AZ-Serie "Abenteuer Heimat"

Heimat erkunden: Mystische und sagenhafte Orte im Allgäu

Die Buschelkapelle bei Ottobeuren (Landkreis Unterallgäu).

Die Buschelkapelle bei Ottobeuren (Landkreis Unterallgäu).

Bild: Frank Eberhard

Die Buschelkapelle bei Ottobeuren (Landkreis Unterallgäu).

Bild: Frank Eberhard

Viele Plätze mit einem mystischen Hintergrund sind heute wohlbekannt. Doch es gibt auch noch ruhigere Orte.

03.08.2020 | Stand: 06:35 Uhr

Die eigene Heimat zu erkunden, ist heuer mehr denn je Gebot der Stunde. Doch dahinter steckt mehr, als nur die bekannten Touristenattraktionen zu besuchen. In einer Serie stellen wir daher kleine und günstige Abenteuer vor, die sich nahe der Haustür erleben lassen. Diesmal geht es um sagenhafte Orte im Allgäu:

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Zwischen Leutkirch und Kißlegg liegen das Gründlenried und das Rötseemoos versteckt. Dort sollen die Kißlegger während des Dreißigjährigen Krieges am Burgstall der ehemaligen Wasserburg einen Schatz versteckt haben. Abenteurer mit gutem Schuhwerk können vom Forstweg durch das Ried auf einem Pfad nach Westen in das Moor abbiegen und den Ort suchen. Allerdings erinnert nicht viel mehr als eine Plakette im Waldstück an den Stall. Dafür gibt es dort wieder festen Boden, sodass sich das Moor ringsum gut studieren lässt. Einer Sage nach sollen wilde Männer dort Menschen in die Tiefen gezogen haben. Es gibt sogar eine Teufelsfurt, einen Trichter im Moor, der aber nicht erreichbar ist.

Wer kennt den Bodenlosen See bei Marktoberdorf?

Nur wenige dürften außerhalb des Ostallgäus den Bodenlosen See südlich von Marktoberdorf kennen. Wer auf den Auerberg - einer der bekannten mystischen Plätze in der Region - wandert, sieht ihn im Süden. Von Stötten aus lässt es sich über die Weiler Hofen und Pracht dorthin wandern. Am See sollen Goldsucher einen Schatz gehoben haben. Doch in dessen Tiefen lauerte noch etwas: Ein Ungeheuer attackierte sie und entriss ihnen die Kostbarkeiten wieder. Angeblich kommt das Untier alle 100 Jahre an die Oberfläche und verbreitet Schrecken. Wer den See erkundet, wird im dunklen Wasser aber wahrscheinlich weder das Ungeheuer noch den Boden sehen.

Im Oberallgäu gibt es die Sage vom Schimmelreiter

Der Besucherandrang im südlichen Oberallgäu entzerrt sich bei Unterjoch, wo sich die Sage des Schimmelreiters abgespielt haben soll. Demnach sollte der Dekan Dr. Ulrich Bach Mitte des 15. Jahrhunderts einen Grenzstreit zwischen Bauern aus Wertach und Jungholz klären. Einer drohte ihm jedoch mit dem Tod, sollte er nicht zugunsten Wertachs urteilen. Also ließ der gottesfürchtige Mann sich einen Trick einfallen: Mit Erde aus Wertach in seinen Schuhen und einem Schöpflöffel unter dem Hut ritt er auf seinem Schimmel zum umstrittenen Gebiet. Dort sagte er: „So wahr ein Schöpfer über mir, steh ich auf Wertachs Boden hier.“ Als Strafe dafür soll er seit seinem Tod als Schimmelreiter in der Gegend herumgeistern. Sportliche Besucher können auf die zwar niedrigen, aber anspruchsvollen Berge Zinken (1613 m) und Sorgschrofen (1634 m) kraxeln. An letzterem Gipfel treffen sich heute die deutsche und österreichische Grenze zu einem X.

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In Ottobeuren gibt es nicht nur die pompöse Basilika zu sehen, sondern auch die unscheinbarere Kapelle auf dem Buschelberg. Dort soll sich einer Sage nach Unheimliches unter der Erde abspielen, wo die Muetesgeister ihr Dasein fristen. „Teufelsloch“ heißt der Eingang in ihre Welt, in die sie wegen ihres Geizes gezogen wurden. Nun passt der Teufel persönlich auf ihren Schatz auf und sie trauen sich nur selten an die Oberfläche und schon gar nicht in die Nähe der Basilika. Wer nicht nur den Ort, sondern mehr von der Gegend sehen möchte, kann von Ottobeuren über Eggisried und Klosterwald zum Kneipp-Denkmal in Stephansried wandern. Auf dem Rückweg, als Höhepunkt im wortwörtlichen Sinn, geht es auf den Buschelberg.