Nach dem Winter

Allgäuer Forstbetrieb: Mit einer App dem Borkenkäfer auf der Spur

Trotz geringer Größe ist der Borkenkäfer der Schädling Nummer eins im Wald.

Trotz geringer Größe ist der Borkenkäfer der Schädling Nummer eins im Wald.

Bild: Martin Hertel, Bayerische Staatsforsten

Trotz geringer Größe ist der Borkenkäfer der Schädling Nummer eins im Wald.

Bild: Martin Hertel, Bayerische Staatsforsten

Die Förster sind optimistisch: Die intensive Suche nach Borkenkäfern sind der Schlüssel für gesunde Wälder. Wie die moderne Technik dabei hilft.
05.04.2022 | Stand: 12:23 Uhr

Die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten starteten mit der Suche nach dem Forstschädling Nummer eins: dem Borkenkäfer. Erste Exemplare schwärmen bei warmem Wetter ab April aus, teilt der Forstbetrieb Sonthofen mit, dessen Zuständigkeitsbereich auch das Ostallgäu umfasst. Durch den Klimawandel (warmes Frühjahr, warmer Herbst) verlängere sich die Zeit, in der die Käfer aktiv sein können.

Doch anders als in den Vorjahren sei die Ausgangslage heuer deutlich positiver: „Auch wenn der März deutlich zu warm und zu trocken war, sorgte die vergleichsweise kühle und nasse Witterung des Winters und des vergangenen Jahres dafür, dass die Ausgangspopulation niedriger und die Abwehr der Fichten gestärkt wurde“, sagt Forstbetriebsleiter Jann Oetting aus Sonthofen.

Bei frostfreien Nächten und Temperaturen konstant über 16 Grad könnten die Borkenkäfer ausschwärmen

Der Borkenkäfer sitze dennoch in den Startlöchern: „Wenn nach der kurzen winterlichen Unterbrechung die Nächte jetzt frostfrei bleiben und sich die Temperaturen konstant über 16 Grad bewegen, könnten die Borkenkäfer ausschwärmen“, sagt Oetting. Derzeit laufen noch entscheidende Vorbereitungen für die bevorstehende Käfersaison. Die letzten Bäume, in denen Käfer überwintert haben, werden gesucht und entfernt. Außerdem werde akribisch nach Bäumen gefahndet, die bei den Stürmen im Februar geworfen wurden. Diese müssten schnell aus dem Wald, da sie Brutstätten für den Käfer werden könnten.

Denn Borkenkäfer seien sogenannte „sekundäre“ Schädlinge. „Sie befallen kränkelnde und absterbende Bäume, meist Fichten. Sind die Bedingungen für die Käfer aber günstig, können sie sich massenhaft vermehren und auch vollkommen gesunde Fichten befallen“, sagt Oetting. Die Käfer bohren sich durch die Baumrinde, legen dort Fraßgänge an, in denen sie Larven ablegen. So zerstören sie wichtiges Gewebe, der Baum trocknet aus und stirbt.

Leiter des Forstbetriebs Sonthofen: "Wir dürfen uns keine Unachtsamkeit erlauben"

Sobald dann die ersten Käfer schwärmen, starten die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten mit der Spurensuche. Hinweise auf die Schädlinge seien braunes Bohrmehl, das sich am Stamm durch das Einbohren der Käfer sammelt, abfallende Rinde oder sich verfärbende Nadeln. Auch wenn die Ausgangspopulation kleiner als in den vergangenen Jahren sei, werden die Mitarbeiter des Forstbetriebs Sonthofen auch heuer weiter nach neuen Käferbäumen suchen, sie bei Befall markieren, aufarbeiten und schnellstmöglich aus dem Wald transportieren. „Wir dürfen uns keine Unachtsamkeit erlauben. Kommt eine längere warme und trockene Periode, kann sich die grundsätzlich positive Situation schnell drehen“, erzählt Oetting.

Helfer werden von den Mitarbeitern des Forstbetriebs Sonthofen geschult

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Neben eigenen Mitarbeitern werden auch externe Helferinnen und Helfer eingestellt, die nach Borkenkäferbäumen suchen. „Die Helfer werden von unseren Mitarbeitern geschult und ausgerüstet – etwa mit einer eigens entwickelten Borkenkäfer-App für Smartphones“, erklärt Oetting. Mit der App könnten befallene Bäume in Echtzeit aufgenommen und in digitalen Karten markiert werden. So seien alle miteinander vernetzt und damit immer auf dem gleichen Kenntnisstand, vom Förster über die Waldarbeiter bis zum Forstbetrieb.

2022 rechnen die Verantwortlichen mit niedrigeren Schadzahlen als in den vergangenen Jahren

„Aufgrund der besseren Ausgangslage und der geplanten kontinuierlichen Aufarbeitung rechnen wir 2022 mit niedrigeren Schadzahlen als in den vergangenen Jahren – sofern auch das Wetter mitspielt“, ist Forstbetriebsleiter Oetting zuversichtlich. Den Staatsforsten sei es in den Trockenjahren mit einem personellen und finanziellen Kraftakt in ganz Bayern gelungen, eine massenhafte Vermehrung des Borkenkäfers im Staatswald zu verhindern. Mit dem enormen Aufwand von jährlich mehr als 200.000 Suchstunden in über 1000 Suchbezirken und über 10 Millionen Euro Kosten für die Borkenkäfersuche jährlich seien die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten dem Käfer erfolgreich zu Leibe gerückt.

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