Durach

„Ich bin nur noch am Grinsen“

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(L-R) Silver medalist Germany's Lisa Brennauer, Gold medalist  US Chloe Dygert and Germany's Franziska Brausse pose on the podium after the women's individual pursuit final at the UCI track cycling World Championship at the velodrome in Berlin on February 29, 2020. (Photo by Odd ANDERSEN / AFP)

P_1PG9W0 (L-R) Silver medalist Germany's Lisa Brennauer, Gold medalist US Chloe Dygert and Germany's Franziska Brausse pose on the podium after the women's individual pursuit final at the UCI track cycling World Championship at the velodrome in Berlin on February 29, 2020. (Photo by Odd ANDERSEN / AFP)

Bild: ODD ANDERSEN

P_1PG9W0 (L-R) Silver medalist Germany's Lisa Brennauer, Gold medalist US Chloe Dygert and Germany's Franziska Brausse pose on the podium after the women's individual pursuit final at the UCI track cycling World Championship at the velodrome in Berlin on February 29, 2020. (Photo by Odd ANDERSEN / AFP)

Bild: ODD ANDERSEN

Radsport Lisa Brennauer erkämpft sich bei der Bahn-Weltmeisterschaft in Berlin zwei Medaillen. Warum die Heim-WM für die Duracherin ein besonderes Erlebnis gewesen ist

26.08.2020 | Stand: 11:20 Uhr

Zwei Rennen, zwei Rekorde und zwei Medaillen. Für Radprofi Lisa Brennauer vom Kemptener Ceratizit-WNT Pro Cycling Team hätte die Bahn-Weltmeisterschaft in Berlin nicht besser laufen können. Mit Silber und Bronze in der Tasche schloss die Duracherin die Bahnradsaison für diesen Winter ab. Gerechnet hat die 31-Jährige mit dieser reichen Ausbeute bei Weitem nicht.

„Ich bin nur noch am Grinsen. Das hat meine Erwartungen völlig übertroffen“, sagt Brennauer. Im Velodrom in Berlin verbesserte sie nicht nur ihre persönliche Bestzeit über die 3000-Meter in der Einerverfolgung, sondern auch den deutschen Rekord. Außerdem schrammte Brennauer nur eine Sekunde am Weltrekord vorbei und sicherte sich die Silbermedaille in dieser Disziplin.

Der Weg dorthin war alles andere als leicht. „Die Qualifikation war echt ein Nervenkrimi“, sagt sie. Denn ihre größte Gegnerin, die Amerikanerin Chloe Dygert, verbesserte ihren alten Weltrekord um drei Sekunden. Teamkollegin Lisa Klein unterbot Brennauers deutschen Rekord von drei Minuten und 23 Sekunden noch einmal um zwei Sekunden. „Vor meinem Start wusste ich genau, dass ich Bestzeiten fahren oder toppen muss, um überhaupt ins Goldfinale zu kommen. Der Druck und die Anspannung waren enorm“, sagt sie.

Doch die 31-Jährige ließ sich nicht unterkriegen und fuhr ihren schnellsten Lauf, den sie bislang in ihrem Leben geschafft hat. So schaffte es Brennauer ins Goldfinale und musste sich am Ende nur der Amerikanerin geschlagen geben. „Ich kann gut damit leben, gegen so eine starke Konkurrentin zu verlieren. Eine persönliche Bestzeit habe ich ja auch noch aufgestellt“, sagt die Duracherin zufrieden.

Und das war nicht der einzige Erfolg und Rekord in Berlin. Brennauer gewann mit dem deutschen Frauen-Vierer in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung die Bronzemedaille. Damit holte sie mit Franziska Brauße, Lisa Klein und Gudrun Stock die erste deutsche Medaille bei einer Bahnrad-WM seit zwölf Jahren. Erst raste der deutsche Frauen-Vierer im „Vorprogramm“ zum deutschen Rekord und unterbot diesen um mehr als drei Sekunden. In einem hochspannenden kleinen Finale um Platz drei gab es zur Belohnung Bronze.

„So eine Medaille um den Hals hängen zu haben und vor heimischem Publikum auf die Bühne zu dürfen, ist schon etwas Besonderes“, sagt sie. Die Stimmung im Berliner Velodrom sei gigantisch gewesen. Viele Verwandte und Bekannte haben Brennauer vor Ort unterstützt und angefeuert: „Es waren so viele Fans da. Die Halle hat echt getobt, da konnte ich noch ein Quäntchen mehr aus mir rausholen.“

Im Vierer hätten sie abgeliefert, was in ihnen steckt. Alles hätte so funktioniert, wie es sein sollte. „Damit hätten wir nie gerechnet. Das ist eine super Entwicklung. Wir ziehen alle an einem Strang“, sagt Brennauer und blickt bereits in Richtung Tokio: „Ich denke, dass da sehr viel drin ist. Anscheinend stehen die Türen offen für alles.“ Die deutsche Mannschaft hat sich bereits für Olympia qualifiziert. Offizielle Nominierungen gibt es allerdings noch nicht. Brennauer ist aber zuversichtlich: „Ich habe gute Leistungen gezeigt und für unseren Bahn-Vierer viel gearbeitet. Ich gehe schon davon aus, dass ich dabei bin.“ Doch bis dahin konzentriert sich die 31-Jährige auf die Straßensaison.

Am Mittwoch flog sie ins Trainingslager nach Italien, um sich dort auf die ersten Rennen vorzubereiten. Mitte März wird Brennauer die Frühjahrsklassiker in Belgien und Holland mitfahren. Bis dahin gebe es aber noch einiges zu tun: „Ich versuche so viele Stunden wie möglich auf dem Rad zu verbringen, um an meiner Ausdauer zu feilen.“