Baustelle in den Alpen

„Das sind einfach die besten Routen" - Wegebautrupp macht Grenzgängerweg zwischen Allgäu und Tirol wieder gut begehbar

Grenzgänger

Jede Stufe eine Viertelstunde Handarbeit: Siegfried Sedlacek vom Grenzgänger-Wegebautrupp beim Setzen von Treppenstufen.

Bild: Thilo Kreier

Jede Stufe eine Viertelstunde Handarbeit: Siegfried Sedlacek vom Grenzgänger-Wegebautrupp beim Setzen von Treppenstufen.

Bild: Thilo Kreier

Passagen sichern, Treppenstufen bauen: Der Wegebautrupp aus Tiefenbach macht den historischen Grenzgängerweg, den schon Schmuggler nutzten, wieder gut begehbar.
19.08.2021 | Stand: 06:03 Uhr

Sie haben vier Sommer in den Bergen zwischen Tannheimer Tal, Lechtal und Bad Hindelang verbracht – die Männer vom Grenzgänger-Bautrupp. Die Wegbauspezialisten des Forstunternehmens Finsterer aus Tiefenbach schaffen seit 2017 einen gut begehbaren Wanderpfad entlang des Grenzkamms zwischen Tirol und Allgäu. Nun geht ihre Arbeit beim Interreg-Projekt ins letzte Jahr, heißt es in einer Mitteilung der Projektleitung.

Der Planer hat den gesamten Grenzgänger bereits zweimal inspiziert und kennt jeden Kilometer der alpinen Steige und Wege. Weil der „Grenzgänger“ ein Interreg-Projekt ist, gibt es eine hohe staatliche Förderung von 75 Prozent. Dafür haben sich die im Tourismus Verantwortlichen vom Lechtal, Tannheimer Tal und Bad Hindelang sowie die DAV-Sektion Allgäu-Immenstadt zusammengetan.

Grenzgängerweg zwischen Allgäu und Tirol: Schwierige Passagen werden gesichert

Für die Umsetzung des Grenzgängers sorgte für Bad Hindelang Projektleiter Thilo Kreier. „Es gibt bei uns in den Allgäuer Hochalpen für jedes alpine Ziel eine historisch gewachsene Ideallinie, der wir folgen“, sagt Kreier. Diese etablierten Wege hätten die Hirten dereinst festgelegt „– und der eine oder andere Schmuggler“. Kreier: „Das sind einfach die besten Routen – und wir machen sie mit unserem Projekt sicherer, wo es nötig ist.“ So würden Abkürzungen renaturiert, mehrere mäandrierende Wege zu einem zusammengefasst und schwierige Passagen gesichert – mal durch eine größere Wegbreite, mal durch eine verbesserte Wegneigung oder bisweilen mit einem Stahlseil. Die Arbeiter würden die Wege laut Kreier naturnah neu profilieren, wenn sie stark abschüssig oder vom Hang weg geneigt sind und schwierig zu begehen sind. (Lesen Sie auch: Alpenverein: Historisch wenige Bergtote im Corona-Jahr - Mehr Notfälle am Klettersteig)

Ein naturnaher Weg ist gefragt

Außerdem bauen sie Entwässerungsableitungen ein und Treppenstufen aus Holz, Stein oder Stahl. Trotzdem soll der Grenzgänger ein naturnaher Weg bleiben. „Die Rücksichtnahme auf die Natur ist eine der zentralen Intentionen des Grenzgänger-Projekts“, stellt Kreier klar. Damit sollen Wanderer gelenkt und von besonders schützenswerten Zonen ferngehalten werden.

Thomas Scholl verankert Stahlseile am Abstieg vom Bschießer.
Thomas Scholl verankert Stahlseile am Abstieg vom Bschießer.
Bild: Thilo Kreier

Doch auch die Bauarbeiter sollen im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen (auf deutscher Seite) und im Natura-2000-Gebiet (in Österreich) auf besonders schützenswerte Pflanzen und Tierarten hingewiesen werden, damit sie sie nicht versehentlich zerstören. Daher starte vor jedem Baulos eine Umweltkommission mit einem ökologischen Baubegleiter und dem Projektteam ins Gelände. Dabei wird festgelegt, was genau aus Naturschutzgründen überhaupt realisiert werden kann. Beim Grenzgänger wird fast durchgehend auf Maschinen und technischen Helfer verzichtet. Das erfordert aber auch viel mehr Muskelkraft und Handarbeit. (Lesen Sie auch: Was gilt in den Bergen? Ein Gipfelknigge klärt mit Comics über das richtige Verhalten auf)

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