Ruhestand

Am Mittag kann Werner Schilling sich immer noch nicht satt sehen

Werner Schilling

Den Ausblick aus seinem Büro auf den Mittag wird er vermissen: Werner Schilling, Rektor der Mädchenrealschule Maria Stern Immenstadt, geht jetzt in Ruhestand. Eine „Herzensverbindung“ zu den Bergen bleibt aber bestehen.

Bild: Franz Summerer

Den Ausblick aus seinem Büro auf den Mittag wird er vermissen: Werner Schilling, Rektor der Mädchenrealschule Maria Stern Immenstadt, geht jetzt in Ruhestand. Eine „Herzensverbindung“ zu den Bergen bleibt aber bestehen.

Bild: Franz Summerer

Schulleiter der Mädchenrealschule verlässt nach 19 Jahren Maria Stern in Immenstadt. Der 64-Jährige erinnert sich an schöne und traurige Ereignisse.
31.07.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Auch nach 19 Jahren hat er sich an dem Ausblick aus seinem Bürofenster noch nicht sattgesehen. Werner Schilling schaut auf den Mittag gegenüber. „Daran kann man wunderbar die Jahreszeiten ablesen“, sagt der langjährige Schulleiter der Mädchenrealschule Maria Stern in Immenstadt. Nach 40 Jahren als Lehrer geht der 64-Jährige jetzt in den Ruhestand.

Schilling hatte die Schule sieben Jahre geleitet, davor war er zwölf Jahre als Konrektor tätig. Nach dem Lehramtsstudium der katholischen Religionslehre und Sport war er im Referendariat an verschiedenen Gymnasien. Allerdings gab es Anfang der 80er Jahre eine Lehrerschwemme in seinen Fächern und damit kaum Möglichkeiten an eine staatliche Schule zu kommen. Deshalb ergriff er die Chance und ging an die katholische Mädchenrealschule Maria Ward in Mindelheim.

„Ich komme aus der kirchlichen Jugendarbeit, darin sah ich eine Fortsetzung dieser Arbeit.“ Sein Glaube brachte ihn dazu ein Jahr als Lehrer auszusetzen und an einem europäischen Sozialprojekt der Jesuiten teilzunehmen. Als Streetworker kümmerte er sich um Obdachlose in Innsbruck. „Das war eine gute Erfahrung für mich, bei der ich viele Grenzsituationen erlebte.“

Weil ein Mann nicht gut Sport für Mädchen geben könne, habe er eine Zusatzausbildung absolviert und neben Religion die Fächer Mathematik und IT unterrichtet. Aus der Zeit in Mindelheim sind ihm die Rom-Wahlfahrten mit den Schülerinnen noch in guter Erinnerung. Überhaupt seien die Erlebnisse außerhalb des Schulalltags besonders wichtig, sagt der verheiratete Vater dreier Söhne. „Da erlebt man die Menschen als Ganzes, nicht nur als Mitglied der Schulfamilie.“ Es gab aber auch traurige Ereignisse, als er in der Schulleitung in Immenstadt tätig war. „Zwei Mädchen haben wir in dieser Zeit verloren.“ Er traf sich danach mit den Eltern, um ihnen zuzuhören und sie zu trösten.

Wie haben sich die Schülerinnen und Schüler in den 40 Jahren verändert? „Früher gab es einen Zyklus von sieben Jahren, nach dem eine neue Generation Schüler kam. Heute verändern sich die Schülerinnen innerhalb von fünf Jahren.“ Sie sind selbstbewusster geworden und als Lehrkraft müsse man sich ihren Respekt erst erarbeiten. Wie macht das eine gute Lehrkraft? „Am besten ist es, eine klare Linie zu haben und dabei konsequent zu sein“, sagt der Pädagoge. „Man muss aber auch fachlich gut sein und – besonders wichtig – alle gleich fair behandeln.“

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Und was hat den gebürtigen Augsburger soweit in den Süden verschlagen? „Es gab schon immer eine Herzensverbindung zu den Bergen. Mit drei Monaten war ich zum ersten Mal auf einer Alpe im Gunzesrieder Tal“, erzählt Schilling. Deshalb werde er auch künftig mit den Wanderstiefeln oder auf dem Rad dort unterwegs sein. Dafür hat er jetzt auch mehr Zeit.

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