Tourismus und Naturschutz

63 neue Infotafeln in Oberstdorf: "Gäste müssen sich an die Regeln halten"

Neue Schilder wie hier am Wanderparkplatz Faistenoy im Oberstdorfer Stillachtal sollen Tourengänger, Radfahrer und andere Freizeitsportler über das Naturschutzgebiet und darin geltende Verhaltensweisen informieren.

Neue Schilder wie hier am Wanderparkplatz Faistenoy im Oberstdorfer Stillachtal sollen Tourengänger, Radfahrer und andere Freizeitsportler über das Naturschutzgebiet und darin geltende Verhaltensweisen informieren.

Bild: Michael Mang

Neue Schilder wie hier am Wanderparkplatz Faistenoy im Oberstdorfer Stillachtal sollen Tourengänger, Radfahrer und andere Freizeitsportler über das Naturschutzgebiet und darin geltende Verhaltensweisen informieren.

Bild: Michael Mang

Informationstafeln an Parkplätzen, Berghütten und Wanderwegen sollen dazu beitragen, dass Wanderer und Radler sich an die Regeln halten. Wie viel das kostete.
11.10.2020 | Stand: 07:07 Uhr

Über 200 Kilometer Wanderwege ziehen sich durch die Oberstdorfer Berge. Das zieht Übernachtungsgäste und Tagesausflügler gleichermaßen an. So haben die Tourismuszahlen nach dem Corona-Lockdown schon wieder fast das hohe Vorjahresniveau erreicht. Doch was Vermieter und Hoteliers freut, kann für die Natur zum Problem werden, auch im Schutzgebiet der Allgäuer Hochalpen.

Mit der großen Anzahl an Besuchern steigt leider auch die Zahl der Menschen, die sich rücksichtslos gegenüber der Natur verhalten. Deshalb wurden jetzt in einem Gemeinschaftsprojekt 63 Informationstafeln errichtet, die Gäste auf die Verhaltensregeln im zweit größten Naturschutzgebiet Bayerns hinweisen.

Viele Besucher halten sich nicht an die Regeln

„Die Gäste sind uns willkommen, aber sie müssen sich an die Regeln halten“, sagte Oberstdorfs Bürgermeister Klaus King bei einem Ortstermin an der Talstation der Fellhornbahn. „Das Jahr hat uns leider wieder gezeigt, dass das viele nicht tun.“

Das Ziel der Schilder sei es, die Besucher durch das Naturschutzgebiet zu lenken, erklärte Tourismusdirektor Frank Jost. Er nannte das Projekt „deutschlandweit einmalig“, weil 63 unterschiedliche Schilder errichtet wurden. Neben einer Karte enthalten die jetzt errichteten Tafeln auch Informationen zu seltenen Tier und Pflanzenarten, die in der Umgebung des jeweiligen Standorts vielleicht zu entdecken sind.

„Wir zeigen die Top-Stars des Gebiets“, sagte Henning Werth vom Zentrum Naturerlebnis Alpin (ZNAlp), das die Oberstdorfer ebenso wie die Naturschutzbehörde der Regierung von Schwaben unterstützt hat. Gerade der Erfahrungsaustausch mit dem ZNAlp sei sehr hilfreich gewesen, weil auf das breite Wissen der dort beschäftigten Experten im Bereich der im Gebiet vorhandenen Flora und Fauna zurückgegriffen werden konnte, erklärte Tourismusdirektor Jost.

Allein für den Aufbau der Schilder investierte die Gemeinde rund 15. 000 Euro. Mit der finanziellen Unterstützung der Regierung von Schwaben konnten die Schilder genehmigt und realisiert werden. Michael Finger vom Bund Naturschutz kritisierte, dass die Regierung keinen Gebietsbetreuer mehr in dem Naturschutzgebiet im Einsatz habe.

Schilder an Schutzhütten und Wanderrouten

Insgesamt wurden 63 Schilder verschiedener Größen auf den Wegen und Eingängen zum Naturschutzgebiet, auf den Auffang- und Wanderparkplätzen sowie an Brennpunkten im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen und Naturschutzgebiet Schlappold angebracht.

Auch auf Zeigersattel, Nebelhorn sowie an der Rappensee- und der Mindelheimerhütte wurden Schilder errichtet. „Bemerkenswert war, dass alle Grundbesitzer sofort begeistert von der Idee waren“, erzählte Moritz Zobel, Alpinberater bei den Oberstdorfer Kurbetrieben. Auch Alpwirtschaft und Landesbund für Vogelschutz unterstützen das Projekt. So seien schon neue Schilder angefragt worden. „Es sei auch viel Fachwissen notwendig, um die Schilder zu entwickeln“, erklärte die stellvertretende Landrätin Christine Rietzler. „Aber die Tafeln sind wichtig.“

Die nun breit gestreute Information kann der unteren Naturschutzbehörde als Grundlage für Bußgelder bei Ordnungswidrigkeiten dienen. Das Projekt läuft im Rahmen des Konzepts „Zämed Duss“ von Tourismus Oberstdorf. Hier wurden weitere wertvolle Projekte zur Vorbeugung von Konflikten auf den Wanderwegen, den Schutzhütten sowie alpwirtschaftlichen Flächen verwirklicht und die Zusammenarbeit mit der Regierung von Schwaben sowie dem Zentrum für Naturerlebnis Alpin maßgeblich intensiviert.

„Gerade weil Tirol und Vorarlberg Risikogebiete sind, erwarten wir viele Gäste im Winter“, sagte ZNAlp-Leiter Ethelbert Babl. „Wir sind in Gesprächen, wie wir unsere Ranger einsetzen können.“ Derzeit werden Konzepte erarbeitet, um Freizeitsportler wie Skitouren- und Schneeschuhgeher für die Natur im Schutzgebiet zu sensibilisieren.