Ausdauersport

Lauf-Events 2021 vor dem Aus? Organisator Axel Reusch spricht Klartext

Der Sportlermagnet schlechthin: 2019 stellte der 13. Allgäu Panorama-Marathon mit 1540 Finishern einen neuen Rekord auf. Der APM ist inzwischen der beliebteste Marathon in Bayern - 2020 musste er aber gestrichen werden.

Der Sportlermagnet schlechthin: 2019 stellte der 13. Allgäu Panorama-Marathon mit 1540 Finishern einen neuen Rekord auf. Der APM ist inzwischen der beliebteste Marathon in Bayern - 2020 musste er aber gestrichen werden.

Bild: Günter Jansen

Der Sportlermagnet schlechthin: 2019 stellte der 13. Allgäu Panorama-Marathon mit 1540 Finishern einen neuen Rekord auf. Der APM ist inzwischen der beliebteste Marathon in Bayern - 2020 musste er aber gestrichen werden.

Bild: Günter Jansen

Frühlingslauf, Allgäu Panorama-Marathon, Citylauf und King of Alpsee: Organisator Axel Reusch steht nach dem mauen Jahr 2020 erneut vor einer unsicheren Saison.
18.03.2021 | Stand: 20:05 Uhr

Es ist eine Premiere, auf die Axel Reusch gerne verzichtet hätte. Der Frühlingslauf in Sonthofen ist die erste Ausdauersport-Veranstaltung im Oberallgäu, die wegen der Einschränkungen im Lockdown bereits das zweite Mal ausfällt. Zeitreise in den März 2020: Alles ist angerichtet für die traditionelle Saisoneröffnung der Läuferszene im Sonthofer Süden, Organisator Reusch steht in den Startlöchern. Doch wenige Tage vor dem Startschuss zwingt das damals „neuartige Coronavirus“ die Bundesrepublik in den Lockdown. Heute, exakt ein Jahr später, hat sich einiges gewandelt – nur wenig aber zum Guten. „Ich bin inzwischen erschöpft, mich immer und immer wieder mit dem Thema zu beschäftigen“, sagt Axel Reusch. „Planungen, Hoffnungen, Sorgen und Verschiebungen, Neuansetzungen und Nackenschläge. Das ermüdet allmählich.“

Axel Reusch: "Lage ist zu unübersichtlich"

Und obwohl der Frühlingslauf 2021, der traditionell am Sonntag nach dem Frühlingsbeginn steigt, offiziell noch gar nicht abgesagt ist, ist der aufkommende Frust beim 52-jährigen Burgberger nachvollziehbar. Allgäu Vertical, Frühlingslauf, Citylauf und Allgäu Panorama-Marathon: Vier Ausdauersport-Events musste Axel Reusch im Jahr der Pandemie streichen. Immerhin gelang es dem passionierten Triathleten in Kooperation mit Marc Wenz im September, die Premiere des Schwimmwettkampfs „King of Alpsee“ anzukurbeln.

Der Start ins neue Jahr, wenn in den ersten drei Monaten für gewöhnlich die Planungen der meisten Wettkämpfe auf Hochtouren laufen oder gar abgeschlossen sind, stockt für Reusch einmal mehr. „Beim Frühlingslauf ist noch alles offen. Wir haben noch nicht einmal die Anmeldung freigeschaltet. Zu unübersichtlich ist die Lage“, sagt Reusch. „Denn wir dürften theoretisch nicht einmal den Start- und Zielbereich aufbauen, weil sich zu viele Menschen aus zu vielen Haushalten zu nahekommen würden.“ Ungeachtet der erneut steigenden Infektionszahlen wäre der Individualsport zumal im Freien, zumal kontaktlos, ab dem 22. März erlaubt – eine Veranstaltung von 300 Läufern scheint aber nach wie vor undenkbar.

Axel Reusch ist als leidenschaftlicher Triathlet ein Kenner der Szene.
Axel Reusch ist als leidenschaftlicher Triathlet ein Kenner der Szene.
Bild: Dominik Berchtold

Reusch will weiter abwarten, auch eine Verschiebung in den April oder in den Mai sei möglich. Eine alternative Konstellation, wie es die Organisatoren des Kemptener Silvesterlaufs umgesetzt haben, strebt er (noch) nicht an. Dort hatten die Ausrichter einen Startbereich installiert, von dem aus die Athleten individuell laufen durften – jeder Sportler hatte sich einen Zeitraum gewählt, in dem er seine Strecke absolvieren konnte. Das Teilnehmerfeld wurde entzerrt.

Modus vom Silvesterlauf eine Option

„Das ist eine gute Idee, um Ballungen zu vermeiden. Aber auch wenn man keine Verpflegungen an der Strecke installiert, finden sich die Leute im Nachgang auf dem Gelände, sodass man letztlich doch Kontakte provoziert“, sagt Reusch und ergänzt mit Blick auf seine Events: „Es ist fraglich, ob der Modus für die Läufer einmal recht witzig ist, sich dann aber abnützt. Denn wir organisieren diese Rennen für die Menschen auch, damit sich Sportler treffen, sich untereinander austauschen. Und nicht, um sich alleine beim Laufen am Illerdamm das Licht anzuknipsen.“

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Entsprechend wolle er „die Füße stillhalten und abwarten, bis die Politik klar grünes Licht gibt“, sagt Reusch. Immerhin blieben bis zum Start des zweiten Rennens, des Citylaufs im Juli, vier weitere Monate. Zwar soll das Stadtfest, dem der atmosphärisch reizvolle Staffellauf am Abend davor vorausgeht, abgesagt werden – Reusch hält aber eine Durchführung „für durchaus möglich“.

Allgäu Panorama-Marathon 2019 mit neuem Rekord

Weitaus wichtiger für den 52-Jährigen, für die gesamte Ausdauer-Szene und für die Region ist aber der Sportler- und Publikumsmagnet schlechthin: Der Allgäu Panorama-Marathon im August. 2019 hatte der beliebteste Marathon Bayerns in seiner 13. Auflage mit 1540 Finishern noch den Teilnehmerrekord aus dem Vorjahr (1330) pulverisiert. 2020 fiel aber auch der APM aus. „Hier habe ich die Hoffnung, dass wir bis Mitte August mit entsprechenden Lockerungen und ohne gravierende Einschnitte eine vernünftige Veranstaltung über die Bühne bringen können“, sagt Reusch, für den sich solche „gravierenden Einschnitte“ nicht auf die Maskenpflicht oder auf die Wahrung des Abstands im Zielbereich beziehen. „Ich wünsche mir aber, dass wir eines Tages – vielleicht im Spätsommer – so weit sind, dass wir den Sport machen können, um die Events in der Region aufleben zu lassen.“

Bis dahin wird sich auch der Allgäuer Rekordteilnehmer an der Ironman-WM auf Hawaii gedulden und in unsicheren Zeiten trotzdem planen müssen. „Derzeit stehen Ausgabenentscheidungen an: Ob ich Pokale herstellen lassen soll, ob ich 2000 Medaillen bestellen und die Teilnehmergeschenke vorbereiten muss“, sagt Reusch, der zumindest fest mit der Austragung des zweiten „King of Alpsee“ im September plant. „Die Arbeit ist nicht das große Problem. Aber für die Motivation ist es furchtbar anstrengend, wenn man immer wieder plant, verschiebt, hofft und enttäuscht wird“, sagt Reusch. „Ich hoffe, dass wir 2022 in der Normalität sind. Und dann schnell vergessen, was war.“