Fußball in der Corona-Krise

Abbruch der Juniorenligen im Fußball: Wie es für den Nachwuchs weitergeht

Wie geht’s weiter mit dem Jugendfußball? Der Abbruch der laufenden Saison ist nunmehr beschlossene Sache, nun kann ab September wieder in einer neuen Spielserie gekickt werden. Wenn das die Situation rund um die Corona-Krise zulässt.

Bild: Sibylle Seidl-Cesare

Wie geht’s weiter mit dem Jugendfußball? Der Abbruch der laufenden Saison ist nunmehr beschlossene Sache, nun kann ab September wieder in einer neuen Spielserie gekickt werden. Wenn das die Situation rund um die Corona-Krise zulässt.

Bild: Sibylle Seidl-Cesare

Die Fußball-Jugend in Bayern wird nach dem Aus in eine neue Spielzeit starten. Wie das Modell aussieht und wie die Oberallgäuer Vereine reagieren.

Von Thilo Kreier
13.06.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Wie geht’s weiter mit dem Oberallgäuer Jugendfußball? Normalerweise dreht sich Anfang Juni bei den Oberallgäuer Amateurfußballern alles um den Endspurt der laufenden Saison. Wer steigt auf, wer steigt sicher ab, wer zittert noch, wer darf oder muss in die Relegation? Dieser Tage lautet allerdings die Frage aller Fragen des unterklassigen Fußballs: „Weiterspielen oder abbrechen?“. Für die Herren wurde diese Frage bereits vor einigen Wochen mit „Saisonfortsetzung“ beantwortet. Auch die Damen spielen weiter, doch für die Juniorenteams wurde den Allgäuer Vereinsvertretern am Donnerstag das Modell „Abbruch mit Koeffizienten“ vorgestellt.

Eine Arbeitsgruppe, in der nicht nur Funktionäre des Bayerischen Fußballverbands saßen, sondern zur Hälfte auch Vertreter der Vereine, hat einen Abbruch der Juniorenligen vorgeschlagen, der von der Verbandsspitze nunmehr auch beschlossen wurde. Die Hauptgründe: Die Kinder spielen ohnehin zumeist in nicht aufstiegsberechtigten Gruppen. Von den F- bis zu den C-Junioren sind das 53 Prozent, entsprechend geht es im Jugendbereich eher um Breiten- als um Leistungssport und der Ausbildungsgedanke steht im Vordergrund. Hinzu kommt, dass die Jahrgangswechsel als essenziell für die fußballerische Entwicklung der Jungs gesehen werden. Im Jugendbereich werden die Teams in Jahrgangsstufen eingeteilt, die zwei Kalenderjahre umfassen – entsprechend spielen die Kinder und Jugendlichen jeweils ein Jahr im „jungen“ Jahrgang und müssen sich gegen die „Großen“ bewähren. Und im Folgejahr sind sie als „alter“ Jahrgang körperlich bereits ein Jahr weiter und können sich leichter durchsetzen. Mit dem Abbruch der Saison und dem regulären Weiterrücken der Jahrgänge wird also vermieden, dass Kinder und Jugendliche drei Jahre lang als „alter“ oder „junger“ Jahrgang antreten müssten.

Natürlich müssen Teams auf- und absteigen. Für die Wertung der bisherigen Saison wird die so genannte Quotienten-Regelung angewendet. Die Anzahl der Punkte geteilt durch die Anzahl der absolvierten und gewerteten Spiele ergibt einen Wert, der für Auf- und Abstieg maßgeblich ist. Um Härten zu vermeiden, dürfen sich auch Teams zum Aufstieg melden, die mehr als 80 Prozent der Quotientenpunkte des Tabellenersten haben. Absteigen müssen nur Teams, die bis dato keinen einzigen Punkt geholt haben.

BFV will flexibel in die neue Saison

Es gibt Normzahlen der einzelnen Ligen, aber für die Übergangssaison 2020/2021 hat sich der Verband größte Flexibilität auf die Fahnen geschrieben. Zum einen ist an die Einrichtung von Meldeligen auf Kreisebene gedacht – hierüber befinden die einzelnen Fußballkreise noch separat – zum anderen sollen zwei Halbserien gespielt werden. Bis zum Winter werden Auf- und Absteiger jeweils in Gruppen bis zu zehn Teams mit nur einem Spiel (ohne Rückrunde) gespielt. Es wird also deutlich mehr Spielgruppen je Liga geben. Im Frühjahr gibt es bei gutem Verlauf der Herbstserie noch eine weitere Halbserie mit Auf- und Abstieg. Im besten Falle kann einer Mannschaft also sogar der Durchmarsch von der Kreisgruppe in die Kreisliga gelingen.

