Allgäuer Stauseen leiden unter Hitzewelle

So wirkt sich der Klimawandel auf den Forggensee aus

Das Kraftwerk Roßhaupten im Norden des Forggensees, Deutschlands flächenmäßig größtem Stausee, vor der Kulisse der Allgäuer Alpen: Auch in der Region sorgt Hitze immer wieder für Probleme. Doch wie wirkt sich das auf den Forggensee aus – und muss man in Zukunft vielleicht auch im Sommer mehr Wasser ablassen?

Das Kraftwerk Roßhaupten im Norden des Forggensees, Deutschlands flächenmäßig größtem Stausee, vor der Kulisse der Allgäuer Alpen: Auch in der Region sorgt Hitze immer wieder für Probleme. Doch wie wirkt sich das auf den Forggensee aus – und muss man in Zukunft vielleicht auch im Sommer mehr Wasser ablassen?

Bild: Benedikt Siegert

Das Kraftwerk Roßhaupten im Norden des Forggensees, Deutschlands flächenmäßig größtem Stausee, vor der Kulisse der Allgäuer Alpen: Auch in der Region sorgt Hitze immer wieder für Probleme. Doch wie wirkt sich das auf den Forggensee aus – und muss man in Zukunft vielleicht auch im Sommer mehr Wasser ablassen?

Bild: Benedikt Siegert

An vielen Stauseen sorgt der Klimawandel für Probleme. Der Forggensee ist einer der größten Stauseen Deutschlands. Auch dort ist der Wandel spürbar.
16.08.2022 | Stand: 18:01 Uhr

Mit 15,2 Quadratkilometern ist er der flächenmäßig größte Stausee Deutschlands: Der Forggensee. Damit ist er deutlich größer als das Fürstentum Monaco, das sich gerade einmal über zwei Quadratkilometer erstreckt. Doch nicht nur das, er ist auch für den Tourismus und die Energieerzeugung in der Region von Bedeutung. Stauseen stehen angesichts der Hitzewellen, unter denen Europa in diesem Jahr zu leiden hat, immer wieder im Fokus.

So ist zum Beispiel der Stausee La Viñuela, mit sechs Kilometern Länge und bis zu 100 Metern Tiefe der wichtigste Wasserspeicher der südspanischen Provinz Malaga, nur noch zu zwölf Prozent gefüllt. Nun ist das Allgäu nicht der Süden Spaniens – doch auch hier gibt es extreme Hitze und sinkende Pegelstände. Beispielsweise liegt der Wasserpegel am Bodensee für die Jahreszeit knapp einen Meter zu tief. Wie sieht also die Zukunft des Forggensees aus? Man wisse nicht, ob künftig weniger Wasser in den Stausee komme, sagt der Leiter des Kemptener Wasserwirtschaftsamtes, Karl Schindele.

Fehlender Niederschlag wirkt sich auch auf den Forggensee aus

„Heuer war es aber definitiv weniger als sonst. Wir haben in den letzten 20 Jahren ein durchgehendes Niederschlagsdefizit, das wirkt sich auch auf den Forggensee aus.“ Bisher habe der Kraftwerksbetreiber Uniper den Wasserstand aber immer im genehmigten Bereich halten können. Im Sommer muss der See einen Wasserstand von 780,5 Metern über Normalnull haben, mit einem halben Meter Spielraum. Steht weniger Wasser zur Verfügung, trifft das die Stromerzeugung. „Denn dann muss der Betreiber das Kraftwerk zeitweise stilllegen, da der Wasserstand Vorrang hat“, sagt Schindele.

Das spürt man bei Uniper. So könne aktuell maximal das Wasser zur Stromerzeugung am Kraftwerk Roßhaupten sowie den weiteren Kraftwerken des Lechs genutzt werden, das dem Forggensee zufließe, erklärte ein Sprecher. „Und diese Wassermenge liegt momentan deutlich unter dem langjährigen Mittelwert, so dass auch die Erzeugung derzeit sehr gering ist.“

Wasser ablassen: Abwägen zwischen Tourismus und Umweltschutz

Bei Uniper geht man deshalb davon aus, dass die Bedeutung des Forggensees als Speicher noch wichtiger wird. Denn neben dessen Rolle im Hochwasserschutz, der Stromerzeugung und im Tourismus bestehe die Möglichkeit, Phasen mit wenig Wasser im Lech aufzubessern, indem man mehr Wasser aus dem See lässt. Dadurch würde jedoch der Pegel sinken, und „die Interessen des Tourismus und des Umweltschutzes müssten abgewogen werden“. Auch der schwäbische Regionalreferent des Bund Naturschutz (BN), Thomas Frey, sieht darin eine Möglichkeit, „die Natur am Unterlauf des Lechs zu schützen“.

Denn der Lech als stark aufgestauter Fluss habe „ein riesiges Problem“: Für Fischarten wie Forellen oder Huchen sei die Aufheizung des Wassers in den Stauseen in den Hitzeperioden ein Problem. „Einmal wegen der Temperatur, aber auch was den Sauerstoffgehalt des Wassers anbelangt.“ In Trockenperioden könne es sinnvoll sein, Wasser aus dem Forggensee abzulassen, um flussabwärts die Temperatur zu senken und den Sauerstoffgehalt zu erhöhen. „Wichtig ist, dass man das aus rein ökologischen und nicht aus wirtschaftlichen Motiven macht“, warnt Frey. Arten wie dem Huchen würde das sicherlich helfen. „Die Frage ist, ob man bereit ist, im Sommer auf Wasserstand zu verzichten. Ein halber Meter macht hier vermutlich viel aus.“

Naturschützer wollen einen renaturierten Lech

Bisher habe man noch nie ein Niedrigwasser im Lech auffüllen müssen, wendet Amtsleiter Schindele ein. „Es ist aber möglich, dass das in der Zukunft ein Thema wird.“ Technisch wäre das „sicher machbar“, wirklich abgelassen würde Wasser aber „nur im Extremfall“ und aus rein ökologischen Gründen. Denn mögliche Einschränkungen bei der touristischen Nutzung soll es nicht geben. Derzeit habe man das Problem jedoch nicht, der Lech bringe auch im Sommer regelmäßig Wasser.

Trotzdem könnte der Klimawandel für einen Konflikt sorgen. Wenn künftig weniger Schnee liege, werde man den Pegel im Winter nicht mehr so weit absenken können, warnt Schindele. „Denn am 31. Mai muss das Stauziel erreicht sein.“ Dieses Ziel steht einem Wunsch des Naturschützers Frey entgegen: Dass der Lech, „eines der kaputtesten Gewässer Bayerns“, langfristig wieder Geschiebe wie Kies transportiert. „Das geht zum Beispiel, wenn man den See im Winter weitgehend ablässt und den Lech bei gescheitem Hochwasser im Frühjahr durch den See laufen lässt, quasi als ökologische Spülung.“ Der Naturschützer möchte den Fluss renaturieren und trotzdem Energie produzieren – auch wenn das Umstellungen erfordert. „Am Lech müssen wir groß denken“, sagt Frey.

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