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Hermann Weinbuch

Bild: Ralf Lienert

Hermann Weinbuch

Bild: Ralf Lienert

Saisonrückblick Die deutschen Kombinierer springen und laufen den starken Norwegern derzeit hinterher. Einen Allgäuer lobt Bundestrainer Hermann Weinbuch aber ganz besonders
24.03.2020 | Stand: 15:57 Uhr

Die Nordischen Kombinierer des Deutschen Ski-Verbands mussten in der Saison 2019/2020 akzeptieren, dass der Norweger Jarl Magnus Riiber (22) in einer anderen Liga agierte. Der Überflieger war kaum zu schlagen, gewann bei 17 seiner insgesamt 19 Starts. Nur ein Oberstdorfer war zweimal besser: Vinzenz Geiger, der heuer zur Nummer eins im deutschen Team wurde und die Weltcup-Wertung als Dritter abschloss. Für die Helden der vergangenen Jahre wie Johannes Rydzek blieb hingegen nur die Statistenrolle. DieAZzieht gemeinsam mit Bundestrainer Hermann Weinbuch, der vor wenigen Tagen seinen 60. Geburtstag feierte, Bilanz aus Allgäuer Sicht. „Es war für uns die erwartet schwere Saison. Die Norweger haben einfach alles dominiert – den Weltcup, den Continental-Cup und sogar die Junioren-WM. Ich bin aber im Großen und Ganzen schon zufrieden, da wir in diesem Winter wieder die zweitbeste Nation waren“, sagt Weinbuch. Ursachenforschung haben die Verantwortlichen längst betrieben. Es liegt daran, glaubt Weinbuch, dass Top-Springer wie Riiber, dessen Mannschaftskamerad Jens Luraas Oftebro oder auch der Österreicher Franz-Josef Rehrl auf der Schanze neue Maßstäbe gesetzt haben – in Technik und Weite. Weinbuch merkt selbstkritisch an: „Wir haben es leider noch nicht geschafft, uns von alten Strukturen zu lösen. Wir haben viel Ausdauer, aber wenig Sprung trainiert. Das muss sich ändern.“

Und so bewertet der Bundestrainer die Leistungen der vier Allgäuer, die im Weltcup-Winter 2019/2020 eingesetzt wurden:

Vinzenz Geiger

„Es war wichtig zu sehen, dass er Riiber schlagen kann. In ihm schlummert noch ganz viel Potenzial. Vinzenz ist enorm trainingsfleißig. Beim Laufen ist er auch schon stärker als der Norweger, auf der Schanze aber noch weit weg“, sagt Weinbuch. An der Sprungkraft liege das aber nicht. Geiger habe vielmehr technisch noch einige Defizite. Der Bundestrainer meint: „Deshalb ist er bei Wettkämpfen von der Kleinschanze in der Regel auch besser. Denn im Gegensatz zur Großschanze spielen diese technischen Mängel dort keine so große Rolle.“ Weinbuch scheint Stärken und Schwächen des 22-Jährigen ziemlich gut zu kennen. Dass Geiger heuer zur Nummer eins im Team werden könnte, habe er ihm schon vor Saisonauftakt zugetraut.

Johannes Rydzek

Rydzek war im Winter Weinbuchs Sorgenkind. Der Bundestrainer sagt: „Er ist sehr ehrgeizig und ein akribischer Arbeiter. Bei ihm spielt sich sehr viel im Kopf ab. Das war in den vergangenen Jahren seine große Stärke. Das kann aber in sportlich schweren Zeiten auch kontraproduktiv sein.“ Der 28-Jährige verpasste wegen einer Verletzung die Sommervorbereitung, daran hatte er die gesamte Saison zu knabbern. Platz fünf in Val di Fiemme war sein bestes Ergebnis. „Das ist für einen erfolgsverwöhnten Athleten wie ihn natürlich nicht zufriedenstellend“, sagt Weinbuch. Er habe ihm oft in Einzelgesprächen erklärt, sich auf kleine Zwischenziele zu fokussieren und nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Für den Sommer 2020 gelte nun: den Kopf freibekommen!

Julian Schmid

Julian Schmid kam 2019 als amtierender Junioren-Weltmeister ins A-Team des Deutschen Ski-Verbands – und startete mit großen Erwartungen. „Für ihn war es eine Lernsaison. Er hat Erfahrung gesammelt und wurde im Kreis der Besten erst einmal geerdet“, sagt der Bundestrainer. Beim Sommer-Grand-Prix lief es für den talentierten Oberstdorfer richtig gut, in Oberhof wurde er sogar Sechster. „Letztlich fehlte ihm für eine gesamte Saison auf diesem Niveau noch die Substanz“, meint Weinbuch. Er lobt den 20-Jährigen aber gleichzeitig in den höchsten Tönen. Schmid sei ehrgeizig und stark im Kopf. „Wenn er weiter zielgerichtet trainiert, kann er im nächsten Winter einen großen Schritt nach vorne machen“, sagt Weinbuch.

David Mach

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„Er hat im Sommer richtig gute Ergebnisse abgeliefert, deshalb haben wir ihn in die erste Mannschaft nach oben gezogen. Ich habe ihm auch lange eine Chance im Weltcup gegeben“, meint der Bundestrainer. Mach stürzte schon zum Auftakt in Kuusamo beim Springen schwer, steckte den Unfall aber gut weg. Allerdings spricht Weinbuch von einer „gefestigten Fehlerstruktur“. Für den überaus ehrgeizigen Buchenberger (Weinbuch: „Er macht sich oftmals zu viele Gedanken.“) sei es daher der richtige Weg gewesen, gegen Ende der Saison zurück in den Continental-Cup, die zweite internationale Liga, zu gehen. Weinbuch: „Man darf das alles nicht zu negativ sehen. Er muss jetzt erst einmal eine neue Sprungtechnik lernen.“