„Ein Spieljahr zu Ende bringen“

Die Halbserien-Variante bietet in Corona-Zeiten viel Flexibilität: „Wenn wir das erste Spieljahr im Herbst unterbrechen müssen, wird dieses im Frühjahr fortgesetzt. Wir wollen auf jeden Fall ein Spieljahr zu Ende bringen“, sagt BFV-Verbands-Jugendleiter Florian Weißmann hierzu. Sollte die Pandemie einen Start erst im Frühjahr 2021 ermöglichen, wird eine einfache Runde mit dem abschließenden Auf- und Abstieg erst ab dem Frühjahr durchgeführt.

Ob nach dem Ende der kommenden Sommerferien der Ball auch wirklich wie geplant rollen kann, wird die Entwicklung der Corona-Pandemie zeigen. Während sich viele Oberallgäuer Vereine bislang eher zurückhaltend gezeigt haben, was eine Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs anging, wollen erste Vereine nach den Pfingstferien Trainings-Versuche mit ihren Jugendteams starten.

 

Die Reaktionen der Oberallgäuer Vereine

 Die Entscheidung des Bayerischen Fußballverbands ist bei den Jugend-Verantwortlichen der Vereine im Oberallgäu auf breite Zustimmung, aber auch auf Erleichterung gestoßen. Wir haben die Reaktionen zusammengefasst.

Michele Lupo, Jugendleiter SC Thalkirchdorf: Die Entscheidung finde ich gut. Es hätte keinen Sinn gemacht, die Saison im Herbst weiterzuspielen. Wer weiß, ob wir überhaupt spielen dürfen? Mit dem Training starten wir derzeit noch nicht, eventuell im Juli. Mit den momentan geltenden Auflagen macht das für unsere Kleinfeldmannschaften keinen Sinn.

Markus Eberle, Jugendleiter FC Rettenberg: Ich finde den Abbruch im Jugendbereich richtig. Wenn da genauso wie im Seniorenbereich verfahren worden wäre, hätten wir den Jungs und Mädels ein Jahr gestohlen, und danach hätten sie einen Riesensprung von zwei Jahren zu bewältigen. Sehr gut finde ich die flexible Regelung mit den Halbserien. Die Regelung mit Auf- und Abstieg bereits im Winter und neuer Einteilung im Frühjahr ist super.

Axel Neubert, Jugendleiter 1. FC Sonthofen: Der Abbruch ist für uns richtig, er hätte allerdings gerne ein bisschen früher kommen dürfen, um Klarheit für zu schaffen. Ich bin gespannt, wie sich die Regelung mit der Einfachrunde bewährt – da sind einige Ungerechtigkeiten zu erwarten. So schnell wie möglich wollen wir mit dem Training starten, unter Einhaltung der Vorschriften. Diese Schritte besprechen wir nun im Vorstand.

Daniele Lupo, Jugendleiter FC Immenstadt 07: Seit den ersten Diskussionen, wie es im Jugendfußball weitergehen soll, ist der Abbruch meine favorisierte Lösung. Alles andere hätte zu viel Chaos nach sich gezogen, vor allem wenn die Saison noch einmal unter- oder abgebrochen werden müsste. Die geplanten Halbserien, wo im Winter auf-/abgestiegen werden kann, sind ebenfalls eine gute Lösung. Der FCI versucht, als ersten Schritt ab nächster Woche mit den Herren und der C-Jugend im „Testlauf“ das Training aufzunehmen.

Raphael Wechs, Jugendleiter TV Hindelang: Der Abbruch in Kombination mit der Quotientenregelung und dem Nicht-Abstiegszwang ist der einzig sinnvolle Weg. Auch den Plan, zwei kurze Saisons zu spielen, find ich eine gute Option. Mit dem Training starten wir frühestens, sobald die Gemeinde das Sportgelände wieder freigibt. Die Vorgaben seitens BFV für ein sicheres Training können wir aber, wie viele andere Dorfvereine, nicht erfüllen, sodass ein geordneter Trainingsbetrieb de facto erst bei weiteren Lockerungen möglich ist.