Allgäuer Lebensmittel

Heumilch, H-Milch, Weidemilch und Haferdrink: Was ist der Unterschied?

Milchpreis

In Lebensmittel-Märkten können Verbraucherinnen und Verbraucher aus einer Vielzahl verschiedener Milchsorten auswählen. Was in den Verpackungen steckt, sei aber oft nicht eindeutig zu erkennen, sagt eine Lebensmittelberaterin der Verbraucherzentrale Bayern.

Bild: dpa (Symbol)

In Lebensmittel-Märkten können Verbraucherinnen und Verbraucher aus einer Vielzahl verschiedener Milchsorten auswählen. Was in den Verpackungen steckt, sei aber oft nicht eindeutig zu erkennen, sagt eine Lebensmittelberaterin der Verbraucherzentrale Bayern.

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Heumilch, Weidemilch, Hornmilch – was steckt hinter den Bezeichnungen und in der Verpackung? Und was muss man an der Milchtankstelle beachten? Eine Übersicht.
28.08.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Für Verbraucherinnen und Verbraucher sei es oft nicht leicht, bei all den verschiedenen Milchsorten im Supermarkt den Überblick zu behalten, sagt Sabine Hülsmann von der Verbraucherzentrale Bayern. Denn einige Bezeichnungen seien nicht geschützt und dienten oftmals nur Marketing-Zwecken.

Fangen wir dort an, wo die Milch herkommt: am Euter der Kuh. Frisch gemolken handelt es sich um Rohmilch. Ihr Verkauf ist laut Hülsmann streng reglementiert. Man bekommt sie direkt vom Hof oder bei einzelnen Märkten als verpackte Vorzugsmilch mit geringer Haltbarkeit.

An Milchtankstellen dürfen Verbraucherinnen und Verbraucher sich Rohmilch abfüllen. Jedoch müssen die Betreiber der Tankstelle kennzeichnen, dass die Milch vor dem Verzehr erhitzt werden muss, um mögliche Keime abzutöten.

Wem das zu aufwendig ist, bedient sich wohl eher am Supermarkt-Regal: Grundsätzlich werden Milchsorten dort nach der Art der Wärmebehandlung, Fettgehaltsstufen und nach weiteren speziellen Merkmalen unterschieden, sagt Rudolf Seipelt, Geschäftsbereichsleiter beim Milchwirtschaftlichen Verein Bayern mit Sitz in Kempten.

Allgäuer Milch: Unterscheidung nach Wärmebehandlung und Fettgehaltsstufen

Die Pasteurisierung der Milch, also das Erhitzen, diene beispielsweise dazu, die Haltbarkeit zu verlängern. Am intensivsten ist das laut Seipelt bei H-Milch der Fall, die für einige Sekunden auf 135 bis 150 Grad erhitzt wird und dann ungeöffnet mehrere Monate haltbar ist. Neben der Pasteurisierung kann man Milchsorten auch anhand ihres Fettgehalts unterscheiden.

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So hat Vollmilch laut Lebensmittelberaterin Hülsmann mindestens einen Wert von 3,5 Prozent. Bei fettarmer Milch seien es 1,5 bis 1,8 Prozent. Magermilch hingegen hat nach Seipelts Angaben höchstens 0,5 Prozent Fett, denn sie wird in der Molkerei entrahmt.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Heumilch?

Und wo kommen nun die so naturnah klingenden Begriffe wie Heumilch her? Bis ins Jahr 2016 war der Begriff „Heumilch“ laut Hülsmann nicht klar definiert. Mittlerweile aber gilt: Heumilch darf das Produkt nur heißen, wenn die Kühe keine Gärfuttermittel, also Silage, zu fressen bekommen. Während die Kühe, die Heumilch produzieren, im Sommer frisches Gras fressen, gibt es im Winter Heu für sie.

Weidemilch hingegen ist kein gesetzlich geschützter Begriff. Laut Hülsmann verständigen sich viele Betriebe darauf, dass die Kühe an mindestens 120 Tagen im Jahr mindestens sechs Stunden täglich auf der Weide stehen. Für die restliche Zeit gebe es keine einheitliche Regelung. „Bei der Bezeichnung ‚Weidemilch’ steht die Tierhaltung im Vordergrund, während bei der ‚Heumilch’ der Schwerpunkt auf der Fütterung liegt“, erläutert Rudolf Seipelt.

Hornmilch ist nicht gesetzlich definiert

Hornmilch wiederum stammt von Kühen, die – wie der Name schon verrät – ihre Hörner noch tragen. Jedoch nicht nur: Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Milch nach diesem Prinzip erzeugen, dürfen laut Hülsmann auch vereinzelt Tiere von anderen Höfen hinzukaufen, die zuvor bereits enthornt wurden. Eine klare gesetzliche Definition für Hornmilch gebe es nicht.

Haferdrink: Im Allgäu gibt es keine großen Produzenten mehr

Doch damit nicht genug: Neben den verschiedenen Milchsorten finden sich in den Regalen auch immer mehr Alternativen zur Kuhmilch. Ein bekannter Ersatz ist der Haferdrink. Seit das Oberreutener Unternehmen Simply V (Kreis Lindau) die Herstellung des 2018 ins Sortiment aufgenommenen Drinks eingestellt hat, gibt es im Allgäu keinen größeren Produzenten mehr.

Lange muss man aber nicht suchen: Neben einem Hersteller in Hilzingen im Landkreis Konstanz produziert auch das Unternehmen Bayernglück-Zott in Ustersbach bei Augsburg eine solche Milch-Alternative. Milchersatzprodukte aber dürfen nicht als „Milch“ bezeichnet werden, so entschied es der Europäische Gerichtshof im Jahr 2017. Der schwäbische Haferdrink-Produzent hat damit kein Problem. Die Verkaufszahlen des Drinks steigen nach Unternehmensaussage stetig, auch weil sich viele Menschen in Bayern stärker pflanzlich ernähren wollten. Dabei werde aber ein anderer Markt bedient, sodass der Haferdrink laut Bayernglück kaum in Konkurrenz zur klassischen Kuhmilch stehe.

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