Sportserie "Nach-Spiel-Zeit"

Über Sharapova zu Kerber: Das Erfolgsrezept von Ex-Tennis-Profi Kindlmann

Schon als 19-Jähriger spielte Dieter Kindlmann erste Turniere auf der Challenger-Tour. Seinen größten Erfolg als Trainingspartner feierte er 2014 mit dem French-Open-Sieg von Maria Sharapova, 2019 wurde der Oberallgäuer Trainer der dreimaligen Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber.

Schon als 19-Jähriger spielte Dieter Kindlmann erste Turniere auf der Challenger-Tour. Seinen größten Erfolg als Trainingspartner feierte er 2014 mit dem French-Open-Sieg von Maria Sharapova, 2019 wurde der Oberallgäuer Trainer der dreimaligen Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber.

Bild: Werner Kempf

Schon als 19-Jähriger spielte Dieter Kindlmann erste Turniere auf der Challenger-Tour. Seinen größten Erfolg als Trainingspartner feierte er 2014 mit dem French-Open-Sieg von Maria Sharapova, 2019 wurde der Oberallgäuer Trainer der dreimaligen Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber.

Bild: Werner Kempf

Acht Jahre nach seinem letzten Spiel blickt der Blaichacher Dieter Kindlmann auf seine Karriere nach der Karriere. Wie sich der 38-Jährige in der Szene einen Namen machte.
Schon als 19-Jähriger spielte Dieter Kindlmann erste Turniere auf der Challenger-Tour. Seinen größten Erfolg als Trainingspartner feierte er 2014 mit dem French-Open-Sieg von Maria Sharapova, 2019 wurde der Oberallgäuer Trainer der dreimaligen Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber.
Von Noa Hüper
04.12.2020 | Stand: 06:15 Uhr

Er coacht die besten Tennisspielerinnen der Welt: Seit 2013 betreut Dieter Kindlmann Ausnahmeathletinnen wie Angelique Kerber, Maria Sharapova und Madison Keys. Den Menschen in der Region ist der Blaichacher aber deutlich länger bekannt. 2001, schon im Alter von 19 Jahren, spielt Kindlmann erste Turniere auf der ATP Challenger-Tour. Im Laufe seiner Karriere gewinnt der Oberallgäuer sieben dieser Wettbewerbe (vier Einzel, drei Doppel) und erreicht Platz 130 der ATP-Weltrangliste. Zudem qualifiziert sich der gebürtige Sonthofer für das Hauptfeld der Australian und French Open sowie für die US Open. 2012 beendet Kindlmann seine aktive Laufbahn – mit nur 30 Jahren.

Nach dem Karriereende U18-Coach beim BTV

Gründe für den Rücktritt waren immer wiederkehrende Verletzungsprobleme: „Ich wurde in dieser Zeit oft an der Schulter operiert und hatte schließlich nicht mehr das nötige Vertrauen in meinen Körper, um auf diesem hohen Niveau weiterzuspielen“, erinnert sich Kindlmann an die letzte Phase seiner aktiven Laufbahn. Dem Tennissport bleibt der Blaichacher aber auch danach weiterhin treu. Und zwar von Anfang an.

Denn ein Angebot des Bayerischen Tennis-Verbands ermöglicht dem damals 30 Jahre alten Tennisprofi einen nahtlosen Übergang vom Spieler zum Trainer. „Ich habe fortan die U 18 trainiert und war über diese Chance sehr glücklich“, erzählt Kindlmann von seiner ersten Trainerstation. Den Durchbruch als Coach schafft der heute in Oberstaufen lebende Ex-Profi Anfang 2013, als er Trainingspartner der fünffachen Grand-Slam-Siegerin Maria Sharapova wird.

