Wohnen im Allgäu

"Wir wissen alle nicht, wie es weitergeht" - Steigender Holzpreis setzt Häuslebauer im Allgäu unter Druck

Wertach Holzhaus

Teurer Baustoff: Für manche Häuslebauer wird das Eigenheim durch den Holzmangel teurer. Doch die Preise steigen nicht für alle Kunden.

Bild: Ralf Lienert

Teurer Baustoff: Für manche Häuslebauer wird das Eigenheim durch den Holzmangel teurer. Doch die Preise steigen nicht für alle Kunden.

Bild: Ralf Lienert

Die Preisexplosion beim Holz hat Auswirkungen auf den Traum vom Eigenheim. Doch die Preise steigen nicht für alle Kunden. Das sagen Fachleute aus der Region.
18.08.2021 | Stand: 10:54 Uhr

„Das Problem ist: Ich kann nicht für nächstes Jahr kalkulieren. Ich kann nur ein Angebot abgeben, das heute gilt - und morgen nicht mehr“, sagt Martin Friedl aus Pfronten (Ostallgäu). Es ist der Holzpreis, der dem stellvertretenden Obermeister der Zimmerer-Innung Ostallgäu zu schaffen macht. Der stieg in diesem Jahr extrem an.

Friedl selbst führt vor allem Sanierungen durch, für die er also weniger Baumaterial braucht als für Neubauten. Doch die aktuellen Lieferschwierigkeiten bekomme auch er zu spüren, vor allem bei Brettschicht- und Leimholz. „Und wir wissen alle nicht, wie es weitergeht“, betont Friedl.

Häuslebauer sollen mehr bezahlen

Mit dieser Kostenexplosion haben nun auch Menschen zu kämpfen, die ihr erstes eigenes Haus bauen wollen. In so einem Fall sei die Finanzierung schließlich vorher genau festgelegt, sagt Richard Denk. Er ist bei der Immobiliengesellschaft der Allgäuer Volksbank für Kempten und das nördliche Oberallgäu zuständig – kennt also die Situation von Häuslebauern in der Region.

Laut Denk kann es derzeit vorkommen, dass Baufirmen aufgrund der „eklatanten Preissteigerung“ ein neues Angebot für einen Auftrag abgeben, welches „zehn, 20 oder 30 Prozent höher“ liege als der ursprünglich verhandelte Preis. Möglich sei das bei entsprechender Klausel auch, wenn der Bauvertrag schon unterschrieben ist. (Lesen Sie auch: Viel Holz, große Nachfrage: Sägewerke stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen)

Steigender Holzpreis setzt Häuslebauer im Allgäu unter Druck

„Ich kenne einen Fall, da haben Leute vor eineinhalb Jahren ein Finanzierungskonzept für einen Hausbau aufgestellt - mit fester Laufzeit und Tilgungshöhe.“ Nun koste das Haus plötzlich 100.000 Euro mehr, berichtet Denk. Dennoch rät er davon ab, „ein gut kalkuliertes Vorhaben auf Eis zu legen“.

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Wenn die Alternative sei, länger in einer Mietwohnung zu leben, „dann ist das langfristig immer die schlechtere Lösung“, ist Denk überzeugt. Ein Vorteil ist laut dem Fachmann, dass sich im Allgäu Firmen und Kunden oftmals schon länger kennen. „Die überlegen dann zusammen: Wie bekommen wir die Kuh jetzt vom Eis“, sagt Denk. Das bestätigt Martin Friedl. „Es gibt da schon ein Entgegenkommen der Zimmerer. Ich gebe nicht den ganzen Anstieg an den Kunden weiter.“ Friedl betont aber auch: „Es hilft, dass das so durch die Medien ging. Die Bauherren sehen auch ein, dass das Holz teurer geworden ist.“ (Lesen Sie auch: Kuriose Situation für Oberallgäuer Waldbesitzer: Preise ziehen an, Einschlag ist beschränkt)

Wie lange der vereinbarte Preis gilt

Beim Unternehmen Baufritz in Erkheim (Kreis Unterallgäu) erhalten Kunden nach Unternehmensangabe eine „Festpreisgarantie“. Das bedeutet, „dass wir uns an die Preise über einen Zeitraum von 18 Monaten gebunden halten“, teilt eine Unternehmenssprecherin mit. Durch „gute und stabile Beziehungen zu regionalen Lieferanten“ ist das Unternehmen von der Holzknappheit nach eigenen Angaben „glücklicherweise nicht betroffen“. (Lesen Sie auch: Bauholz: Unternehmen kämpfen mit der Preisexplosion)

Wie eine Baufirma noch wirtschaftlicher werden will

Einen engen und guten Kontakt zu den regionalen Holzproduzenten nennt auch Maximilian Prutscher von der gleichnamigen Holzbaufirma aus Oy-Mittelberg (Oberallgäu) als Grund, dass seine Kunden „keinen Aufpreis zahlen müssen“. Seinen Holzlieferanten habe er auch in der Vergangenheit schon einen höheren Preis bezahlt, das helfe ihm nun. Die aktuelle Preissteigerung sieht Prutscher vielmehr als Ansporn: „Wir müssen mit modernen Fertigungsanlagen noch wirtschaftlicher werden.“ Denn er ist überzeugt: „Holzhäuser waren in den vergangenen Jahren einfach viel zu billig.“

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