt, um Mitarbeiter anzulocken oder Abwanderung zu verhindern. Unsere Fachleute werden auch von anderen Unternehmen abgeworben und sind gefragt, in der Industrie aber auch bei der öffentlichen Hand. Es wird nicht überall mit der gleichen Intensität ausgebildet wie bei uns, wir brauchen unseren Nachwuchs aber selber.

Auch Auszubildende sind Mangelware. Was können Betriebe also tun?

Wagner: Viele versuchen, die Lücken mit ausländischen Arbeitskräften zu füllen. Wir haben zwar mittlerweile ein Gesetz, das die Zuwanderung von Fachkräften regelt und erleichterte Verfahren.

Aber?

Wagner: Die Umsetzung ist trotzdem noch zu bürokratisch. Ein Nicht-EU-Ausländer braucht etliche komplexe Nachweise, bevor er überhaupt einreisen kann. Für einen Handwerksbetrieb ohne eigene, spezialisierte Personalabteilung ist das eine immense Aufgabe. Wir versuchen deshalb, mit einer Beratungsstelle zu helfen. Trotzdem dauert es oft ein halbes bis dreiviertel Jahr, bis die Person dann tatsächlich hier ist.

Wíe funktioniert dieser Prozess?

Wagner: Die Auslandshandelskammern haben entsprechende Stellenbörsen. Bewerber müssen vor der Einreise nachweisen, dass es ein konkretes Jobangebot gibt. Hierzulande wird dann geprüft, ob die vorhandene Ausbildung zu den deutschen Qualifikationen passt. Erst danach kann man mit dem Arbeiten beginnen. Dieser Aufwand ist richtig, aber das Instrument zu schwerfällig.

Stimmt die Qualifikation bei Handwerkern, die außerhalb der EU ausgebildet wurden?

Wagner: Den Gesellenbrief gibt es sonst nirgends, das ist klar. Man muss also individuell sehen, was an Qualifikationen vorhanden ist und was man nachschulen muss. Dabei geht es oft um Themen wie technische Standards oder Sicherheitsrichtlinien. Wer gut Fliesen legen kann, braucht zum Beispiel manchmal eine Nachschulung für Hygienestandards, um auch in den Räumen von Metzgereien oder Krankenhäusern arbeiten zu dürfen. Das lässt sich aber schnell beheben. Der Prozess, bis die Leute hier sind, ist zu komplex und langwierig. Das kostet Kraft und Nerven.

Handwerker sind hierzulande stolz auf ihre Ausbildung. Wie anerkannt sind die neuen Kollegen im Alltag?

Wagner: Wir halten die duale Ausbildung aus gutem Grund hoch, im Handwerk hat man hohe Ansprüche. Ob man etwas kann, zeigt sich im Alltag meist schnell. In vielen Betrieben ist man außerdem an der Kapazitätsgrenze, da ist jeder froh über neue, qualifizierte Mitstreiter. Und im Handwerk ist man es gewohnt, in Teams aus unterschiedlichen Kulturen zusammenzuarbeiten. Das funktioniert sehr gut.

Lesen Sie auch: Neustart - auch mit 34 Jahren ist eine Berufsausbildung eine Chance.

Für nur 0,99 € einen Monat alle exklusiven AZ Plus-Artikel auf allgaeuer-zeitung.de lesen
Jetzt testen
Ausblenden | Ich habe bereits ein Abo.