Bis 2016 bleibt Kindlmann Assistenzcoach und Sparring-Partner der erfolgreichen Russin: „Eigentlich wollte ich bei Sharapova nur einen kurzen Zeitraum für einen verletzten Kollegen einspringen und danach zurück zu meinem Job beim BTV. Das kam aber alles ganz anders und so wurden aus zwei Monaten drei Jahre“, erinnert sich Kindlmann. Und das, obwohl sich der Allgäuer zu Beginn alles andere als sicher war, ob ihm die Arbeit als Trainer überhaupt Spaß machen würde: „Ich habe mich bis dahin nicht wirklich mit der Materie des Trainerwesens beschäftigt. Umso schöner war es, als ich gemerkt habe, dass ich etwas gefunden habe, das mich ähnlich erfüllt wie das Profi-Dasein.“

Kindlmann: "Vorstellbar, Herren zu betreuen"

Seit seiner ersten Station als Damentrainer bleibt der lange in Blaichach wohnende Ex-Profi dem Frauentennis erhalten. Es folgen Trainerposten bei der Amerikanerin Madison Keys, der Russin Anastasia Pavlyuchenkova, der Australierin Alja Tomljanovic und der Belgierin Elise Mertens. Von November 2019 bis Juli 2020 coacht Kindlmann die deutsche Nummer eins, Angelique Kerber, dreimalige Grand-Slam-Siegerin, und betreut daraufhin und die Weißrussin Aryna Sabalenka.

„Zu 90 Prozent trainiere ich Damen, aber in meiner Zeit beim BTV habe ich ausschließlich die männliche U 18 gecoacht. Darunter war auch der zweimalige French-Open-Sieger im Doppel, Kevin Krawietz“, sagt Dieter Kindlmann und fügt an: „In Zukunft ist es für mich natürlich auch vorstellbar, Spieler auf der Herren-Tour zu betreuen. Es ist aber klar, dass ich durch meine Jobs in den vergangenen acht Jahren vermehrt Anfragen aus dem Damenbereich erhalte.“ Auch in der neuen Saison wird der Allgäuer wieder einer Frau zur Seite stehen – einem Talent aus der Schweiz.

Die vielen Arbeitgeberinnen des 38-Jährigen haben immer wieder unterschiedliche Spielstile und Charaktere. Trotzdem ist es für den ehemaligen Profi kein großes Problem, sich auf die verschiedenen Spielertypen einzustellen: „Das hat enorm viel mit Erfahrung zu tun. Die Zeit mit Maria Sharapova war eine sehr gute Lehre für mich.“

Traum von einer Akademie im Allgäu

In diesen Jahren lernt Kindlmann einige andere Trainer kennen und sammelt reichlich positive Eindrücke für die anschließenden Jahre auf der Tour: „Dadurch habe ich mir einen Namen als Trainer gemacht. Dennoch ist es ein Privileg, mit den Besten der Besten arbeiten zu dürfen. Dafür bin ich äußerst dankbar“, sagt der gebürtige Sonthofer.

Das Betreuen der Tennisstars nehme allerdings viel Zeit in Anspruch und erfordere oftmals Reisen ins Ausland. Nichtsdestotrotz gibt der 38-Jährige auch Trainerstunden für Amateure: „Ich liebe, was ich mache. Deshalb helfe ich gerne jedem weiter, der mit Leidenschaft den Tennis-Sport betreibt. Dabei ist es egal, ob ich mein Wissen einem Top-Spieler oder einem Hobby-Sportler weitergebe.“

Zurzeit allerdings ruht all das auch in Kindlmanns Welt – Tennis ist in Bayern derzeit nicht erlaubt. Das Spielen in den Tennishallen ist aufgrund der Corona-Pandemie untersagt. Kindlmann hat zusammen mit seinem Team aber die Möglichkeit, sich im Ausland auf die nächsten Turniere vorzubereiten: „Das ist überaus wichtig für uns. So können wir die Zeit aktiv nutzen und uns verbessern.“ Auch mit Blick auf das, was Kindlmann in den nächsten Jahren noch erreichen will.

Zwei große Ziele hat sich der Tennis-Coach dabei bereits gesetzt: „Mein Wunsch war es immer, dass ich noch einmal ein Grand Slam-Turnier mit einer meiner Spielerinnen gewinne.“ Des Weiteren will der Blaichacher im Allgäu sesshaft werden und hier zukünftige Tennishoffnungen ausbilden. „Mittelfristig will ich eine Akademie in meiner Heimat aufbauen, um meine Schützlinge zuhause trainieren zu können. Ich möchte auf die gute Infrastruktur hier vor Ort zurückgreifen und nicht ständig unterwegs sein.“