Amtsgericht Sonthofen

Alleinerziehender Vater greift Polizisten an und muss ins Gefängnis

Bei einer Identitätskontrolle tritt ein 47-Jähriger nach hinten aus und verletzt einen Polizsiten. Nun muss der Mann ins Gefängnis.

Bei einer Identitätskontrolle tritt ein 47-Jähriger nach hinten aus und verletzt einen Polizsiten. Nun muss der Mann ins Gefängnis.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Bei einer Identitätskontrolle tritt ein 47-Jähriger nach hinten aus und verletzt einen Polizsiten. Nun muss der Mann ins Gefängnis.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Ein Oberallgäuer ist angeklagt, weil er bei einer Kontrolle einen Beamten angreift. Da er bereits auf Bewährung ist, muss der 47-Jährige ins Gefängnis.
23.09.2022 | Stand: 05:30 Uhr

Gleich wegen zwei Straftaten musste sich ein 47-Jähriger vor dem Amtsgericht Sonthofen verantworten. Zum einen soll der Angeklagte Handel mit Betäubungsmitteln getrieben haben; zum anderen wird ihm zur Last gelegt, am Silvesterabend einen Polizisten tätlich angegriffen und beleidigt zu haben. Der im Oberallgäu lebende Angeklagte wurde von Richterin Brigitte Gramatte-Dresse zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt.

In der Verhandlung stellte sich schnell heraus, dass das Augenmerk der Staatsanwältin und der Richterin auf dem Vorfall an Silvester lag. Der Angeklagte war zum Tatzeitpunkt in Blaichach. Die Polizei wurde alarmiert, weil der Mann auf offener Straße randalierte. „Ich habe meine tote Frau angeschrien“, sagte der Angeklagte im Prozess. „Ich war einfach wütend.“

Angeklagter tritt mit Springerstiefeln zu

Die Beamten wollten die Identität des Angeklagten prüfen. Dieser wehrte sich jedoch und schubste den Polizisten, weshalb der 47-Jährige zu Boden gebracht wurde und Handschellen angelegt bekam. Weil er die Beamten ständig beleidigte, brachten sie ihn zur Dienststelle, um dort die Identität festzustellen. Als der Angeklagte sich wehrte, ins Auto zu steigen, trat er zugleich mit seinen Springerstiefeln nach hinten aus und traf den Polizisten am rechten Schienbein und am linken Knie. Auf der Dienststelle stellten die Beamten die Identität des Mannes fest und nahmen ihm Blut ab.

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„Bei der Blutentnahme war es umgänglich und ruhig“, schildert ein Polizeibeamter die Situation. Anschließend habe er zwei Stunden geschlafen, ehe er wieder anfing, die Polizisten über die Sprechanlage zu beleidigen. „Er hat die Decke ins Klo gestopft und gespült, um die Zelle unter Wasser zu setzen“, sagte der Dienststellenleiter. Am nächsten Morgen wurde der Angeklagte entlassen. „Es tut mir sehr leid, dass ich das getan habe“, richtete der Angeklagte die Worte an die Polizisten. „Ich war nicht Herr meiner Sinne.“ Der 47-Jährige habe im Vorfeld eine Menge Alkohol getrunken, zudem sein vom Arzt verschriebenes Cannabis konsumiert. An einen Großteil des Vorfalls könne er sich nicht mehr erinnern. „Ich bin jedenfalls froh, dass Sie mich da weggeholt haben. Ich weiß nämlich nicht, was ich sonst noch alles gemacht hätte“, sagte er weiter.

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Der Angeklagte leide unter einer Angststörung. Seine Frau habe sich umgebracht, sein 14-jähriger Sohn sei dadurch psychisch labil. „Er hat sich vor Weihnachten die Arme aufgeschnitten. Danach war ich nicht mehr ansprechbar.“ Ein zusätzlicher Streit mit seiner Freundin habe den Angeklagten an Silvester dazu veranlasst, bei einem Freund in Blaichach etwas zu trinken. Die Blutentnahme bestätigte das: Zur Tatzeit hatte er einen Alkoholwert von 2,2 Promille.

Während des Prozesses räumte der Angeklagte alles ein, obwohl er sich an einiges nicht mehr erinnern konnte. Er schrieb zudem einen Entschuldigungsbrief an die Polizisten. Diese nahmen die Entschuldigung an, außer wegen des Tritts – dieser hatte keine schwere Verletzung zur Folge – denn er sei absichtlich gewesen.

Gegen Bewährungsauflagen verstoßen: Angeklagter muss ins Gefängnis

Da der Angeklagte bereits öfter bei der Richterin war und sie aufgrund seiner Drogensucht nicht von einer Besserung ausgeht, verurteilte sie ihn zu einer Gefängnisstrafe. Auch eine verminderte Schuldfähigkeit wegen des hohen Alkoholwerts half nicht. „Zu Ihren Gunsten steht zwar das vollumfängliche Geständnis, doch sie haben gegen ihre Bewährungsauflagen verstoßen und mit ihrem Tritt eine gefährliche Körperverletzung billigend in Kauf genommen“, sagte die Richterin. „Ihre Aufgabe wäre es gewesen, Ihr Suchtproblem in den Griff zu bekommen. Und dort zeigen Sie keinerlei Problemeinsicht.“

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