Kunst im Immenstädter Schloss

Allgäuer Künstler zeigen „Auswege“ aus der Krise: Ausstellung in Immenstadt

„Der Weg nach Innen“: Ölgemälde von Heike Hüttenkofer, zu sehen in der Ausstellung „Auswege“ im Immenstädter Schloss.

„Der Weg nach Innen“: Ölgemälde von Heike Hüttenkofer, zu sehen in der Ausstellung „Auswege“ im Immenstädter Schloss.

Bild: Monika Rohlmann

„Der Weg nach Innen“: Ölgemälde von Heike Hüttenkofer, zu sehen in der Ausstellung „Auswege“ im Immenstädter Schloss.

Bild: Monika Rohlmann

Das Team der Allgäuer Suizid-Prävention hat einen Kunstwettbewerb ausgeschrieben: Ausgewählte Werke von Allgäuern weisen im Immenstädter Schloss nun "Auswege".
27.03.2022 | Stand: 11:30 Uhr

Die Treppe führt vom Dunkel zum Licht, aber sie wird nach oben hin immer schmaler. Dort oben, wo sie hin führt, steht eine Türe ein wenig offen. Aus ihr dringt das Licht, das den Raum und die Stufen erhellt. „Auswege“ heißt die Ausstellung im Immenstädter Schloss, die diese Fotoarbeit von Karl K. Maurer enthält. Das Werk könnte gleichsam als Symbol für diese Ausstellung dienen.

Sie zeigt im Schlosssaal 20 ausgewählte Arbeiten, die im vergangenen Jahr für einen Wettbewerb eingereicht wurden, den die Suizidprävention des Evangelisch-Lutherischen Dekanates Kempten ausgeschrieben hat. Denn Kunst kann eine Hilfe sein, um tabu-behaftete Themen ansprechen zu können, sagt Initiatorin und Pfarrerin Jutta Schröppel.

Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Suizid, Selbsttötung, sei ein solch tabubehaftetes Thema. Dabei sei die Suizid-Prävention, das Verhindern einer Selbsttötung, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, erläutert Pfarrerin Jutta Schröppel bei der Eröffnung.

Krisen können einem Menschen schwer zusetzen, ihn in eine Situation bringen, in der er für sich selbst keinen Ausweg mehr findet. Da könnten dann die Menschen in seinem Umfeld Hilfestellungen bieten. Ihm Auswege weisen.

Der Ausweg ist "meistens nicht beschildert"

„Fast immer gibt es einen Ausweg, bloß meistens ist er nicht beschildert“, hat etwa Tanja Braun auf ihrer Mischtechnik-Collage vermerkt, für die ihr von der Jury der erste Preis zugesprochen wurde.

70 Allgäuer Künstler nehmen teil

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70 Künstlerinnen und Künstler aus dem Allgäu haben sich an dem Wettbewerb beteiligt, sagt Jutta Schröppel. Zugelassen waren Werke aus den Bereichen Malerei, Grafik und Fotografie. Fünf Arbeiten wurden prämiert, darunter das Acrylbild „Weg ins Licht“ von Heidrun Bauer und die Monotypie „Inne-Halten“ von Sarah Breimaier. Ersteres zeigt inmitten eines dunklen Raumes einen kugelförmigen, leuchtenden Körper. Er gleicht einem Stern, der im All erstrahlt. Letzteres Werk skizziert drei Beispiele für innige Umarmungen.

Ausdrucksstarke Arbeiten

Ausdrucksstarke Arbeiten haben aber auch Künstlerinnen und Künstler eingereicht, die keinen der fünf mit insgesamt 3000 Euro dotierten Preise erhalten haben. In der Ausstellung beeindruckt zum Beispiel das Ölgemälde „Der Weg nach Innen“, das Hände, mit denen schwer gearbeitet wurde, in Meditationshaltung zeigt. Heike Hüttenkofer, promovierte Ärztin und leidenschaftliche Malerin, hat ihr Motiv in Grautönen fotorealistisch fein detailliert ausgearbeitet.

Ungewöhnliche Perspektive

Reizvoll ist auch Julia Henzes Mischtechnik „In der Schwebe“. Die Collage lenkt den Blick auf Schwimmerinnen, die in einem Pool wohl Gymnastik betreiben und dabei die Beine zur Hocke zusammengezogen haben. Ungewöhnlich ist dabei die Perspektive, die eine Ansicht unter der Wasseroberfläche liefert. Die Wirklichkeit darüber, der Ausweg jenseits des Wassers, bleibt unklar.

Der Weg zum Licht

Viele der Bilder weisen den Weg zum Licht, erklärt Professor Dr. Markus Jäger, Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kempten und Mitglied der Jury. Er ermuntert die Besucher abschließend zur Achtsamkeit gegenüber anderen und zur Zuversicht in Auswege: „Lassen Sie uns zusammen das Licht finden.“

Öffnungszeiten: bis 3. April, täglich (außer Montag, 28. März) von 15 bis 18 Uhr.

Die Suizid-Prävention im Allgäu des Dekanates Kempten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Was im Schloss Immenstadt alles geboten wird.

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